Freitag, 25. September 2015

Viel schneller als sonst


















Urlaub für Fußball? Dienstags im Pokal, Montags gegen Duisburg und Düsseldorf und dazwischen eine englische Woche mit Mittwochsspiel - und das nur die erste Saisonhälfte. Fußballfans sollten sich also eine ganze Woche Urlaub aufsparen, als ob man davon genug hätte. Danke DFL. Danke auch für die schwachsinnige Anstoßzeit  um 17:30, die ich tatsächlich nur deshalb nicht verpasse, weil ich zufällig wirklich Urlaub habe. Dank der tatkräftigen Hilfe von Herrn H. und seinem profunden Wissen über das Zusammenzimmern von Ikeamöbeln habe ich zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn wenigstens einen fast fertigen Schlafzimmerschrank und das Bett im richtigen Zimmer. Schnell noch die Karre zum Schrauber bringen, mal sehen was eine neue behördliche Segensplakette kosten würde und kaputte Latüchten auswechseln, die Tage werden wieder kürzer.

Mitten in der Woche fährt sogar die Regionalbahn in relativ kurzen Abständen und das Ding ist deutlich schneller als die U-Bahn, möglicherweise sollte ich die Fahrtzeiten zum Stadion doch etwas intensiver vergleichen wenn die HVV App das vorschlägt, von Tonndorf aus habe ich ohnehin keine andere Möglichkeit. Bier auf nüchternen Magen taugt nicht, also am Hauptbahnhof schnell noch einen Burger-Test einschieben, so etwas kann man auf dem Weg zur U-Bahn wegdrücken. Burger King Extra Long Chili Cheese, scharf, furztrocken und langweilig, letzter im Test bislang. Was zu erwarten war, bei McDonalds war ich noch nicht. Die U3 ist nicht so voll wie befürchtet und sofort verfügbar. Fünfminutentakt. Wochentag. Ratzfatz im Stadion, viel schneller als sonst.

Das Feld vom heiligen Geist ist ein blöder öder Parkplatz ohne den Dom, bietet dafür eine traumhaft unverbaubare Aussicht auf das Stadion und das ist viel wert. Trotzdem könnte man mal langsam darüber nachdenken ein paar Bäume zu pflanzen, vor der alten Gegengerade standen immer welche, da gehören neue hin. Auf dem Weg zum Einlass stolpere ich über den Skipper und gucke unwillkürlich auf die Uhr, so früh ist der sonst nie da. Bleibt die Zeit für ein längeres Gespräch, bei dem ich erfahre warum er sonst nie da war und mir vornehme, nicht mehr so häufig über meine Zipperlein zu jammern, so oft wie der dem Sensenmann schon in der letzten Minute den Mittelfinger gezeigt hat. Eine lebenslange Dauerkarte ist latürnich auch ein triftiger Grund, da tritt man nicht einfach so ab. An den Eingängen drängt sich nix, keine Wartezeit. Wüsste ich nicht wo ich bin, man könnte glatt denken Mittwochs kommt hier keiner, das geht alles viel schneller als sonst.

Noch ein Bier und ab dafür. Die Bierversorgung ist zwar nicht schneller als sonst, aber das ist jammern auf sehr hohem Niveau, das zweite kann ich ganz gemütlich in meinen Bierbecherhalter einhängen und den abgezogenen Sticker ersetzen. Der Gästeblock ist winzig, die Nordkurve trotzdem voll. Ich schätze mal fast ausverkauft, trotz Mittwoch 17:30. Gegen Heiii-denheim mit der grausamen Hymne. Es schüttelt mich, das ist Pur pur. Das ist nicht nur textlich Pur, auch der Rest kommt hin. Bevor der Refrain einsetzt sind 90% der Hörer eingeschlafen oder hören nicht mehr hin. Wie kann man sich das antun? Wehrt Euch dagegen, Heidenheim! Wer einen Kiosk in das Stadion einbaut hat bessere Hymnen verdient.

#Bildnotwelcome an jeder Ecke und überall Tapeten und lustige Sprüche über den doofen Kai und hastenichgesehn? Denkste. Sogar KleinerTod steht ein paar Reihen über mir und tippert auf seinem Smartphone herum, es gibt nix zu knipsen. Wer soll das auch alles basteln, mitten in der Woche? Tapete hätte ich zwar noch übrig gehabt von der Renoviererei, aber weder die passende Farbe und schon gar nicht die Zeit, das Thema ist eh langsam durch. Mein #Bildnotwelcome T-Shirt ist trotzdem zeitlos, garantiert. Der Gästeblock hat ein ganz anderes Anliegen, die finden Mittwochsspiele um 17:30 so richtig Scheiße, weil sie zusätzlich 1312 Kilometer dafür zurücklegen müssen. Erstaunlich genug, dass noch einige Hundert das mitmachen. Guter Spruch natürlich, aber eben auch wahr, dem Kapital waren Menschen schon immer scheißegal. Auch Menschen mit Tapeten.

