Dienstag, 17. Februar 2015

Pizza, Pfeifen, keine Punkte


















Vorspiel
Erstes Heimspiel nach der Winterpause und schon muss man einen Tag Urlaub nehmen. Dadurch hab ich immerhin die Gelegenheit mit dem Langen vor dem Spiel ein Bierchen zu trinken, im Stadion kommt man ja nie richtig zum schnacken. Irgendwo in Stadionnähe was futtern, sich aufwärmen und vorglühen, kann bei den Temperaturen nicht verkehrt sein. Die Entscheidung fällt auf das Cento Lire in der Karolinenstraße, wenn man pünktlich zur Öffnungszeit da ist könnte man vielleicht auch Glück haben und einen Tisch ergattern. Außerdem wär der gut, da geht er schon seit 20 Jahren mit seinen Segelkumpanen hin während der Bootsmesse. Hunger habe ich eigentlich überhaupt keinen, aber vielleicht haben die Spaghetti con aglio olio e peperoncino auf der Karte, da suche ich immer noch einen, der das so gut drauf hat wie der Italiener in Peniscola.

Blöderweise öffnet die Trattoria erst um 18 Uhr, wir quatschen erst einmal eine gefühlte halbe Stunde bevor wir überhaupt etwas bestellen, außer Bier. Knobispagges gibbet leider nicht, der Lange ordert eine Pizza und da ich mich bislang nicht eine Minute mit der kleinen Speisekarte befassen konnte wähle ich kurzerhand auch einen der belegten Teigfladen. Der ist ziemlich lecker, kein Vergleich zu den üblichen Pizzalieferanten, aber langsam beginne ich panisch auf die Uhr zu schielen, ich hab immerhin nur einen Stehplatz. Der Lange beruhigt mich etwas, da am Montag öfter mal jemand fehlt ist die Chance auf einen Sitzplatz bei den Jungs durchaus gegeben. Zum Abschied gibt uns der Wirt noch eine Runde Grappa aus und gute Wünsche mit auf den Weg. Sehr sympathischer Laden. Sehr leckerer Grappa.

Wir wandern über das Heiligengeistfeld und stellen uns in die Schlange vor Block C, da brüllt uns der Dartmeister schon von oben die erfreuliche Nachricht entgegen: ich kann wechseln, ein Platz wär noch frei. Gott sei Dank, denn auf den Stehrängen ist es pickepackevoll, ich quetsch mich durch die Menge nach oben, nehme die Dauerkarte in Empfang und quetsche mich wieder zurück. Endlich auf meinem Sitz angekommen und die Begrüßungsarie überstanden geht es auch schon los mit der Singerei. Herz von Sankt Pauli und so.. ich reiß die Kamera raus um wenigstens ein paar Fotos von der Konfettiwerferei zu machen und kriege dabei überhaupt nicht mit, dass auf dem Nordkurvenbunker die fette Pyroshow abgeht. Verdammt! Wer guckt denn schon auf eine Baustelle?

Koch steht in der Startelf, hat seine muskulären Probleme hoffentlich im Griff. Verhoek für Budimir, nach dem Spiel in Sandhausen war das nötig. Ansonsten erwartbare Aufstellung mit Gonther und Sobiech in der IV, Schachten und Halstenberg außen, Ratsche, Thy, Sobota, Daube. Heute müssen wir eine Serie starten, drei Punkte, egal wie.

Hells Bells, Konfetti, ab dafür..

Spiel (1)
Was geht? Anstoß und gleich ne Ecke für Fürth? Powerplay oder was? Mein Sitzplatz hat eine Kommentarfunktion. "Wir müssen die Anfangsoffensive der Fürther überstehen. Das dauert nicht lange." Kurz darauf "Das gefällt mir überhaupt nicht." Ja, wen wunderts. Da sind erschreckende Lücken in der Aaaaaaaaaaah! Herzinfarkt! Seid ihr noch zu retten da unten? Die Fürther schlagen einen Freistoß in Richtung 16er und ein Spieler kommt da ungehindert ran. Glanzparade von Himmelmann. Tschaunerlike. Ich brech hier gleich zusammen.
Jetzt gehts mal in die richtige Richtung, Konter für uns, vier gegen zwei und mein Kommentator flippt aus, es wird geradezu lyrisch. "Viergegenzwei! Viergegenzwei! Vorbei, vorbei!" denn wir spielen das nicht richtig zu Ende, zu langsam, zu kopflos, Schachten verdaddelt. Mist. Dann ist Sobota im Strafraum durch, aber das Ding geht daneben, immerhin abgefälscht, Ecke für uns.
Oder was? Spielertrauben im Strafraum? Der Schiri zeigt auf den Elfmeterpunkt? Wie geil ist das denn. "Kann nur Hand gewesen sein" sagt die Sitzplatzkommentarfunktion, von hier aus natürlich nicht zu sehen. Immer noch Spielertrauben, drei Fürther sabbeln dem Linienrichter ne Frikadelle ans Ohr, was hat der scheiß Linienrichter damit zu tun verdammt? Der Schiri war ja wohl näher dran. Und keiner geht dazwischen, Boller hätte da einen weggeboxt und denen was erzählt, unsere Jungs gucken sich das an, der Linienvogel quatscht mit dem Schiri. Doch nur Ecke? Nix Elfer?

