Mittwoch, 19. September 2012

Bankdrücker














Der Hamburger an sich ist ein Bankdrücker par excellence, bei schönem Wetter ist im Stadtgebiet kaum eine Bank zu finden die nicht schon besetzt ist. Bei diesen Aussichten natürlich nicht weiter verwunderlich. Man könnte auch gut die dreifache Anzahl an Bänken installieren, man findet immer wieder Orte an denen eindeutig eine fehlt.  Oder zwei.

Fehlt nicht: gute Musik, u.a. Ali Farka Touré - Mali Dje auf Radio DBWG 












Sonntag, 16. September 2012

Nächtliche Attacken














Mitten in der Nacht bin ich gerade dabei wegzudämmern, da fällt mir irgend etwas auf den nackten Oberarm und krabbelt darauf herum. Etwas größeres, auf keinen Fall kann das ein Marienkäfer sein, eine Mücke kommt nur als Mutation in Betracht, wir sind hier aber nicht in Tschernobyl.

Erschrocken wisch ich das Ding von meinem Arm und verspüre einen stechenden Schmerz im Zeigefinger. Verdammtes Wespenviech oder was? Als ich aus dem Bett stürze um den Lichtschalter zu erreichen summt das Vieh um mein Ohr, als das Licht brennt seh ich: Nichts.

Totenstille, und keine Bewegung zu entdecken. Als erstes bewaffne ich mich mit dem Elektrokiller, so eine elektrische Fliegenklatsche bringt zwar eine Wespe nicht um, aber eine kurzzeitige Betäubung würde vorerst reichen. Auch mit Brille sehe ich nichts, komme mir dazu noch irgendwie sehr ungeschützt vor. Ich untersuche den auf dem Chefsessel liegenden LBA vorsichtig auf möglichen Insektenbefall und zieh den vor der Schlafzimmertür an, besser ist das. So ein dünner Baumwollfummel schützt zwar nicht vor Wespenstichen, aber einige empfindliche Körperteile sind mir ohne doch zu stark gefährdet.

Danach kaltes Wasser über die Hand, Schwellungen verhindern, brennt wie Sau der Finger. Das gibt Rache, vallah! Als ich das Schlafzimmer wieder betrete fliegt die Wespe direkt auf mich zu, in Höhe des Gesichtes. Ich reiß in letzter Sekunde die Klatsche hoch und *blitzel*, der hat gesessen. Nur, wo liegt das Mistvieh jetzt? Wahrscheinlich irgendwo auf dem Bett, die Richtung käme hin. 

Auf der Bettdecke ist jedoch nichts zu finden, erst mal Schuhe anziehen, nachher liegt der Stecher irgendwo auf dem Boden. Doch auch die intensivste Suche mit der Taschenlampe in den dunkleren Ecken fördert  nichts zu Tage, weder tot noch lebendig. So kann ich nicht schlafen verdammte Hacke. Entweder ich habe eine Leiche oder ich zieh ins Gästezimmer, das Bett ist ohnehin frisch bezogen und pennen kann man da ganz gut eigentlich.

Als ich schon aufgeben und gehen will nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung auf dem Schreibtisch wahr, da krabbelt eine leicht angeschlagene Wespe gerade in Richtung Tischkante. Fies wie ich bin gebe ich ihr eine kleine Hilfe, halte den Elektroschocker an den Rand, und tatsächlich, sie läuft in ihr Verderben. Zuerst ein wenig unschlüssig auf dem Rand, dann begibt sie sich auf den Draht und bevor sie den Fehler bemerkt drück ich auf den Knopf.

Wespen sollten keinen Stachel haben, dann hätten sie ein wesentlich sichereres Leben. Aber wer hier bewaffnet eindringt  muss halt mit Gegenmaßnahmen rechnen.

Musik gegen juckende Finger: Black Rebel Motorcycle Club - Baby 81

Samstag, 15. September 2012

Ich glaub mich beißt ein Schwein














Samstage ohne Heimspiel sind Abenteuertage, wenn mir selber nichts gescheites einfällt vertraue ich darauf, dass das große Kind einen Plan hat. Keinesfalls hab ich damit gerechnet schon wieder auf Gut Wulfsdorf zu landen, letztes Wochenende zur Kartoffelernte, heute zum Kartoffelfest. Bin ich natürlich sofort dabei, letztes mal musste ich mich dank einer fast vollen Speicherkarte beherrschen, heute hatte ich vorgesorgt.

