Dienstag, 8. Juni 2010

Der wahnsinnige Plewka

















Er tobt wie ein tanzender Derwisch durch das Foyer des Schauspielhauses, reißt sich die Klamotten vom Leib, wirft seine Stiefel weg und rennt barfuß über den Bahnhofsvorplatz bis in die Wandelhalle des Hauptbahnhofs, immer verfolgt von einer Handkamera, die das Geschehen auf eine kleine Leinwand über der spielenden Band überträgt. Hallo hallo, ist dort die Irrenanstalt? Nein, es ist nur der supersympathische Charmebolzen Jan Plewka, der an diesem Abend im Deutschen Schauspielhaus Rio Reiser zelebriert, begleitet von der fantastisch aufspielenden Schwarz-Roten Heilsarmee.
Wenn er nicht gerade durch die Stuhlreihen ging, vom Balkon der Loge im Obergeschoss sang oder im Bahnhof herumlief, dann konnte man aus der ersten Reihe jeden Schweißtropfen sehen, was das zum großen Teil weibliche Publikum dort durchaus genoss. Ich würde zu gerne wissen wer die Dame war, mit der er sich  auf dem Bühnenboden herumkugelte. Das wohl selbst verfasste Gedicht, welches sie ihm gegen Ende des Konzertes zusteckte, wurde dann zum einzigen Lied des Abends, das nicht von Rio Reiser geschrieben wurde. Die Blicke, die dabei hin und her flogen, lassen mich auf Plewkas Freundin tippen. Falls ich mich täusche, sie hätte garantiert große Chancen es zu werden, was heute sicherlich etliche andere Damenherzen zerbrechen ließ.
Was davon jetzt geschickt inszeniert und was tatsächlich spontan war, das konnte man diesem grinsenden Kerl da auf der Bühne nicht entlocken, aber Spaß gemacht hat es allen.   

Eine Reminiszenz an den König von Deutschland sollte es sein, es war mehr als das. Bei so manchen Stücken, ob alte Klassiker der Scherben oder der Soloalben, hab ich mir gedacht, wenn Rio das jetzt sehen könnte, der würde sich freuen wie Bolle. Ich hab mich dann auch gefreut, dass ich ihm das direkt sagen konnte, nachdem er uns nach zwei Stunden charmant per Handschlag hinauskomplimentierte, während die Band den Rausschmeißer spielte.
Und das war nicht mal ausverkauft, schäme dich, Hamburg.

Schreibmusik: Rio Reiser - Live in der Seelenbinderhalle

Kommentare:

  1. Ich freu mich, dass es dir so gut gefallen hat. Leider war ich nicht dabei. Ich hoffe Du hast eine Begleitung für den Abend gefunden. Hat der Herr Plewka sich für das Kompliment bedankt?

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  2. Das hätte Dir sicher gefallen. Meine Holde sollte ursprünglich mitkommen, war aber leider unpässlich, da hab kurzfristig einen Freund gefragt, von dem ich wusste, der mag Rio und Selig. War dann auch ganz gut, da ich nicht fahren musste und mir so ein Likörchen gönnen konnte.
    Herr Plewka hat sich bedankt, jedenfalls habe ich sein Lächeln, den Händedruck und den Schulterklopfer so empfunden. Ich glaub ich brauch Karten für Selig am 20.12.

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  3. hehe, an meinem Geburtstag. Aber ich glaub da schaff ichs auch nicht nach HH.

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