Mittwoch, 28. September 2011

Stadtansichten: Hamburger Rathaus
















Die Freiheit, die die Alten erwarben, möge die Nachwelt würdig erhalten. Dieser Sinnspruch steht über dem Eingang des Hamburger Rathauses, allerdings lateinisch - und das spricht ja hier kein Mensch mehr. Wahrscheinlich nicht einmal ein Bezirksamtsleiter.
Nun kann ja jeder Freiheit anders interpretieren. Für manchen ist es Freiheit, unter Brücken schlafen zu können, wenn man kein Dach über dem Kopf hat. Recht anspruchslos, doch anderen ist das schon wieder viel zu viel. Die bauen dann Zäune davor und halten das für eine großartige Idee, weil jetzt niemand mehr unter Brücken schlafen muss.

Das ehrwürdige Hamburger Rathaus hat seit der Fertigstellung 1897 schon schlimme Gestalten in seinen Mauern beherbergt, bisher hat es alle überstanden. Einige haben es glücklicherweise nie bis ins Rathaus geschafft, auch wenn sie sich alle Mühe gaben, insofern bin ich recht optimistisch, dass es auch dem Herrn mit dem Zaun nicht glücken wird. Denn hier haben immer noch sehr viele Menschen eine ganz andere Auffassung von Freiheit. In diesem Sinne: Schreiber, hau ab! Und nimm den Scheiß Zaun gleich mit.

Eigentlich sollten das hier nur die Stadtansichten sein, aber das passte zum Thema und musste raus. Noch besser gepasst hätte es vielleicht, wäre der Tag der offenen Tür im Rathaus gerade an diesem Wochenende gewesen, das hätte durchaus spannend werden können. Leider ist das aber schon fast zwei Wochen her, einer dieser Termine, die ich immer im allerletzten Moment wahrnehme. Um 16 Uhr hat man mich gerade noch reingelassen, allerdings ohne meinen Rucksack, die restliche Kameraausrüstung musste draußen bleiben. War nicht weiter tragisch, da man außer einem Weitwinkel kaum etwas brauchen dürfte. Das letzte mal war ich in dem Kasten, als die Grünen in die Bürgerschaft kamen und Georg Danzer gegen Atomkraftwerke sang.
Im Plenarsaal fand eine Bürgerfragestunde statt, mit der Präsidentin der Bürgerschaft und noch ein paar Nasen, wenig interessant. Die Fraktionen verteilten lustige Gimmicks wie Luftballons und Kugelschreiber und eigentlich waren viel zu viele Leute da. Und zu viele Ordner die verhindert haben, dass man für eine bessere Perspektive mal eben über die dicken Absperrkordeln klettert. Mist auch.

Da ich nur noch eine knappe Stunde Zeit hatte, bin ich da mehr oder weniger durchgehetzt. Lohnt sich schon, alles ganz gediegen da. Sogar eine aussterbende Spezies hätte man, quasi in freier Wildbahn, beobachten können. Die FDP ist hier tatsächlich noch im Rathaus vertreten, nicht nur am Tag der offenen Tür. Aber ich bin fast sicher, irgendwann werden sie diesen Tag zu schätzen wissen.

Ich weiß etwas anderes zu schätzen, und zwar Gillian Welch - Revival














Kommentare:

  1. ganz feiner blog mal wieder, my president :o)
    hamburgs's finest!

    rothose

    AntwortenLöschen
  2. Ihr habt ja recht, ich hätte für Ortsfremde verlinken sollen worum es geht, was ich nachträglich getan habe.
    Hier auch noch mal: http://de.indymedia.org/2011/09/316615.shtml

    AntwortenLöschen