Donnerstag, 21. Oktober 2010

Walking in Memphis
















Über diese unscheinbare Mauer an einer unscheinbaren Straße muss einmal Bruce Springsteen geklettert sein, um den Gärtner nach der Anwesenheit des Hausherren zu fragen, bevor er von den Sicherheitskräften rausgeschmissen wurde. Elvis war nicht da und Springsteen noch nicht bekannt genug für solche Aktionen, denn hinter dieser Mauer befindet sich Graceland Mansion, das ehemalige Refugium des ehemaligen King of Rock'n Roll.
Heute kommt man da wesentlich einfacher rein, solange man bereit ist einen kleinen Obolus zu bezahlen, aber ich befinde mich nur virtuell in Memphis, mit Google Street View.
Vorher war ich auch schon in Asheville, North Carolina (frag mich keiner warum) und in New York, bin in London am Buckingham Palast und der Tower Bridge vorbeiflaniert, habe mir die ehemalige Bude eines Freundes in Rio de Janeiro angesehen und ein paar nette Bikiniträgerinnen an der Copacabana, nur einen virtuellen Steinwurf entfernt. Melbourne hat ganz nette Ecken und den Mississippi in St.Louis kann man leider nicht sehen, der Deich ist zu hoch. Nebenbei hab ich festgestellt, dass die Straßen in New Orleans in einem ähnlich schlechten Zustand sind wie die Straßen in Hamburg, obwohl wir hier keine Katrina hatten, nur einen strengen Winter.

Bei der Paranoia in Deutschland (die vor allem von Leuten forciert wird, die sich wahrscheinlich keine zwei Minuten mit Street View beschäftigt haben) frage ich mich, was irgendwann von Städten wie Hamburg oder Köln zu sehen sein wird. Auf Sylt stehen wahrscheinlich keine Häuser mehr, oder nur noch die wenigen der Einheimischen, in den Nebenstraßen der Elbchaussee  verschwinden die Hütten von C-Klasse Promis in schwarzen Löchern, vor lauter Angst Streetviewer könnten ihre letzten Kopulationsversuche im Garten beobachten. Dass es sich um eine Momentaufnahme handelt, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung schon Monate alt ist, spielt überhaupt keine Rolle. Auch nicht, dass man zwar über, aber keineswegs durch Hecken und Mauern sehen kann, schon gar nicht in Schlafzimmer. Ich bin allerdings auch nicht Voyeur genug um nach offenen Schlafzimmerfenstern zu suchen, das könnte unter Umständen Jahre dauern. 

Street View taugt einfach nicht, um jemanden auszuspähen. Wenn ich etwas über Sky du Mont wissen will, finde ich in der letzten Homestory der BILD wahrscheinlich mehr Material, aber wer will schon etwas wissen über Sky du Mont. 
Für sehr viel wahrscheinlicher halte ich es, dass in Memphis irgendwann mal jemand sitzt, der virtuell um die Alster laufen oder einen gefahrlosen Kiezbummel machen möchte. Der kennt zwar Sky du Mont nicht, aber wird sich sehr wundern über die crazy Germans mit ihren vielen schwarzen Löchern.
Ganz sicher wird es auch zwei bis drei Spacken auf dieser Welt geben, die so kreuzdämlich sind, dass sie einen Bruch mit Street View planen. Aber bei soviel Dummheit würde ich mir um mein Eigentum keine großen Sorgen machen, die planen den Fluchtweg dann wahrscheinlich auch damit.

Schreibmusik: Elvis Presley - The Complete Sun Sessions

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