Samstag, 28. Juli 2012

Der Untergang














In einer Woche beginnt die Saison, aber freuen kann ich mich nicht so wirklich darauf, denn ob es für die ersten Heimspiele überhaupt Karten geben wird ist fraglich. Das Spiel morgen gegen Aberdeen fällt aus wegen Enkelkindbespaßung, bleibt nur noch der Test gegen die Stadtauswahl aus Wedel. Bei diesem Wetter lass ich mir das nicht entgehen, pack die Kamera ein und hetz quer durch die Stadt. Nur eine halbe Stunde früher Feierabend hätte das erträglicher gemacht, was für ein Glück dass die Karre wenigstens Klima hat, eine Affenhitze ist das.
Vor dem Stadion ist es voll, zehn Minuten vor Anpfiff noch. Als ich in der Schlange stehe kommt eine Anweisung für die Ordner nur noch Oberkörper abzutasten, die Zeit wird knapp. Ich hol mir ein Bier und suche einen Platz, an dem man vernünftige Sicht hat für Fotos. Statt dessen finde ich den Don, der seinen Junior langsam an Stadionbesuche gewöhnen will, bekomme noch ein Bier und bleibe da stehen, weil seine entzückende Gattin ebenfalls avisiert ist, und die hab ich echt lange nicht mehr gesehen.

Während dessen läuft auf dem Platz ein munterer Kick und die Tore fallen fast im Minutentakt, mit Hacke und Spitze. Ein paar neue Gesichter sind dabei, eins davon gehört Dennis Daube, der ziemlich schmal geworden ist um die Nase. Das Extratraining hat nicht nur den Babyspeck verschwinden lassen, der will es jetzt wohl wissen. Drei mal trifft er in die Maschen, gefällt mir gut, auch wenn die aus drei Wedeler Vereinen zusammengestellten Allstars kein wirklicher Maßstab sind, aber es wird Zeit aus seinem Talent mehr zu machen. Einen Finnen haben wir jetzt auch, der hat zwar einen nicht ganz so lustigen Namen wie der aus Schalke, aber treffen kann er, genau wie Daniel Ginczek und Mahir Saglik, bin mal gespannt wer später neben Ebbe stürmen darf.
Der Anschlusstreffer wird ausgiebig gefeiert, 7:1 inzwischen und ich hab nicht ein einziges Tor auf der Speicherkarte, nur viermal den ruhenden Ball im Netz und zweimal das Ballmädchen. Zur Halbzeit steht es 9:1 und die Lichtverhältnisse werden schlechter, der Himmel verdunkelt sich, und das liegt nicht an der Uhrzeit. 

Ich verabschiede mich, um hinter der Kurve ein paar Fotos zu schießen, aber weit komme ich nicht, da fängt es an zu grollen und die ersten Tropfen fallen. Ziemlich dicke Tropfen, gegen die das Laub der Bäume für  etwa 30 Sekunden Schutz bietet, die ich nutze um die Kamera einzupacken so gut es geht. Danach rauscht es durch die Blätter als hätte jemand alle Schleusen der Stadt geöffnet. Die Spieler verlassen fluchtartig den Platz, die Zuschauer das Stadion, ich renne durch einen Seiteneingang und finde ein paar hundert Meter weiter einen Carport als Unterschlupf. Das rettet gerade noch die verpackte Kamera, mich nicht mehr, ich bin nass bis auf die Haut. Die Jacke wiegt gefühlte zehn Kilo, davon sind fünf Kilo Wasser. Selbst die Geldscheine im Portemonnaie sind feucht. Mit dem Untergang der Amateure aus Wedel war ja zu rechnen, aber so hab ich mir das nicht vorgestellt.
Keine zehn Minuten später ist der Spuk vorbei und ich betrete das Stadion wieder durch den Vordereingang, weil ich keine Lust habe den Fahrersitz nass zu machen. Beim Fussi gucken kann man bestimmt besser trocknen.

