Freitag, 30. März 2012

Ein Opfer des Erfolges














Vor ein paar Jahren las ich einen Artikel über eine junge Kanadierin, die einen kleinen Laden auf dem Kiez aufgemacht hatte, um dort angeblich ganz fantastischen American Cheesecake zu verkaufen. Als ausgesprochener Liebhaber solchen Backwerks musste ich das natürlich irgendwann nachprüfen. Seither bin ich mehr oder weniger regelmäßig in der Paul-Roosen-Straße aufgekreuzt, um mich und ein paar ausgesuchte Besucher mit diesen unverschämt cremigen, luftig-leichten und unvergleichlich zart schmelzenden Aromabomben zu verwöhnen, für die das Wort Käsekuchen eigentlich eine Beleidigung ist.

Jedes Mal nahm ich mir vor sie zu fragen, warum sie ihren Laden ausgerechnet Don't tell Mama genannt hat, und ob das vielleicht etwas mit einem geklauten Rezeptbuch ihrer Mutter zu tun haben könnte. Leider fiel mir das immer zu spät wieder ein, denn wenn ich erst einmal vor der Theke stand galt die volle Konzentration den angebotenen Leckereien. Von den Teilen konnte ich nämlich ganz locker drei Stück verputzen, und nur zwei Sorten standen immer vorher schon fest, wenn nicht jemand schneller war.

So hat sie mit viel Arbeit und Herzblut aus einer ziemlich heruntergekommenen Bruchbude ein stadtbekanntes Café gemacht, was zwar an der äußeren Erscheinung der Bruchbude nicht viel geändert hat, aber es sind ja die inneren Werte die zählen. Diese waren letztlich so überzeugend, dass sich nicht nur Kiezbewohner und Käsekuchensüchtige dort die Klinke in die Hand gaben, Funk und Fernsehen kreuzten auf, Promis wurden gesichtet, der Laden wurde zur Institution. Das Mekka der Cheesecakefans.

Nur der Hausbesitzer, der scheint keiner zu sein, was mit ziemlich Sicherheit daran liegt, dass er dort noch nie eingekehrt ist. Denn hätte er sich die ehemalige Bruchbude einmal genauer angesehen, wäre er wohl nicht auf die abstruse Idee gekommen, die Miete mal eben um mehr als 40% zu erhöhen. Und jetzt hoffe ich, dass er damit ganz gewaltig auf die Schnauze fällt, aber das hofft man leider meist vergebens.

Auf göttliche Cheesecakes werde ich dennoch nicht verzichten müssen, denn Frau Zanella war gottlob geschäftstüchtig genug sich rechtzeitig ein zweites Standbein zu verschaffen, was den Verlust etwas weniger schmerzhaft machen wird. Dann fahre ich eben ein paar Straßen weiter, oder wie jemand auf ihrer F*c*book Seite schrieb: i will follow you wherever you may go!


Freitagabendschreibmusik: Nova Drive - Headlong

Kommentare:

  1. Käsekuchen? Ja bitte! - Leider ist hier Quark (von verschiedenen Qualitäten schweige ich ja) nur sporadisch zu bekommen, aber mein seit Jahren handgeschriebenes Käsekuchenrezeptbuch habe ich natürlich dabei.

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  2. oh jaaaa den laden liebe ich auch, voll der krasse käsekuchen obwohl der nicht mal nach käsekuchen aussieht. am besten finde ich die kleinen minitörtchen zum probieren, davon kann man nämlich weit mehr als drei essen :))

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  3. Herr Ärmel, ein handgeschriebenes Käsekuchenrezeptbuch bietet sich zur Veröffentlichung geradezu an. Vielleicht als pdf? *g*

    Meike, davon nehme ich auch gerne ein paar mit, bietet sich an um sich durchzutesten. Leider waren die selten in der gefragten Geschmacksrichtung erhältlich.

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