Montag, 16. Januar 2012

Abflug, Axtmord, Autokino














Wenn ich etwas liebe, dann sind es Gäste, die man problemlos stundenlang um die Ecken scheuchen kann. Perfekt wird es, wenn derjenige zu möglichst passender Zeit auch noch den richtigen Appetit entwickelt und mir die Wahl des Restaurants überlässt, insofern war Cisne natürlich ein echter Glücksgriff an diesem Wochenende, aber das wusste ich vorher schon. Überhaupt erweist sich so ein kulinarischer Streifzug am Wochenende auch im Nachgang als sehr entspannend, denn da wir auch das Frühstück beim Hansebäcker eingenommen hatten, ist die Küche bis auf wenige Teller und ein paar Kaffeebecher fast jungfräulich geblieben. Sogar das Gästezimmer sieht aus wie vorher, das bin ich von den Regenwaldchaoten eher nicht gewohnt. Frauen sind einfach pflegeleichter, stell ich immer wieder fest. 
Da ihr Abflug erst um 21 Uhr terminiert war blieb noch ein voller Tag, an dem ursprünglich der Besuch des Gewürzmuseums in der Speicherstadt auf dem Plan stand. War mir sehr recht, denn das hatte ich ebenfalls noch nicht gesehen, und die Speicherstadt ist ohnehin ein Punkt, der bei einem Besuch der Hansestadt nicht fehlen darf. Dummerweise zieht das Gewürzmuseum gerade um und ist bis zum 19.Januar geschlossen, aber wider Erwarten gibt es Frauen die am Miniatur Wunderland interessiert sind, wenn man da nicht gerade eine Stunde anstehen muss.
Mussten wir nicht, fünfzehn Minuten waren ausgerufen, zehn waren es vielleicht. Dann über drei Stunden gucken und staunen, fast so anstrengend wie eine Wanderung im Treppenviertel. Auch beim zweiten mal ist das noch faszinierend, was da an kleinen Details zu erspähen ist. Zumal auch viele Szenen dazukommen oder verändert werden. So hab ich die lustige Radarfalle mit Geschwindigkeitsanzeige auf dem U.S. Highway vermisst, aber später irgendwo in Deutschland wiedergefunden. In Knuffingen brennt inzwischen nicht nur ein Haus, da werden auch brennende Tiertransporter auf einer Brücke gelöscht, wie gewohnt mit vollem Einsatz, inklusive Straßensperren.
Gewaltig ist der Hamburger Flughafen geworden, Hotels, Hallen, volle Parkhäuser, sogar die Taxiflotte haben sie nicht vergessen. Da alleine steht man schon mal eine halbe Stunde und beobachtet Abflüge und Ankünfte, Busse und Tankwagen, die zwischen den zur Startbahn rollenden Flugzeugen hin und her wuseln.
Die Eisenbahn wird dabei völlig zur Nebensache, dafür gibt es einfach zu viel zu entdecken. Mitunter auch ein paar Merkwürdigkeiten, denn wer das AFFA auf ein Haus in der Hamburger Hafenstraße gepinselt hat, der hat da gewaltig etwas durcheinandergebracht. Das heißt ANTIFA Kinners, mit den Hells Angels haben die nix am Hut.


Was man auf keinen Fall versäumen sollte, ist der Blick in das eine oder andere erleuchtete Hotelzimmer, während der Nachtphasen. Toll gestaltet alles, sehr liebevoll. Zwischenmenschliches gibt es häufiger zu entdecken, in skandinavischen Dünen oder deutschen Sonnenblumenfeldern, es menschelt viel da. Manchmal meuchelt es auch, wie bei der Harzer Wasserleiche. Eine andere Mordszene habe ich erst auf den Fotos gefunden, den Axtmord wird wahrscheinlich auch nur jemand entdecken, der zufällig das Schwimmbad mit den Wasserrutschen knipst, und nicht nur das Autokino, die stark frequentierten Dixiklos beim DJ Bobo Open Air, oder bayrische Festumzüge.

