Mittwoch, 20. Juli 2011

Überwacht und abkassiert




Ein kleiner Vorgeschmack auf die von den Herren Ramsauer, Seehofer und Co. propagierte PKW Maut befand sich heute in meinem Briefkasten, wenn auch nicht ganz unerwartet. Musste man vor einigen Jahren noch an norwegischen Mautstationen manuell seinen Obolus entrichten, ist das mittlerweile fast überall automatisiert. An Mautstraßen wird man kurz mit Schildern darauf hingewiesen, das Auto fotografiert oder gescannt (bemerkt hab ich nie etwas) und irgendwann gibt es die Rechnung nach Hause. Auf der Webseite kann man sich dann auch noch, sollte man die ganze Sache bezweifeln, die Fotos ansehen. Mit Fallnummer und Kennzeichen einloggen und voilà, von vorne, von hinten, gestochen scharfe Aufnahmen - allerdings ohne Insassen. Wobei ich mich schon frage, ob der abgedunkelte obere Bereich auf den Originalen ebenfalls vorhanden ist.

Bis zu diesem Zeitpunkt hab ich gedacht, der Halter eines Fahrzeuges ließe sich nur ausfindig machen, wenn ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung vorliegt. Scheinbar sind deutsche Behörden aber auch bei ganz profanen Rechnungen auskunftsfreudig und auskunftspflichtig.
Nicht, dass ich etwa vorgehabt hätte die Rechnung zu prellen, schließlich möchte ich öfter nach Norwegen. Ich wunder mich nur gerade, wer da so alles die Finger im Spiel hat.
Vegamot AS aus Gjesdal in Norwegen möchte von mir 13.02 Euro, für die Benutzung einer gebührenpflichtigen Straße. Euro Parking Collection in London ist anscheinend der Geldeintreiber, auf jeden Fall der Rechnungsteller, der laut Webseite auch grenzüberschreitend Bußgelder kassiert. Abgeschickt wurde die Rechnung in Zürich-Mulligen, wo sie bei Unzustellbarkeit  auch wieder landen soll. Die Gebühr darf ich immerhin auf ein deutsches Konto überweisen.
Paneuropäische Wegelagerer, kein Wunder, dass die zwei Monate gebraucht haben. Weitere Verzögerungen soll es  möglichst nicht geben, daher droht man vorsorglich 300 Kronen Bußgeld für den Fall einer nicht fristgerechten Zahlung an.
Das System macht, bei aller Abneigung, den Eindruck, als würde es ziemlich gut funktionieren, wenn auch ein wenig zeitverzögert. So vier bis fünf Rechnungen dürften aber noch kommen und demnächst dann garantiert auch bei uns.
Würde ich jedenfalls drauf wetten, wenn auch nicht auf das Jahr und die Regierungsmannschaft.

Auf das Jahr 1994 würde ich wetten, das war ein gutes Jahr, da gab es Mark Lanegan - Whiskey For The Holy Ghost

Kommentare:

  1. spannend, so ein system steht bei uns ja schon in den startlöchern..mautbrücken sind schon seit monaten fertig, nur es war keine regierung da, um dem ganzen quatsch die nötige legalität zu verschaffen. *g*
    ich bin gespannt, ob es dann auch so schöne fotos gibt. von mir jedenfalls nicht, ich habe mich dem boykott verschrieben!

    AntwortenLöschen
  2. Dann plane schon mal den Kauf eines Geländewagens ein, die werden uns irgendwann mit Mautstraßen so einkreisen, dass Dir gar keine andere Wahl bleibt.

    AntwortenLöschen
  3. Wow ...

    Als Berufspendlerin auf der Autobahn 8 und "hobbymäßige Autobahnsammlerin" find' ich das überaus interessant und in den Zahlungs- und Eintreibungswegen nicht nur ein bisschen erschreckend - warum machen die das nicht richtig selbst, die norwegischen Behörden? Oder europäisch zentral? Da staunt der Laie ...

    AntwortenLöschen
  4. Aufwändige Straßenbauprojekte werden in Norwegen schon immer durch Mautgebühren finanziert, wahrscheinlich ist es einfacher für diesen begrenzten Zeitraum eine Firma zu beschäftigen.
    Sieht allerdings wirklich sehr umständlich aus.

    AntwortenLöschen