Wenn man nicht im Acker graben muss kommen mehr Leute hab ich festgestellt, Feste ziehen immer. Daher war auch ein Wiesenparkplatz ausgeschildert, der Hof war in allen Bereichen Abenteuerspielplatz oder Gaststätte, Musik und Bänke, Tische, Speisen und Getränke. Alles frisch und Bio, selbstverständlich. Den Produktionsprozessen durfte man nicht nur beiwohnen, es durfte auch selber Hand angelegt werden. Beim Bäcker zum Beispiel, beim Schlachter glücklicherweise nicht, obwohl es an Hinweisen nicht mangelte wie man sehen kann.

Für die Prinzessin und ihre kleinen Freundinnen natürlich alles wieder superspannend, mal abgesehen von den unschlagbaren Kletterbäumen gab es heute auch noch Klettermöglichkeiten im Heu, Rundfahrten mit Kutsche und Trecker, und als Krönung eine Runde Gruppenkuscheln mit Kälbern und Frischlingen. Und wenn die Kinder da schon reingehen muss ich natürlich mit, obwohl ich kurz vorher schon schlechte Erfahrungen machen musste, als mein Fuß etwas zu weit unter dem Gatter des Schweinestalls stand. Die Viecher müssen scheinbar auf allem herumkauen was sich bietet, festes Schuhwerk auf dem Bauernhof ist unverzichtbar.

Bei den Miniaturausgaben ist das zwar nicht ganz so schmerzhaft, aber ungemein lästig. Fotografen stehen häufig still und sind daher ein dankbares Opfer, zumal sie nicht einmal eine Hand freihaben um sich zu wehren. Eine ganze Weile hab ich das durchgehalten, aber als ich dann noch das bevorzugte Ziel einer schlabbernden Kalbszunge wurde gab ich auf. Ich bin Stadtmensch, Mensch.

Gelohnt hat sich der Aufwand aber trotzdem, knapp zweihundert neue Aufnahmen meines Lieblingsmotivs wollen gesichtet werden und auf den ersten Blick sind ein paar für den 100 Punkte Ordner dabei. Dafür lässt man sich schon mal von Schweinen beißen.

Wahrscheinlich nicht vom Schwein gebissen: Ronnie Lane & Slim Chance -  You Never Can Tell - The BBC Sessions















  

Freitag, 14. September 2012

Frühstück bei Dittsche und andere Pleiten















Freier Freitag, voller Zettel. Unglaublich was sich da angesammelt hat, da kann man höchstens von arbeitsfrei reden, zu tun hab ich genug. Also verzichte ich auf das Frühstück, genehmige mir nur einen Kaffee und mach mich auf zu Saturn, da gibt es heute Star Wars, die komplette Ausgabe auf BluRay für 49 Euro, fast 40 Euro unter Normalpreis. Nicht.
Denn die angeblich 1000 Exemplare sind in allen Hamburger Filialen ausverkauft, nach nur einer Stunde. Also werden da wieder etliche Leute das Zeug stapelweise rausgetragen haben um die bei Ebay zu verticken. "Was soll ich machen," sagt der Verkäufer. "wenn jemand vier Fernseher kaufen will sag ich auch nicht nein." Damit ist Saturn für mich endgültig gestorben, denn die Erfahrung hab ich vor Jahren schon mit einem Softwareangebot gemacht, ich hätte mich erinnern sollen.
Stinksauer und hungrig mach ich mich auf den Weg zum Stadion, wenn der Tag so weitergeht kann ich mich auf was gefasst machen. Ist aber wohl doch so, dass viele den langen Weg nach Regensburg an einem Freitag scheuen, ich bekomme problemlos die nötigen fünf Stehplatzkarten. Auswärts allez.

