Mittwoch, 4. Dezember 2013

Voll auf die Nüsse















Diese seltsamen "mongolischen" Restaurants erfreuen sich reger Beliebtheit. Man sucht sich aus Fleisch, Fisch, Gemüse und anderen Zutaten seine Favoriten aus, dazu eine der 5 bis 7 Saucenkreationen, drückt das dem Koch in die Hand und der schmeißt das alles zusammen auf einen Grill oder in einen Wok. Inzwischen bietet jeder dritte Chinese einen Mongolengrill an, für etwas über 20 Euro kann man futtern bis der Arzt kommt. Manchmal sogar exotische Fleischsorten von Känguru bis Krokodil, nur Yak habe ich noch nirgends gesehen, daher wird das mit der echten mongolischen Küche wohl weniger gemein haben.

Die Serviererin bei meinem Lieblingschinesen wunderte sich daher über meinen Wunsch á la carte zu essen, denn ein Gericht, dass aus etwa 90% Garnelen und 10% Cashewnüssen besteht, so beschied sie mir, könnte man auch ganz einfach selber zusammenstellen. Mehrfach, bis es zu den Ohren wieder rauskommt. Angesichts der üppigen Portionen in dem Laden ist das aber gar nicht nötig, man wird auch ohne die restlichen Verlockungen pappsatt.

Dummerweise befindet sich mein Lieblingschinese in Straubing. Durch die selten dämliche Terminplanung der DFL bekam ich dieses Jahr kein einziges Auswärtsspiel des magischen FC in bayerischen Gefilden zu sehen, folglich auch kein Gericht aus etwa 90% Garnelen und 10% Cashews (mit Spuren von Zwiebeln und Paprika) serviert. Beides extrem ärgerlich, aber wenn das mit dem Futter so einfach ist sollte sich wenigstens der letzte Punkt beheben lassen, also war ich einkaufen.

Ein Fehler, denn genau wie beim Mongolengrill ist die Auswahl einfach zu groß, weshalb der Garnelenanteil zugunsten zweier kleiner Kalbssteaks verringert wurde, außerdem waren da noch die braunen Champignons, eine Frühlingszwiebel ist auch nie ganz verkehrt und den Rest der großen Paprikaschote wirft man auch nicht weg, nur weil im Original weniger von dem roten Zeugs drin ist.


Am Ende war es nicht mal nahe dran, aber die Sauce aus in Kokosnussmilch aufgelöster Erdnussbutter, grobem Meersalz, frischem Ingwer und reichlich Sambal Oelek und Sambal Trassie war der Hit.


Auch ein Hit: BoDeans - Homebrewed: Live from the Pabst

Kommentare:

  1. unser chinaman hat inzwischen auch ne mongolische fressflatrate, kommt aber an das original mongos nicht ran.
    und gewöhne dir mal mengenangaben an, oder komm besser selber vorbei und brutzel das hier, das hört sich lecker an.

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    1. Meine Rezepte sind immer frei nach Schnauze, ich wiege das doch vorher nicht ab.

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  2. Was ist denn ein Mongolengrill? Ich muss doch wirklich mal zum Chinesen. In Kasachstan habe ich ja mal bei Mongolen gegessen. Würde mich interessieren, ob das vom Mongolengrill dem auch nur annähernd ähnelt.
    Ach und ja, in irgendeinem osteuropäischen Land war ich mal in einem Mongolischen Restaurant. Das Essen da war - merkwürdig

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    1. Der Mongolengrill ist die (ziemlich alberne) Erfindung einer Restaurantkette namens Mongo's, wo man sich aus teils recht exotischen Zutaten (Krokodil, Strauss, Springbock etc.) seine persönliche Mischung zusammenstellt, die dann vom Koch gegrillt bzw. gebraten wird. Das ist scheinbar so erfolgreich, dass etliche Asiaten dazu übergegangen sind so etwas anzubieten. Mongolisch ist daran höchstens der Name, denn die werden in der Steppe weder Strauss und Krokodil, und schon gar nicht Garnelen und Seeteufel gegrillt haben. Echte mongolische Küche wird wohl eher merkwürdig sein schätze ich :).

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  3. Hier in der Hauptstadt gibts echte Mongolen. Ob die vom Mongolensturm oder der Goldenen Horde übriggeblieben sind, sei dahingestellt.. Ihre kulinarische Küchenartistik ist eher rudimentär. Also keinesfalls die Qual der Wahl, wie alle Küchen von Nomaden oder Kriegern. In deinem Kämpingwagen gibst du ja auch nicht auf dem Gaskocherchen den Witzigmann.
    Ziel ist es, den Magen zu füllen durch sättigende Beilagen neben Fleischrudimenten. Schärfe gemildert durch milchige JoKurtschleime. Kann man essen, ich habs ja auch überlebt, aber ein zweites Mal? Nö, eher nicht.
    Da iss mir was mediterran solides lieber.
    Ich vermute mal, die Kette hat nach einem Namen gesucht, der exotisch schlitzäugige Fremdheit verspricht.

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    1. Fleischrudimente und Joghurtschleim sind ungefähr das, was ich mir unter authentischer mongolischer Küche vorgestellt habe. Vorzugsweise Hammel, Yak oder ähnliches, schön fett.
      Also alles, was ich gerne vermeiden würde.

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  4. Rurale Küchen weltweit haben nur den einen Sinn: unempfindliche und gut transportable Lebensmittel unter einfachsten technischen Bedingungen ohne grossen Nebenaufwand (17 Gwürze, 3 Wasserbäder und 1 Umluftbackofen) in ausreichender Menge und vor allem magenfüllend zuzubereiten und zu servieren. Der Rest, also das, was wir schlicht Küchenkultur, Esskultur oder auch Tischkultur nennen, ist in diesem Zusammenhang schlichtweg Gedöns.

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