Eins ist aber ganz sicher, bevor ich den Laden ein drittes Mal betrete hab ich ein anständiges Makro für meine Spiegelreflex, nochmal tu ich mir das mit der Ixus nicht an.
Und ganz sicher geh ich dann hinterher auch wieder ins Ti Breizh, meine Wahl des heutigen Tages, auf die ich auch nur gekommen bin weil zufällig gegenüber ein Parkplatz frei war. In diesem Moment fiel mir siedendheiß ein, dass ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit kein Crêpe Suzette mehr zum Dessert hatte.
Üblicherweise nehme ich da immer vorweg die Galette Estivales, was mir heute verwehrt blieb, da ich grundsätzlich nicht das gleiche Essen bestelle wie meine Begleitung. Statt sich dafür an Julian, mit Birne, Schinken, Roquefort und Walnüssen zu delektieren beschloss ich ein Wagnis und bestellte zum ersten Mal die Poulet Basquaise, denn pikanten Hähnchen kann ich durchaus etwas abgewinnen.
Ganz besonders vor einem Crêpe Suzette. Den durfte ich heute ganz alleine aufessen, was mir bei meiner Holden nie passiert, auch nicht wenn sie kurz darauf ins Flugzeug steigen muss.

Perfekte Gäste machen perfekte Wochenenden. Aber ab jetzt ist Schmalhans Küchenmeister.

Musikmeister momentan:  T-Bone Burnett - The True False Identity/Tooth Of Crime













 

Kommentare:

  1. Das vierte Foto von unten ist eine Klasse für sich: Eine Razzia und daneben waschen die Leute in aller Ruhe ihren alten Amischlitten....
    Das siebte Foto (egal ob von unten oder oben) nimmst du aber bitte sofort raus! Wer hat dir erlaubt, in unser Grundstück zu fotografieren mit mir bei der Siesta obendrein?

    ;-))

    (eine neue goile Adresse für den nächsten HH Besuch)

    AntwortenLöschen
  2. Nanana... als ob die Regenwaldchaoten jemals Chaos im Gästezimmer hinterlassen würden. ^^
    Schließlich werden ja auch grundsätzlich NIE irgendwelche Gegenstände liegengelassen !
    Bis auf ne Tasche fürs Blitzgerät oder so... ;p
    Hat die sich eigentlich schon wiedergefunden, oder biste immer noch nicht unters Bett gekrochen ? *g*

    Gruß aus dem Regenwald :-)

    AntwortenLöschen
  3. Schwein gehabt, letzten Monat bin ich umgedreht, keinen Bock auf 90 Minuten Wartezeit. Vielleicht sollte ich es jetzt nochmal versuchen.

    AntwortenLöschen
  4. "Knuffingen" ist ja irgendwie ein niedlicher Name für'n Dorf!

    AntwortenLöschen
  5. Herr Ärmel, die Anlage ist eine Klasse für sich. Sieht man ja schon an besagtem Grundstück :)

    Pappenheimer, leider nichts gefunden bisher. Unterm Bett wäre die letzte Chance, ich guck morgen mal.

    AntwortenLöschen
  6. Coole Bilder! Da würde ich auch gern hin. Ist das ne Dauerausstellung oder muss unsereins befürchten, dass die, wenn man's endlich mal nach Hamburg schafft, nicht mehr da ist?

    AntwortenLöschen
  7. Das ist soweit ich weiß die größte Modelleisenbahn der Welt, die wird wohl nicht mehr abgebaut, soll aber laufend erweitert werden. Je länger Du wartest, desto mehr gibts möglicherweise zu sehen.
    Wobei man sich jetzt schon problemlos mehrere Stunden dort die Zeit vertreiben kann.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, in Hamburg solls ja auch öfter mal regnen. Da ist das gut mit dem stundenlang...

      Löschen
  8. Regen in Hamburg? Wer erzählt denn sowas..

    AntwortenLöschen