Unser Trainer Ewald Lienen hat für das heutige Spiel folgende Mannschaft aufgestellt. Mit der Nummer 30 Robiiiin  HIMMELMANN. Undsoweiterundsofort. Alushi, Sobiech, Ratsche, Sobota, Maier, Buchtmann, Verhoek. VERHOEK?
Echt jetzt? Ist Lenny verletzt und ich hab das nicht mitbekommen? Auf der Bank Dudziak, Picault, Thy, also nicht verletzt - und Jan-Philipp Kalla (Fußballgott, was dem Skipper nicht schmecken wird). Ist Lenny so durch dass er ne Pause braucht? In einer englischen Woche vielleicht keine schlechte Idee den Jungen zu schonen, Ewald wird schon wissen was er tut. Hoffentlich, denn unsere Bilanz gegen die defensiv starken Heidenheimer ist beängstigend schlecht, wir haben bisher alle Spiele gegen die verloren. Mit einem Sieg könnten wir die Bilanz wenigstens prozentual enorm verbessern, denn bisher waren es nur zwei Begegnungen.

Lärm! Messung bitte jetzt! Haben wir die behördlichen Auflagen eigentlich erfüllt? Heute wäre ein guter Tag für die Lärmmessung gewesen, das Herz von St.Pauli ist leise wie lange nicht, alle geschlaucht von der Arbeit? Waren gegen Duisburg andere Leute da? Ich versteh das manchmal wirklich nicht. Hells Bells. Konfetti. Anpfiff und -

Fußball gucken ist voll super, vor allem wenn die meiste Action in der Hälfte des Spielfelds stattfindet die man gut einsehen kann. Im Süden sieht man fast nix, die Sonne blendet unglaublich, aber direkt vor meiner Nase nehmen sie Heidenheim auseinander. Spielerisch. Immer wieder unfassbar was Ewald aus den Jungs gemacht hat, das sieht von mal zu mal mehr nach Fußball aus. Muss nur noch ein Tor fallen, aber erst fällt Ratsche und ein Heidenheimer sieht den gelben Karton dafür. Ratsche war zu schnell. Die sind irgendwie alle viel schneller als sonst, es ist ein pures Vergnügen dem Spiel zuzusehen, wenn sie jetzt noch in die Kiste treffen würden...

Fast zwanzig Minuten sieht das gut aus, dann liegt Alushi am Boden. Dudziak kommt für ihn ins Spiel, sieht aus als müsste Buchti zurück in die Defensive. Die wird inzwischen öfter mal gefordert von Heidenheim, geht dabei aber meistens ziemlich souverän mit um. Die IV mit Ziere und Lasse ist mittlerweile so gut geworden, da werden uns viele Vereine drum beneiden.
Nach einer halben Stunde die nächste gelbe Karte für Hoffenheim und fast das 1:0. War das tatsächlich Verhoek, der den Pfosten getroffen hat? Bevor sich die Aufregung gelegt hat ist der Ball tatsächlich im Tor, allerdings auf der anderen Seite. Waaas für ne Sch... was für n Glück, Abseits. Maaaan ey, macht mich nicht wahnsinnig. Ihr hattet mal die Spielkontrolle, lief doch alles..

Ratsche ist der Mann des Spieles, bis jetzt jedenfalls. Noch so ein Geniestreich von Ewald, den auf die 6 zu stellen, geackert hat er ja immer schon, aber jetzt ackert er deutlich effektiver. Nur durch Fouls zu stoppen heute, der kämpft um jeden Zentimeter Rasen. Und dann ist er durch und passt auf Basti. Und Basti überlegt und überlegt und als gefühlt das halbe Stadion brüllt "schieß doch" haut er das Ding in den Winkel. Hammerbastiiiii! Woohoo! 1:0 und hochverdient, was für ein Strahl.

Der Schiedsrichter ist kein Heimschiedsrichter und die Heidenheimer keine wilde Tretertruppe, trotzdem hagelt es gelbe Karten, weil sie häufig einfach den Schritt zu spät kommen. Unsere Jungs sind einfach viel schneller als sonst. Effektiver leider nicht, jetzt hätte ich doch gern lieber wieder Lenny da vorne, der ist technisch einfach deutlich besser als Verhoek und macht viel mehr Alarm. Ein zweites Tor vor der Pause wäre nett, aber Heidenheim ist nicht zu knacken.

Halbzeitpausenweisheiten. So langsam lebe ich mich ein hier, ich hab meine Nachbarn wiedererkannt! Also einen jedenfalls, der andere kann beruflich nicht und wird durch eine entzückende junge Dame vertreten. Von anderen Nachbarn werde ich inzwischen auch wiedererkannt, man liest sogar mein Blog, in Zukunft muss ich also höllisch aufpassen was ich hier schreibe *g*
Leider kann ich heute in der Pause nur fußballerische Halbweisheiten teilen, bei dem engen Zeitplan hat es für andere Dinge nicht gereicht, ich bin völlig nüchtern wenn man das Bier nicht zählt. Möglicherweise vergeht die Pause deshalb auch viel schneller als sonst und man kann wieder..