Ich fasse es nicht, was für Pfeifen da unten. Nach dieser Aktion sind alle erst einmal verunsichert, die Spieler und die Pfeifen sowieso, denn es kommt noch schlimmer. Der Freistoß aus den Anfangsminuten der Fürther wird einfach noch einmal versucht, aber keine Gefahr, das ist klar Abseits. Hallo? Hört mich jemand? Das war auf meiner Höhe, das war Abseits verdammt, wozu hast Du eine Fahne Du Vogel?  Die Fürther jubeln, wieso verdammt jubeln die? Das war ein verfixxtes Abseits, das hab sogar ich Blinder gesehen, und ich erkenne Abseits echt nur wenn der mindestens nen Meter Vorsprung hat, aber der Schiri sagt, es war Kacper Przybylko, es war kein Abseits und es steht 0:1.


Was für Pfeifen, echt mal. Sekunden später will Koch denen das zweite schenken, ein katastophaler Stockfehler, ein Fürther ist durch und Robin rettet uns wieder den Arsch. Ich bin schwer genervt. Die Sitzplatzkommentarfunktion verteilt Zeugnisse. "Daube ist ganz schwach heute." "Halstenberg ist auch schwach." Das zieht sich fast durch die komplette Mannschaft, nur Thy, Sobota und Sobiech werden verschont. Der Rest ist schwach, wahlweise harmlos, was angesichts unserer kaum vorhandenen Chancen und der anschließenden Nichtverwertung schlecht von der Hand zu weisen ist. Hab ich dem Langen aber schon weit vor dem Spiel gesagt, wir haben einfach keinen Knipser. Und keine Ideen. Es hat sich nichts verändert, neue Leute, neuer Trainer, alter Stiefel, keine Tore.

Dazu noch das Schirigespann, das weiterhin durch unglaubliche Entscheidungen auffällt. Der Mann pfeift sich einen Mist zusammen, das glaubt man kaum. Der Linienspacko sieht Abseitspositionen grundsätzlich nur bei uns, was mich manchmal wieder in Infarktnähe bringt weil Robin uns dadurch ein drittes Mal den Arsch retten muss. Dem Liri würde ich gerne einen Bierbecher an den Kopf werfen, Ausführung Edelstahl massiv. Die Hauptpfeife ist ähnlich drauf, der 10er der Fürther kann machen was er will, der senst unsere Jungs um wie er lustig ist, aber als Koch ihm mal die Grenzen aufzeigt gibt es natürlich die gelbe Karte. Was für ein Kackschiedsrichter, da ist ja Aytekin noch besser. Die Ränge sind inzwischen von "Schieber Schieber" auf "Hoyzer Hoyzer" umgestiegen, ich frag mich wo sie die Pfeifen ausgegraben haben, denn das ist eindeutig unterirdisch was die abliefern.

Das Gekicke geht mit 0:1 und gellenden Pfiffen für das Schiedsrichtergespann in die Pause, die letzte Chance von Ratsche in der lächerlichen Minute Nachspielzeit geht über den Knick. Wir können machen was wir wollen, das Ding geht nicht rein.

Zwischenspiel
"Ewald muss auswechseln, da läuft nichts zusammen."  Da bin ich mit dem Lange zwar einer Meinung, aber wen? "Daube auf jeden Fall. Der ist richtig schlecht. Budimir für Daube, mit zwei Stürmern spielen." Der Fachmann spricht. Gute Idee eigentlich, mit zwei Stürmern doppelt so viel Tore schießen. Leider macht zweimal null immer noch null, aber warum nicht? Auf jeden Fall Buballa für Halstenberg, Schachten ist allerdings auch nicht in bestechender Form. Eigentlich ist niemand in bestechender Form, gar nicht so einfach dieses Trainerspiel. Vor allem muss man als Trainer noch die Taktik im Auge haben, wenn ich nur wüsste welche gerade ausgegeben wurde von Ewald. Und ob die überhaupt jemand verstanden hat. Ausgegeben wird zunächst eine Runde Frischbier, der Dartmeister ist so nett und besorgt die Lage, damit wir uns verbal weiter dem sportlichen Elend widmen können - und dem Rest an Hoffnung, wir haben noch 45 Minuten Zeit das Ding zu drehen.

