Donnerstag, 7. Oktober 2010

Die Ersten werden die Letzten sein
















Man kennt das ja, die kürzeste Schlange an der Kasse im Supermarkt ist nicht unbedingt ein Indiz für schnellen Einkauf, aber wenn vier relativ gut gefüllte Einkaufswagen schneller abgefertigt werden als zwei lächerliche Warenkörbe, dann ist mir das schon ein Bibelzitat wert.
Das Szenario:
Zwei Kassen sind geöffnet, an Kasse 1 stehen drei Kunden mit Einkaufswagen, an Kasse 2 stehen zwei ältere Herrschaften mit kleinen Einkaufskörben. An welche Schlange stelle ich mich an? Richtig, an die falsche natürlich.
 
Kunde 1 war nicht einverstanden mit dem Preis für seine Melone, schließlich war die gerade im Angebot. Ein streng prüfender Blick über die Lesebrille ergab wohl ein positives Ergebnis, der Kunde war ernstzunehmen.
Kassiererin zur Kollegin an der anderen Kasse, der mit den (noch) drei Wagen in der Schlange: "Frau Schmihiiidt, was kost die Cantaluupmeloneee?"
Kollegin: "Einsnoinunnoinzich". Triumphierender Blick zum Kunden, der ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken, schließlich stand in der Zeitung was von Einsneunundvierzig. Dumm nur, dass die Zeitung gerade nicht verfügbar war.
Drrrriiiiing. Chef rufen. Chef lässt auf sich warten, währenddessen wird an der anderen Kasse der erste Wagen abgefertigt.
Drrrriiiiing. Chef kommt endlich, ist sich aber auch nicht sicher und besorgt den aktuellen Angebotsprospekt, während Wagen 2 an der anderen Kasse schon bearbeitet wird. Tatsächlich kosten Cantaloupe Melonen diese Woche nur 1.49 Euro.
"Frau Schmihiiidt, hast Du den Stornoschlüssel?" Die Kollegin kann auch da behilflich sein, die teure Frucht wird ausgebucht und die 1.99 durch den Angebotspreis ersetzt, während Frau Schmidt ihren zweiten Kunden abkassiert.

Kundin 2 hatte zwei Flaschen Sahneersatzstoff von Rama, die natürlich einzeln über den Scanner gezogen wurden und damit nicht der Preisvorstellung von Kundin 2 entsprachen. "Die sind diese Woche aber im Angebot."
Das war gleichzeitig das Stichwort für die inzwischen hinter mir wartende Dame, ihren Wagen an die andere Kasse zu stellen, was meine gerade aufkeimende ähnliche Überlegung schlagartig zunichte machte.
Ein weiterer prüfender Blick über den Brillenrand, auch diese Kundin bestand den Charaktertest. Der Prospekt wurde abermals bemüht, während Frau Schmidt Wagen drei an der anderen Kasse abkassierte.
"Im Angebot sind die, aber nur im Doppelpack." Die Kassiererin zeigt auf das Bild einer Doppelpackung Cremefine im Pappträger. Das Argument, zwei einzelne Flaschen dieses Produktes wären ja auch ein Doppelpack, schien zwar auf den ersten Blick einleuchtend, "aber die ham einen anneren Barcode. Deswegen ham die auch einen anneren Preis."
Wer hätte es gedacht.
Drrrriiiiing. Der Chef muss es wieder richten, während die Waren der vor kurzem noch hinter mir stehenden Dame über den Scanner von Kasse 1 wandern. Da sie mir ihren Rücken zuwendet kann ich ihren Gesichtsausdruck nicht sehen, aber weniger als ein zufriedenes Lächeln wäre enttäuschend. Als sie bezahlt werde ich dann abgelenkt, denn ich bin endlich dran.
Bei mir gehts immer schnell, ich kenne die Angebotspreise nicht. Wahrscheinlich bezahle ich deshalb häufiger mal 50 Cent zuviel, aber dafür schone ich die Nerven meiner Mitmenschen, hinter mir kann man sich an jeder Kasse gefahrlos anstellen. Aber wenn auch nur ein Kunde noch vor mir dran ist, dann nimmt man besser eine andere Schlange.

Schreibmusik: Fischer-Z - Red Skies Over Paradise

Kommentare:

  1. *hihi* eine uralte einkaufsweisheit besagt, das man sich immer, aber echt immer an der falschen schlange anstellt. ich versuch ja schon das risiko zu minimieren, indem ich die kassiererinnen schonmal filtere, und dann die körbe/wagen scanne....probleme bereiten praktisch immer lose sachen,die in beuteln mit dem lustigen kleinen bappern stecken...jeder zweite beutel wird nich gescannt, was manuelle eingabe zur folge hat, und dann doch eben schnell die kundenkarte, und dann funzt die bankkarte nicht und dann wird noch eben die krankengeschichte durchgehechelt und grüsse an mutti bestellt. und wenn´s nicht die krankengeschichte ist, dann ist unter garantie das papier im bon-drucker alle
    ich liebe "meinen" supermarkt *gg*

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  2. Man? Die uralte Einkaufsweisheit selektiert, denn wo es eine langsamste Schlange gibt, muss es ja mindestens eine schnellere geben. Da stellen sich die anderen an, die von der Weisheit nichts wissen. Körbe und Wagen scanne ich auch, was in diesem Fall nichts genutzt hat, aber der war jetzt auch extrem.

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