Sonntag, 17. März 2013

Norddeutsche Küche: Prima Kutterfutter















Es soll Menschen geben, die der norddeutschen Küche mit großem Misstrauen begegnen, und das ist berechtigt. Sag ich einfach mal so, als Norddeutscher. Kreationen wie Birnen, Bohnen & Speck mögen in der Nachkriegszeit ihre Berechtigung gehabt haben, aber meins war das Zeug nie. Von Gerichten wie Snuten un Poten oder gar Swattsuur kann ich Fremden nur abraten, dafür braucht man zumindest ein paar Wikingergene. Norweger kämen als Testesser in Frage, die sind noch härter drauf was kulinarische Experimente betrifft.

Es gibt aber empfehlenswerte Ausnahmen. Eine davon hat zu Unrecht einen schlimmen Ruf, nicht nur südlich der Elbe, das Labskaus. Das mag die Ursache in den zahlreichen Gerüchten haben, was da so für Zutaten verwendet werden, denn man sieht es dem Labskaus nicht unbedingt an was da alles drin ist, wenn es erst einmal auf dem Teller liegt. Eine möglicherweise weitere Ursache, denn man kann das garnieren wie man will, es sieht nicht wirklich besser aus. Aber es schmeckt, ehrlich...

Damit man mir auch Glauben schenkt, hier das Originalrezept, das einzige richtige unter allen Originalrezepten latürnich, weil meine Großmutter das schon so gemacht hat und ich zwanzig Jahre später die exakt gleiche Zubereitungsart bei einem ehemaligen Schiffskoch aus Ostfriesland bewundern durfte.

Rote Bete, Gewürzgurken und Zwiebeln in etwa gleichen Gewichts/Mengenanteilen in feine Würfel schnibbeln. Wenn ich schreibe "feine Würfel" meine ich genau das. Kein grobes Gehacke, schließlich wurde Labskaus erfunden, um auch von Skorbut geplagten Seemännern eine schmackhafte Mahlzeit anbieten zu können.
Kartoffeln schälen und kochen, eine Dose gutes Corned Beef (auf keinen Fall Billigware) mit den Zwiebeln zusammen in etwas Butterfett anbraten, das Fleisch dabei fein zerkleinern. Aus den Kartoffeln mit Milch und Butter wie gewohnt Püree stampfen (latürnich kommt Tütenpü nicht in Frage), dann das Corned Beef, die Gurken und die Rote Bete in das Püree einrühren, bis eine homogene Masse entstanden ist.
Spiegelei oben drauf, fertig. Pfeffer und Salz hab ich nicht extra erwähnt, würzen versteht sich wohl von selbst. Wer glaubt, dass Fisch unbedingt ein Bestandteil von Labskaus sein muss, kann sich nen Rollmops danebenlegen, aber muss nicht :)    

Einfach mal versuchen, tut nicht weh.

Tut auch nicht weh: Seeed - Augenbling bei den DBWG Jahrescharts 2012.


Kommentare:

  1. hamburger aalsuppe hast du vergessen. habe ich zwar noch nie gegessen, aber alleine die vorstellung lässt mich schütteln.
    meine schwiegermutter macht das labskaus so wie du, kann man essen, weltbewegend finde ich das allerdings nicht *fg*

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    1. Weltbewegend sicher nicht, doch ein- bis zweimal im Jahr muss ich das haben. Immer nur gegrilltes Lammfilet vom Griechen ist auf Dauer auch öde :p

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  2. In der Alpenpanorama-Region wollte man mir die örtliche Variante mit Rettich statt Roter Beete anbieten (fehlten nur noch geschredderte Knödel statt Pü) — gruselig sowas. Doch doch, so hats auch meine Oma schon gekocht (später mit Muskat am Pü), das kann also nur das originale Original sein. :)
    Birn´, Bohn´un´ Speck ist ebenfalls sehr legga, man muss es natürlich originaaal zubereiten, is doch klar. *gg*

    Übrigens ist is ja eine Mär, dass in Hamburger Aal-Suppe Aal drin wäre. Gar nicht so gruselig, ist nur ne typische Alles-Verwerter-Suppe: Alles drin (was man noch an Resten hatte). ;)

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    1. Nennen die das in der Alpenpanorama-Region dann auch Labskaus?

      Zum Aal in der Suppe gibt es übrigens recht widersprüchliche Aussagen, ich kenn die zwar auch nur als merkwürdiges Gemisch mit Backobst, aber laut Wikipedia soll da ursprünglich wirklich mal Aal drin gewesen sein.

      Und bei Birn´, Bohn´un´ Speck (selbstverständlich origiaaal zubereitet) stört mich hauptsächlich der Speck, der Rest wäre noch zu ertragen.

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  3. Birnen, Bohnen & Speck issne Delikatesse - für mich jedenfalls und besonders in Harms Krug in Ammersbek ;-)

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    1. Ach guck an, in dem Laden hab ich glaub ich auch mal ein Bier getrunken. BBS ist da zur Zeit nicht auf der Speisekarte.

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  4. hab ich noch nie gegessen, würd ich sehr gerne mal probieren. Aber nur in HH, keine experimente hier im süden :o)

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    1. Himmelherrgottsakramentnochmal, dann komm doch einfach mal hoch für ein paar Tage, und nimm Sera gleich mit ;)

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  5. Ach ehrlich! Ich dachte auch immer, das ist irgend so ein Gemenge aus Fisch.

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  6. Ich habe bei Labskaus immer Angst, dass da nur der alte vergammelte Fisch drin landet. Ansonsten kann man das mit geschlossenen Augen durchaus genießen.

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    1. Fisch war und ist niemals nicht ein Bestandteil von Labskaus, persönlich verzichte ich sogar auf Fisch als Beilage, das Spiegelei reicht völlig.

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  7. Au, ja mit Fröschl nach Hamburg. Bin dabei.
    Und vorab bin ich tapfer und versuch mich an diesem bunten Allerlei *g* - jetzt weiß ich endlich, was da genau drin ist.

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    1. Ich bin schon sehr gespannt *g*. Nimm das Exeter Corned Beef aus Argentinien, ist das beste.

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  8. Mmmmmmm Labskaus!!! Lecker! :-)
    ...ich muss mal wieder zu Fischshlo...

    Gruß Hawk

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    1. Die verkaufen ihr Labskaus sogar in der Dose hab ich neulich gesehen. Ich kauf da zwar gerne meinen Fisch und meinen Krabbensalat, aber das musste ich jetzt nicht unbedingt testen.

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