Sonntag, 24. Juli 2011

Achtung! Kostenlos!
















Geiz ist scheinbar immer noch geil, auch wenn Saturn seine Werbung minimal geändert hat, kostenlos zieht immer. Daher muss man das auf Flyern deutlich hervorheben, ganz besonders wenn die restliche Gestaltung der Dinger sehr zu wünschen übrig lässt.
Achtung mit Ausrufezeichen ist ja eher als Warnung zu betrachten, aber irgendjemand muss den Papierkram ohnehin entsorgen, mit dem hier inzwischen regelmäßig von Super- und Sonderpostenmärkten, Pizzabringdiensten und Altkleidersammlern die Treppenstufen gefüllt werden, seit auf jedem zweiten Briefkasten „Keine Werbung“ steht.
Morgen möchte jemand also meinen Elektronikschrott entsorgen, für mich völlig kostenlos, was es allerdings auch wäre, würde ich das Zeugs zum örtlichen Schrottplatz bringen. Sparen könnte ich einzig und allein das Benzingeld, denn den Schrott soll ich möglichst an die Straße stellen und den Flyer anhängen. Wenigstens bei Großgeräten ist man gewillt, mir unter die Arme zu greifen.

So wenig professionell der Flyer auch gestaltet ist, man gibt sich im Text auffällig viel Mühe, einen halbwegs seriösen Eindruck zu hinterlassen, steht sich dabei aber laufend selber im Weg. Es gibt eine Entsorgernummer, eine Abfallerzeugernummer, eine Webadresse, eine Mailadresse und die Telefonnummer des Hamburger Vertreters.
Da mein elektronischer Abfall schon vor Monaten auf den Recyclinghof gewandert ist, hätte ich den Zettel normalerweise einfach entsorgt, doch die wenig vertrauenerweckende Mailadresse hat mich neugierig gemacht. Alibaba5050? Welche Firma lässt solche Kontaktadressen zu? Immerhin besitzen die eine Domain, also gleich mal gucken.

Auf der Webseite finden sich dann auch weder die Telefonnummer des Hamburger Vertreters, noch eine Mailadresse von Alibaba5050. Weder die Entsorgernummer noch die Abfallerzeugernummer, dafür ein im Oktober letzten Jahres abgelaufenes Zertifikat, eine Preisliste für die Entsorgung und eine für gebrauchte Unterhaltungselektronik, denn der Schrott wird nicht einfach eingeschmolzen, was noch tauglich ist wird wieder verhökert.
In Neuruppin jedenfalls scheint es dafür noch einen Markt zu geben, dabei hab ich immer gedacht, nach dem Gebrauchtwagenfiasko vor 20 Jahren wären die im Osten schlauer geworden.

Schreibmusik: Das neue Album eines meiner Lieblingsgitarristen, Dave Alvin - Eleven, Eleven

Kommentare:

  1. Moin,
    vor kurzem habe ich ne Arte-Doku über Elektro-Schrott gesehen. Da wurde eine Spur des Schrottes zum Ursprung verfolgt und siehe da Mann / Frau kam in Hamburg an.

    Die komplette Doku konnte ich leider nicht finden, deshalb hier nur ein Link:
    http://www.youtube.com/watch?v=exGB9bqQHDU

    AntwortenLöschen
  2. Nachtrag:
    Konnte den Beitrag (ca. 17 min) nun doch finden:
    http://www.arte.tv/de/suche/2902234.html

    Es geht um das Geld, welches mit der illegalen Entsorgung von Elektroschrott (hier in Ghana) geht.

    AntwortenLöschen
  3. Musste leider erkennen, dass auch der letzte Link nur einen verkürzten Teil der Doku enthält (die Hamburg Spur ist nicht dabei). Trotzdem interessant.
    In dem Hamburg Teil wird beschrieben, das mit nem alten Fernseher o.ä. noch (ich meine es waren) ca 10-20 Euro gemacht werden kann, wenn er nach Ghana o.ä. geht.

    Es wird empfohlen die Dinger IMMER gen Recycling-Hof zu bringen.

    So nu bin ich aber durch :-)

    AntwortenLöschen
  4. Danke für die Links, ich sollte vielleicht öfter mal nach Kommentaren in älteren Einträgen gucken. Leider bricht der Arte Stream bei mir nach einer Minute ab, dass Afrika inzwischen zur Müllkippe der Industrienationen geworden ist blieb mir aber auch ohne diese Reportage nicht verborgen.
    Meine Dinger gingen jedenfalls schon immer auf der Recyclinghof.

    AntwortenLöschen