Als ich vom Hof fahre erinnert mich mein Magen an das fehlende Frühstück, das ist etwas zu spät, ich hätte die Karre stehen lassen sollen, bis zur Kleinen Pause ist es nicht weit und die Currywurst dort käme gerade recht. Einen Parkplatz gibt es natürlich nicht, also wird das Frühstück verschoben. Ich muss nach Eppendorf, der dämliche Kaffeevollautomat muss wieder mal zum Service, was für ein Glück dass der teure Haufen Schrott nicht meiner ist.
Bei der Gelegenheit könnte ich direkt die vorgebliche Königin der Currywürste besuchen, die angeblich einzige Currywurstbude die es in den Gault-Millau geschafft hat, das wäre mal was für den Currywursttest. In Eppendorf gibt es aber auch keine Parkplätze, ich stell mich mit Warnblinker in die zweite Reihe und schlepp das Monstrum ächzend zum Reparateur. Das geht einigermaßen fix, aber für eine Frühstückspause ist der Parkplatz nicht geeignet.
Erst etliche Straßen weiter finde ich einen. Auf dem weiten Weg zur Curry Queen fällt mir eine Alternative ins Auge, zwar nicht so edel, dafür dreimal so "kultig". Mindestens.
Die Eppendorfer Grill-Station, mit Deppenbindestrich. Drehort der "Kultserie" Dittsche, der ich ehrlich gesagt nie wirklich viel abgewinnen konnte. An Drehtagen sollen ganze Horden von Fans in Schlappen und Bademänteln den Eingang säumen, heute ist Normalbetrieb, ohne Schauspieler.

Das Angebot liest sich recht gut für einen Imbiss, die Curry gibt es auch in einer Variante mit Chili, direkt aus Finkenwerder wie der Chef anmerkt. Frisch vom Kutter hört sich gut an sag ich, die nehm ich. Scharf mit Bratkartoffeln und die hausgemachte Frikadelle dazu. Eigentlich zu viel, aber hausgemacht muss ich probieren, gute Frikadellen gibt es normalerweise nur zu Hause.

Daran hat sich auch heute nichts geändert, Frikadellen kommen heiß aus der Pfanne oder gar nicht. Bratwürste können zur Not auch aus der Pfanne kommen, noch besser kommen sie vom Grill. Auf gar keinen Fall aber sollten sie aus der Fritteuse kommen, schon überhaupt nicht wenn der Laden Grill-Station heißt, ob mit oder ohne Deppenbindestrich. 

Die Konsistenz von Fritteusenwürstchen ist einfach zum abgewöhnen, aber der Hunger treibts rein. Immerhin ist die Sauce durch einen Kick Chilisauce gut aufgepeppt und die Bratkartoffeln sind lecker und gut gewürzt. Hoffentlich kommt nie jemand auf die Idee, Bratkartoffeln in der Fritteuse zu machen.
Fazit: Super nettes und freundliches Personal, die Bratkartoffeln sollte man mit etwas anderem kombinieren als Currywurst. Die großen Schnitzel in der Auslage sahen gut aus, ich fürchte nur die landen ebenfalls im Frittenfett. Beste Wahl wäre wohl ein Hähnchen, denn das kommt tatsächlich vom Grill.

Als nächstes stehen türkische Gewürzspezialitäten auf dem Plan, die bekomme ich in der Firma nicht. Eppendorf ist multikulti genug, hier wird es ja wohl irgendwo einen türkischen Gemüsehändler geben, die gibt es schließlich an jeder Ecke. Überall. In jedem Stadtteil eigentlich.

Hier nicht. Dafür auf fünfhundert Metern gleich drei Asiaten, bei denen ich von der Currypaste bis zum Reiskocher alles bekommen kann, aber die Türkei ist leider nicht asiatisch genug und einen Türken in der Umgebung kennt auch niemand.

Inzwischen bin ich vom Nieselregen feucht, die Brille beschlagen, und wieder am Auto. Genervt fahre ich zum Steindamm, zum größten Türken den ich kenne, parke direkt vor dem Laden und hole mein Zeug. Wenn die Leute wüssten was Gewürze beim Türken kosten, könnten die in den Supermärkten ihre Regale abbauen. Jetzt fehlt mir nur noch das Lammhack für mein Adana Kebap.

Wenigstes das ist kein Problem, frisch vom Knochen geschnitten und durch den Wolf gedreht beim Bioschlachter um die Ecke. Morgen gibts endlich mal wieder richtig anständiges Futter. Hab ich mir verdient.