Das Spiel wird kurz darauf auch wieder angepfiffen, aber beim Versuch eines der restlichen zehn Tore irgendwie schnappzuschießen bin ich wieder nicht sonderlich erfolgreich. Trotzdem ein erbaulicher Abend, für neunzehn Tore brauchen die Jungs sonst ein paar Monate, dafür kann man auch mal einen nassen Pelz riskieren. Wenn man dazu noch nette Menschen trifft die man seit Jahren nicht gesehen hat, dann lohnt sich das immer.  

Trocknermusik: Los Fabulosos Cadillacs - Rey Azúcar











Kommentare:

  1. Muaaahaaahaaa.... Kamera einpacken bei Regen,wa ?
    Ich sag ma lieber nix dazu... ;p

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    1. War mir klar die Reaktion. Alter Pentaxer. Diesem Schauer hätte ich auch keine Pentax ausgesetzt, das war 100% Luftfeuchtigkeit.

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  2. armer drops, ich hoffe alles wieder trocken inzwischen.
    ich als nichtfussballer kann mit solchen berichten ja immer wenig anfangen...aber das letzte foto ist echt schick geworden, das hat was. quasi magazin-potential *g*

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    1. Naja ich hab die Knipserei arg vernachlässigt in der ersten Hälfte, das lief so nebenbei, eigentlich war ich mehr zum Fußball gucken da. Dann ist mir das Wetter dazwischengekommen. Und ja, alles wieder trocken, am nächsten Tag.

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  3. Das dritte und das letzte Foto ist klasse geworden! Beim Regen die Kamera einpacken? Versuchs mal mit Olympus, das gibts etliche spritzwasserdichte ;-)

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    1. Das letzte ist auch nur ein Bildausschnitt, da war der Kopf eines professionellen Kollegen im Weg, der mit seinem Ofenrohr am Spielfeldrand knipsen durfte. Die idealen Bedingungen hab ich leichtfertig vertan.
      Am besten ist mir eigentlich die Trainerbank gelungen find ich.
      Und das Kamerasystem wechseln? Kann ich mir nicht leisten. Ich bin auch ganz zufrieden mit der Nikon, für meine Fotos bräuchte ich eher nen Polfilter als nen Regenschutz *g*

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    2. Polfilter sind generell tückisch. Ich benutze sie eher ungern. Hier muss ich das allerdings manchmal wegen der grellen senkrecht stehenden Sonne... UV-Filter vielleicht eher: die sind auch billiger

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  4. "... dass die Karre wenigstens Klima hat" ist das neue "ich habe Rücken".

    Grüße!

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    1. Kurz und präzise, jeder weiß was gemeint ist. Für die Vereinfachung der Sprache! Damit auch Käwin und Schantalle keine Verständnisprobleme haben.

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  5. @Herr Ärmel:
    in dieser Sache ist Zaph äußerst beratungsresistent.
    Ich frotzel ihn auch ab und an gerne mal mit den Vorzügen wasser- u. staubresistenter Kameras. *fg* ;-p

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  6. Lass Dich bloß nicht ärgern! Sollen die doch mit ihrer Olympus... Pffff

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    1. :-P oder ;-) ? ich werde mal drüber nachdenken Inch...

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    2. Ach was, das Gefrotzel des Herrn trifft mich nicht, das ist nur Spaß. Ich könnt da manchmal ganz anders frotzeln, aber das wär dann kein Spaß mehr *gg*

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  7. Jetzt hab ich es endlich mal ans Millerntor geschafft gegen die Schotten und du verzichtest freiwillig? Dabei hätte ich mit dir gern ein paar Astra getrunken, obwohl ich das Zeug sonst nicht anfasse.

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    1. Testspiel auf ner Baustelle mit 50% Fans und 50% Eventpublikum gegen einen Nachmittag mit Enkeltochter, ich frag Dich in 30 Jahren nochmal. Ach nee, wahrscheinlich nicht, Du müsstest erst einmal Kinder machen und Fußball nicht nur im Fernsehen konsumieren um das nachvollziehen zu können. Sehr unwahrscheinlich, beides :p

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