Fußball gucken, zweite Hälfte. Könnte durchaus spannender sein. Wir haben die Heidenheimer gut im Griff, aber nach vorne passiert zu wenig. Sobota kassiert die erste gelbe Karte auf unserer Seite, da steht es inzwischen 4:1 für Heidenheim. Die Standards sind meistens mehr gut gedacht als gemacht, weder Freistöße noch Ecken sind bei uns ansatzweise gefährlich. Nicht, dass das nachher wieder so ein Kackspiel wird, wo der Gegner in der letzten Minute seine einzige Chance nutzt und dann sind zwei Punkte weg. Spielverlauf, Kopf stellen und so..nee, lieber doch nicht spannend und drei Punkte im Sack.
"Es plätschert" sagt der Nachbar und da kann man nicht widersprechen. Mostly harmless alles, ich hätte doch vorher ein paar entspannte Rollen rollen sollen, auf die zehn Minuten wär's auch nicht angekommen. Heidenheim wechselt Frahn aus, der hat keine Schnitte gesehen heute, kurz darauf darf dann auch einer endgültig unter die Dusche. Gelb *2 = Rot. Jetzt wird das erst recht nix mehr. Wenn ich daran denke, wie die in den ersten 15 Minuten des Spiels kombiniert haben, jetzt noch mal so eine Phase gegen zehn Mann, die Lücken ausnutzen die sich zwangsläufig ergeben müssen, dann den Sack zumachen. 2:0, 3:0 und aus die Maus. Wäre echt gerechtfertigt, vom Spielverlauf her. Was für ein schöner Traum.
Für Heidenheim gibt es noch eine gelbe Karte, wenn das so weitergeht können wir so etwas gegen neun Mann vielleicht einmal versuchen. Mit Lenny, der endlich für Verhoek auf den Platz darf, die Lücken aber ebenfalls nicht mehr findet. Und mit Schnecke Kalla (Fußballgott), der sein Comeback nach Verletzung geben darf und das sofort zu würdigen weiß, indem er sich die nächste gelbe Karte abholt.
Und dann wird verwaltet. Kann man mal machen, ist zwar nicht schön, aber immer noch besser als in einen Konter zu laufen und dann dumm aus der Wäsche zu gucken. Drei Minuten Nachspielzeit, Abpfiff, drei Punkte, alles was zählt. Gegen so eine zähe Truppe holt die nicht jeder.

Viva con Agua hat heute Glück, dass ich keinen der neuen Becher mit Ewald bekommen habe, obwohl ich weiß, dass es eigentlich schwachsinnig ist Plastikpfandbecher zu sammeln. Hier stehen schon Naki, Bruns und Boller und stauben in einer dunklen Ecke ein, trotzdem will ich einen Ewaldbecher haben. Vielleicht gebe ich Naki dafür heimtückisch in den Kreislauf zurück, wer weiß was Ewald aus dem machen könnte.

Das Mittwochspätnachmittagsfeierabendabschiedsbier könnte man vor den Fanräumen trinken, vorausgesetzt man trifft jemanden, mit dem man eins trinken kann. Das sind nachher so erstaunlich viele, dass ich mich langsam frage ob Mittwoch 17:30 nicht die ideale Fußballzeit ist, bringe das Thema aber lieber nicht zur Sprache. Gott sei Dank bin ich hier unter halbwegs vernunftbegabten Menschen, die sich über 17 von 40 nötigen Punkten mehr freuen als über den zweiten Tabellenplatz. Trotzdem bin ich langsam gespannt auf den Tag, an dem jemand das A-Wort sagt. Mein letztes Bier teile ich brüderlich mit Koschi, damit ich mich vom Acker machen kann, die heimische Baustelle wartet und bei so Renovierungsgedöns vergeht der Urlaub leider auch viel schneller als sonst.  

Schnelle Fotos: Gegengerade Millerntor 
Schnelles Bier: Ratsherrn Moby Wit, Belgian White Ale, 5.1%
Schnelle Musik: Left Lane Cruiser - Bring Yo' Ass To The Table / All You Can Eat / Dirty Spliff Blues












Kommentare:

  1. Das Phänomen der verstaubenden Becher kenne ich, aber das Ewald-Lienen-Exemplar hat einen echten praktischen Nutzen: Steht jetzt auf dem Schreibtisch und hält mich als persönlicher Motivationscoach vom Prokrastinieren ab. (Wirkt!) :D

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    1. Mein Schreibtisch ist Prokrastinationsmittelpunkt, das würde sich nicht einmal mit einem Felix Magath Becher ändern *g*

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  2. Hier! Ich! *meld* Aufstieg ist machbar Herr Nachbar, denn wie wir wissen gewinnt die Defensive Meisterschaften und wir haben die beste der Liga:p

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    1. 17 von 40. Für das A-Wort bräuchten wir mindestens einen erstligatauglichen Stürmer.

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