Hab ich mir auch verdient, anständigen Rap: Gangstagrass - Rappalachia



Mittwoch, 12. September 2012

Renitentes Volk überall














Da haben wir den Salat, drei Wochen fast durchgehend gutes Wetter im Urlaub sind ja schön, aber man kommt zu fast nichts. Schon gar nicht zum sichten und sortieren der ganzen Fotos die man in der Zeit gemacht hat, und da ist einiges zusammengekommen.

Eine ganze Woche an meinem Zweitwohnsitz zum Beispiel, dem fabelhaften Ottensen, hat allein von diesem Stadtteil gute 250 Aufnahmen in das Archiv gespült. Für die nächsten Stadtansichten im Blog werde ich davon 30 auswählen, wenn mir die Arbeit mal etwas Zeit lässt. Warum ich mich in dieser Ecke so wohlfühle, wenn ich nicht gerade im Blauen Barhaus zu viel getrunken habe, kann man aber vielleicht in einer kleinen Vorauswahl erahnen.

Eine Erklärung zu Bild 6, Kemal-Altun-Platz findet sich hier.

Im Player die neue CD des Meisters: Bob Dylan - Tempest








Sonntag, 9. September 2012

Gelddruckmaschine















Bei der #GEMA hatte mal wieder jemand eine grandiose Idee, nachdem mit Kindergärten wohl nicht das große Geld zu machen war sind jetzt die Clubs an der Reihe. Bis zum zehnfachen der bisherigen Gebühr sollen die jährlich an diesen dubiosen Verein abführen, der einen großen Batzen der Kohle einstreicht und den Rest an die ganzen Humbatäteräkomponisten und Chartstürmerproduzenten verteilt.

Natürlich gibt es dagegen Protest, und dem kann man sich anschließen unter gemastoppen.de, was ich bereits getan habe.

Keine öffentliche Vorführung und daher (noch) gebührenfrei in meinem Player: Seasick Steve - I Started Out With Nothin And I Still Got Most Of It Left. Würde mich interessieren was Steve von der GEMA bekommen hat im letzten Jahr. Mehr als einsfuffzig?

Samstag, 8. September 2012

Rin in die Kartoffeln














Beschämend geradezu, dass ich in drei Wochen Urlaub nicht einen Tag mit der Prinzessin verbringen konnte.Wenigstens am letzten Wochenende vor der drohenden Maloche musste ich einen Tag haben, denn das erhellt mein Gemüt jedes mal auf unglaubliche Weise.

Dafür war ich sogar bereit mich bei verhangenem Himmel und drohendem Regen auf einen Kartoffelacker zu begeben, um Bio-Kartoffeln selber auszugraben. Solche Aktionen finden wohl mehr oder weniger regelmäßig auf dem nahen Gut Wulfsdorf statt, dem Versorger für bewusste Konsumenten, und gerade Kindern wird da einiges geboten.

Kartoffeln ausgraben ist für die Kleinen allerdings nur recht kurzfristig interessant, denn auf so einem Acker ist reichlich Getier zu entdecken, Kartoffelkäfer, Mistkäfer, Riiiiiesenregenwürmer der Sorte "Mamamamamamaguckmal", der immer gern gesehene Freund mit den schwarzen Punkten und bunte Blumen, die alle viel mehr hergeben als diese komische Knolle. Wenigstens wissen sie jetzt, dass Kartoffeln nicht im Supermarkt wachsen, das war das Ziel.

Verschwiegen hab ich ihr aber, dass das unglaublich leckere Bio-Schnitzel heute Abend von einem der Vorfahren der vielen niedlichen Schweine stammt, die ebenso wie Pferde, Rindviecher und Heidschnucken in diesem Paradies aufwachsen dürfen, bis der Tag gekommen ist. Das lernt sie noch früh genug.

Nicht nur für Kinder ein traumhafter Platz. Die Prinzessin braucht ohnehin nur Bäume und Felsen zum glücklich sein, aber wenn dazu noch ein großer Streichelzoo geboten wird ist das eine feine Sache. Ab sofort kauf ich Fleisch ausschließlich dort, die Nähe hab ich viel zu selten ausgenutzt. Bio-Rosmarin für die Kartoffeln war selbstverständlich ebenfalls erhältlich, und falls ich das demnächst noch einmal machen sollte kann man die Knollen dort auch bekommen ohne selber graben zu müssen.

Im Musikarchiv gegraben und gefunden: Fairport Convention - Liege & Lief/Unhalfbricking mit der unsterblichen Sandy Denny.