Freitag, 23. März 2012

Mobile Vergangenheit














Was macht man mit leeren Regalen, wenn man endlich den ganzen überflüssigen Kram entsorgt hat? Man stellt wieder überflüssigen Kram hinein. Am besten irgend etwas dekoratives, damit verhindert man vielleicht eine erneute Ansammlung von Dingen, die man eigentlich nicht benötigt und zehn Jahre später aufwendig entsorgen muss. Die Deko muss natürlich was taugen, damit sie nicht das erste ist, was der nächsten Aufräumaktion zum Opfer fällt.

Zu den wenigen Dekorationsartikeln, die letztens überlebt haben, gehört das etwas angestaubte Modell meines alten Daimlers. W123, 240D. Das Original hab ich seinerzeit mit angeblichen 90.000 Kilometern Laufleistung erworben, für 9000 Deutschmark. War auch schon etwas angestaubt, das passt. Ich wollte endlich mal ein Auto haben, bei dem man einen Motorschaden nahezu ausschließen kann, denn damit hatte ich vorher sehr viele Erfahrungen gemacht.

Ein paar dieser Motorschäden hab ich dann tatsächlich als Modell gefunden, dem Internet sei Dank. Sogar alle in der richtigen Farbe. Meine erste Kiste, der 1302er Rennkäfer, für 3500 Deutschmark einem Nachbarn abgekauft, hatte mit dem Modell am Ende aber nur noch die Farbe gemein. Da fehlt der fette Frontspoiler, die Halogenbatterie von Hella auf der Stoßstange und der Sauer&Sohn Schalldämpfer mit den vier verchromten Endrohren. Da hat auf der Autobahn so mancher Familienvater in seinem Passat die Spur wechseln müssen. So etwas hat man damals noch gemacht, denn der Liter Benzin kostete nur 67 Pfennig.
Sauschnelle Kiste, bis zum ersten Motorschaden. Die neue Maschine ist ausgerechnet auf der Hochzeitsreise krepiert, damit wurde auch gleich über die Verwendung der restlichen Bargeldgeschenke entschieden. Wie gewonnen, so zerronnen.

Durch einen unverhofften Geldsegen kam ich dann zu einem nagelneuen Manta, zu einem Zeitpunkt allerdings, als der Ruf dieses Fahrzeugs noch nicht durch Til Schweiger nachhaltig beschädigt war. Wäre der Film nur zwei Jahre früher gedreht worden, dann hätte ich damals schon Argumente für einen gebrauchten Benz gehabt, und mir eine Menge Ärger erspart. Einen durchrosteten Tank, schlecht schließende Türen, die typischen Wasserpumpenschäden und am Ende der übliche Exitus, der auch durch zwei ausgetauschte Kurbelwellen nicht behoben werden konnte.

Was auf meinem Regal noch fehlt ist der Honda Accord, dessen Maschine hat zwar den ersten gerissenen Zahnriemen überstanden, ist dann aber drei Monate später über Nacht still und leise gestorben, einfach so. Jedenfalls konnte ich dem Händler nicht das Gegenteil beweisen, weil ADAC Pannenhelfer keine verwertbare Aussage über gerissene Zahnriemen machen können, wenn sie den Motor nicht genau untersucht haben.
Viel schlimmer ist allerdings, dass es meinen alten Toyota Corolla nicht als Modell gibt, scheinbar stehen Japaner nicht auf Modellautos. Dabei hätte der einen Ehrenplatz verdient, neben dem Benz fast das einzige Auto, dessen Motor ich nicht geschrottet habe.

Den Benz hab ich mir leider ruiniert, als ich mit vier Leuten und einem Kofferraum voll Bier nach Dänemark gekachelt bin, so etwas macht auch die Hinterachse eines W123 nicht lange mit. Den Käufer hat das nicht interessiert, der wollte nur den Motor sehen und hat ihn für 500 Deutschmark mitgenommen. Im Libanon interessiert sich kein TÜV für Hinterachsen, und wenn er nach ein paar Jahren auf diesen Straßen endgültig auseinander fällt, dann wird der Diesel in irgendein Fischerboot eingebaut.
DAS nenn ich mal Recycling.

Musik ist nicht ganz so alt: Pearl Jam - Live at The Gorge

Kommentare:

  1. da sollte es auch Corollas geben -> http://www.carmodel.net/start.php?VE9ZT1RBPDs+TVJDLS1hbGwtMC0zMC0xLTA8Oj48Oz48Oj48Oj48Oj4tMS08Oj4w

    ich habe meine "ehemaligen" auch noch als Modell und von den Morgans eine eigene ganze Sammlung ;-))

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  2. Ja, die Seiten kenne ich. Jede Menge Toyotas, aber leider nicht der 96er Corolla. Zu banal wahrscheinlich, bei Morgan siehts da sicher ganz anders aus.

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  3. Manta is ja wohl geil. Mit Fuchsschwanz an der Antenne und nem dicken Pioneer oder Kenwood Aufkleber an der Heckscheibe, wie sich das gehört :))

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  4. Bei so einer Galerie hätte ich's einfacher. Soviele Modell gabs hier ja nicht. Im Osten

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  5. Holzi, jetzt wo Du es sagst, vielleicht hätte ich den mit solchen Extras noch verkaufen können, statt ihn auf den Schrott zu schieben. Damals wusste ich nicht, dass es Kunden gibt wie Dich.

    Inch, dafür gibt es heute Trabant und Wartburg Modellautos in allen möglichen Farben, was eine Auswahl für die Galerie deutlich erleichtern würde.

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