Dienstag, 16. Oktober 2012

Ein Brief aus Afrika















Prokrastination ist eine üble Sache, das findet sogar meine Rechtschreibkorrektur, die kennt das Wort nicht mal. Ich schon, zur Genüge eigentlich, aber jetzt wird's richtig peinlich. Denn seit mehreren Monaten bin ich Patenonkel, hab es aber immer noch nicht gebacken bekommen einen simplen, vorgefertigten Zettel auszufüllen, ein Foto beizulegen und ein paar persönliche Zeilen zu verfassen.
Mein Patenkind in Ruanda ist da wesentlich fleißiger, die hat gleich im Mai eine ganze Seite geschrieben und setzt mich damit jetzt enorm unter Zugzwang. Das ist das einzige was bei fortschreitender Prokrastination hilft, Zugzwang. Trotzdem werde ich einen Weihnachtsgruß nicht mehr schaffen, denn scheinbar sind Briefe aus Ruanda mal eben fünf Monate unterwegs. Das wird so höchstens ein Frühlingsgruß, selbst wenn ich es in den nächsten Tagen schaffen sollte, was eher unwahrscheinlich ist bei meinem Tempo.

Den vorgefertigten Standardbrief kann ich jetzt auch knicken, das wäre zwar schön bequem gewesen, ist mir jetzt aber als Antwort zu peinlich nach dieser Vorlage. Irgendwie bin ich total unsicher, ich pflege normal keinen Briefkontakt zu achtjährigen Mädchen, was schreib ich nur?  Und sollte ich den Brief dann auch mit einem "god bless you" abschließen, obwohl ich mit dem Herrn eigentlich nichts zu tun habe? Kann das Kind ja nicht wissen. Und für das Foto, sollte ich da lieber eins ohne St.Pauli T-Shirt nehmen? Nicht, dass sie mich noch für einen Piraten hält oder so. Ich könnte ihr das natürlich erklären, mit dem Fußballverein und allem, dann hätt ich schon mal eine halbe Seite beisammen. Für kleine Mädchen in Ruanda aber wohl weniger interessant.

Am besten ich kümmer mich erst einmal um das Foto, das ist der einfachere Teil. Danach werd ich dann an meiner Handschrift feilen müssen, lesen können soll man das ja auch noch.

Briefschreibmusik: Jupiter Coyote - Here Be Dragons/Waxing Moon

Kommentare:

  1. Schreib dem Kind bald wenn die Post fünf Monate dauert. Ich würde sie in dem Brief nach ihrem Leben fragen; der Familie (am besten Geschwister - falls es da fehlende Eltern gibt); nach der Schule, ob sie Freizeit hat und wie sie die verbringt, von was sie träumt, welche Tiere sie mag etc. Da sind ratzfatz zwei Seiten voll.
    Was hat denn dein Leben bestimmt, als du acht Jahre alt gewesen bist?
    btw: erstmal ein Foto im Halbprofil (das kannst auch dein Lieblings-T-Shirt anlassen ;-)

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  2. Ich glaube wenn Du ein wenig von dem schreibst was Herr Ärmel vorschlägst, entwickelt sich ganze von selber. Denke sie ist einfach nur neugierig zu erfahren, wer da auf der anderen Seite der Welt bereit ist etwas für sie zu tun. Kinder sind verständiger als man allgemein annimmt.

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  3. meine güte, du hast doch sonst keine probleme beim schreiben. wenn du schon einen brief erhalten hast kannst du darauf ja eingehen, einen roman verlangt doch niemand von dir :p

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  4. Warum sollst Du ihr nicht schreiben, dass Du Fußball magst und gern hingehst und am liebsten zu St. Pauli? Ich schreib meinem jetzt 7jährigen Paten dauernd so was. Auch wie ich Weihnachten feiere oder Ostern. Das ich Oma bin. Ich glaube, Dein Patenkind möchte einfach viel über Dich wissen. Und das Leben in Deutschland

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  5. War jetzt auch alles nicht so wild, mir fehlt nur meist der Anfang. Nur ein vernünftiges Bild hab ich noch nicht gefunden, aber auf ein paar Tage mehr kommts jetzt auch nicht mehr an.

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    1. Ich hätte noch ein paar Fotos vom Wocheende mit Dir drauf ;)

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    2. Ungesehen abgelehnt *g* (aber schicken kannst mir die mal)

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