Sonntag, 23. September 2012

Fette Kröten, fette Preise














Mein lieber Scholli, Familie Hagenbeck! Ich weiß ja, dass Euer Tierpark nicht subventioniert wird und der Unterhalt folglich von den Eintrittspreisen gedeckt werden muss. 24 Millionen Euro für die Errichtung des Tropen-Aquariums sind wahrlich kein Pappenstiel und auch das neue Eismeer dürfte eine Stange Geld gekostet haben, aber 20 Euro für den Tierpark, 14 Euro nur für das Aquarium? Pro Person? Geht's noch? Welche Familie kann sich das leisten? Könnte man nicht wenigstens einen Tarif für Familien von Hartz4 Empfängern überdenken, verbilligte Familientage einführen in ohnehin schlechter besuchten Zeiten, irgend etwas in der Richtung? Oder dürfen nur Leute ein fröhliches "gehn wir mal zu Hagenbeck" trällern, die sich das leisten können?
Ja, es gibt die vergünstigten Familienkarten, für Familien mit zwei oder mehr Kindern, hätt ich ein Kind mehr mitnehmen, oder mein Kind eins mehr machen sollen, aber auch dann reißt das selbst bei der arbeitenden Bevölkerung ein ziemliches Loch in die Haushaltskasse, wenn man keinen Opa hat bei dem die Scheine etwas lockerer sitzen. Wenigstens war die Dame an der Kasse so freundlich mich auf die Ermäßigung hinzuweisen, die ich durch diese seltsame Jokerkarte meiner Hausbank in Anspruch nehmen konnte, endlich weiß ich mal wozu das Ding gut ist. Die war wirklich nett, deshalb hätt ich normalerweise nichts gesagt.

Denn Euer Tropen-Aquarium lohnt sich schon, ist wirklich schick geworden. Niedliche kleine grüne Pfeilgiftfrösche, fette Kröten deren Namen ich vergessen habe, richtig heftig giftige Kriechtiere und die Schlangengrube mit der dicken Anaconda war auch recht beeindruckend. Sah ein wenig aus wie Kaa aus dem Dschungelbuch, wie sie ihren Kopf so reckte. Schade, dass das enge Gitter ein vernünftiges Foto verhinderte. Die Aquarien sind auch ziemlich schick, das Korallenriff, das große Becken mit den Haien und Rochen, die vielen bunten und oft ebenfalls höllisch giftigen Fische in den kleineren Aquarien, super Sache. Bei kleinen Mädchen stehen übrigens Seepferdchen und Rochen ganz oben auf der Liste der Attraktionen, auf ersteres hätte ich vorher auch getippt. Die ganze Deko drum herum ist auch wieder sehr gelungen, das war schon immer die Stärke dieses Tierparks.

Doch dann kam das Tropenrestaurant, ebenfalls sehr nett gestaltet, in dem sehr viele leere Tische und Stühle zum verweilen aufforderten. An den wenigen anderen Tischen aßen die Leute fast ausschließlich Pommes Frites, und ich sah auch gleich warum. Sechseurovierzig für ne Currywurst mit Fritten?  Habt Ihr noch alle Latten am Zaun? Das zahl ich nicht mal beim Edelcurry, und das ist ein ganz anderer Schnack, denn wenn ich von der Qualität der Pommes auf die Wurst schließe, dann ist das nicht mal im Ansatz gerechtfertigt, denn die waren unterdurchschnittlich. Freundlich ausgedrückt.

14 Euro für zwei kleine Wasser, zweimal Pommes Mayo und ein Bier zahl ich auch nicht noch einmal, jetzt, wo ich weiß, dass nach dem Restaurant ohnehin nur noch die Krokodile zu sehen sind. War vielleicht kein so geschickter Schachzug, das Ding ans Ende des Rundgangs zu setzen. Bei den Preisen werdet Ihr den Tierpark damit nicht subventionieren können, das geht eher nach hinten los.


Voll nach vorne los: Ray Wylie Hubbards letzte Scheibe -  The Grifter's Hymnal








Kommentare:

  1. Das ist ja für eine Familie in einem Ottonormalhaushalt wirklich kaum noch finanzierbar. Deshalb gibt es bei mir inzwischen eine Extraspardose in der für dolchr Zwecke ab und an Geld verschwindet ;)
    Wobei man hier ja auch wieder mit dem Argument kommen könnte, Tiere gehören nicht hinter Gitter...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Argument ist nicht von der Hand zu weisen, allerdings sind die Tiere bei Hagenbeck selten hinter Gittern. Natürlich gehören Elefanten in die Steppe und Tiger in den Dschungel, aber ein gut geführter Zoo ist mir immer noch lieber als der Zirkus.

      Löschen
  2. bei hagenbeck sind wir schon mindestens 10 jahre nicht gewesen, obwohl es mich schon manchmal gereizt hat wenn die elefanten wieder nachwuchs bekommen haben. damit sich das lohnt muss man schon den ganzen tag dort verbringen und sich was zu futtern mitnehmen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nehme ich mir schon seit Jahren vor, der Sommer ist nur immer zu kurz und auf das wahrscheinliche Gedränge vor dem neuen Eismeer hatte ich keine rechte Lust.

      Löschen
  3. Antworten
    1. Für schlechtes Licht und dicke Scheiben davor bin ich auch ganz zufrieden, für richtig tolle Bilder müsste ich aber mal alleine einen ganzen Tag dort verbringen, mit Kind hat man zu wenig Ruhe dabei.

      Löschen
  4. Ich stehe ja nicht so auf Frösche und so Zeugs. Aber Deine Fotos sind chic. Hier in L.E., wo ständig was neues gebaut wird im Zoo, steigen die Eintrittspreise auch jedes Jahr. Für Leute mit Kindern gibt es allerdings Dauerkarten, und für Familien glaube ich sogar Familiendauerkarten. Ich meine, Leute mit Kindern gehen da ja öfter hin

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jahreskarten gibt es dort auch für 100 bzw 60 Euro. Immerhin, der sechste Zoobesuch ist dann schon kostenlos.

      Löschen
  5. Ich hätte einen Vorschlag, wie die Eintrittspreisse zu relativieren wären.

    Man könnte z.B. die großen Froschtiere einfangen (natürlich ohne daß es jemand sieht und merkt) und anschließend ESSEN ! Also tatsächlich verspeisen um satt zu werden. Von dem französischen Schenkelgedöns wird ja niemand wirklich satt, oder ?
    Ersatzweise könnte man auch die Kinder verzehren um das Eintrittsgeld zu sparen, aber in der heutigen Zeit ist sowas ja eher "political incorrect", gell ? *fg*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Du willst doch nur an den Psychofröschen lecken, gibs zu *fg*
      Sowat haben die aber glaube ich nicht und die fetten grünen Kröten sehen nicht so appetitlich aus. Sind auch etwas wenig um satt zu werden.

      Löschen
  6. Geh lieber in absehbarer Zeit noch hin und drücke den Obulus ab - wenn das Geld für Subventionen weiterhin kontinuierlich gestrichen werden wird, gehören Zoo, Theater, Oper und Museum bald zu schwer erschwinglichen Luxusgütern...

    AntwortenLöschen