Spiel (2)
Keine Auswechslungen bei uns, soll das etwa so weitergehen? "Wenigstens Daube muss raus, der ist ganz schlecht" sagt der Lange. Dennis muss mindestens zwei Tore des Monats schießen bevor der wieder versöhnt ist, dabei fällt er unter der Resttruppe gar nicht weiter negativ auf. Man kann ihnen ja nicht vorwerfen sie würden es nicht versuchen, aber wie immer geht es nur bis knapp vor den 16er, danach ist Schluss. Ratsche verspringt der Ball, Sobota rennt sich fest, Verhoek köpft unbedrängt über das Tor, ein Bild des Grauens. Begleitet vom Abstiegsmantra neben mir: "Das ist schlecht, das ist ganz schlecht, jaaaa das ist gut, neiiin das ist schlecht. Ganz schlecht." Schlecht überwiegt eindeutig, noch eine halbe Stunde zu spielen. Ein Punkt muss drin sein heute, Ewald muss endlich wechseln.

Gott sei Dank ist Himmelmann auf der Höhe, denn die Greuther Konter sind gefährlich. Man glaubt gar nicht wie schnell Fußballprofis auf einmal rennen können, von unseren natürlich abgesehen. Wie der Koch in Richtung Seitenlinie trabt ist schon fast unverschämt, und was die Fürther da abliefern eine Frechheit sondergleichen. Sobald es brenzlig wird fällt einer hin und der miese Schiedrichter darauf rein, ein ums andere Mal. Die holzen, fallen und schauspielern was das Zeug hält, aber der einzige der von denen eine gelbe Karte bekommt ist ein Ersatzspieler, weil er fünf Meter zu weit auf dem Rasen steht und mit seinem Torwart sabbelt. Man muss Prioritäten setzen, wer weiß auf wen der Schiri gesetzt hat. Und wie viel. Vielleicht hat er auch nur seinen Zwillingsbruder geschickt, denn der wirkt derart hilflos auf dem Platz, der kann nicht einen Schiedsrichterlehrgang absolviert haben. In der Tresenliga hätte es längst Schlägereien gegeben auf dem Platz, die Profis reißen sich grad noch so zusammen.


Er könnte uns trotzdem nicht am Toreschießen hindern, das schaffen wir ganz alleine. Verhoek schießt vorbei, Verhoek verpasst den Ball, und wenn es tatsächlich jemand aus der Distanz versucht ist ein Fuß dazwischen oder das Ding geht in die Baustelle. Zwanzig Minuten noch und endlich wird der Lange erlöst, Daube geht vom Platz und zur Überraschung kommt Nöthe. Zwei Stürmer, doppelt so viel Tore, hurra. Wir kriegen drei Ecken hintereinander, aber nichts davon ist auch nur annähernd gefährlich. Wir müssten dreißig Ecken bekommen für die Chance auf den Ausgleich.

Zehn Minuten vor Schluss der letzte Strohhalm. Budimir kommt für Verhoek. Chancentod 1 raus, Chancentod 2 drin. Selbstredend wird es nicht besser, der Tag ist vollkommen verschenkt. Es fällt sogar noch das 0:2 und beinahe hätte ich mich darüber erschrocken, weil der Abseitspfiff erst eine gefühlte Minute später kommt oder von den Fürthern einfach ignoriert wird. Wir hätten im Cento Lire bleiben und uns besaufen sollen, das wäre sinnvoller gewesen. Und wärmer. Kurz vor Ende geht Lenny Thy, Maier kommt. Auch einer dieser jungen Leute, die sich hier entwickeln sollten und der so vielversprechend angefangen hat. Wir bekommen sogar noch einen Freistoß, aber was ihm am Anfang noch so gut gelungen ist geht heute daneben, der Ball segelt weit am Tor vorbei.

Fürth versucht weiter alles um das Spiel zu verzögern, von Krämpfen bis zur Auswechslung in der letzten Minute, das volle Programm. Einfach mal liegen bleiben bis die Pfeife pfeift. Macht er dann nach unglaublichen 3 Minuten Nachspielzeit, aber nach Schieber, Hoyzer, Pfeifkonzert war eigentlich klar, dass der uns heute gar nichts mehr schenken wird.

Nachspiel
Ewald zürnt mit den Schiris, die Jungs gucken sehr ratlos aus der Wäsche und das YNWA am Ende klingt fast so blutleer wie der Support heute, für ein Millerntorflutlichtspiel war das vergleichsweise nix, aber was soll man auch erwarten, nach einem Jahr Elendskickerei mit nur sehr wenigen Lichtblicken. "Auswärtssieg" skandieren einige ganz Verrückte laut, da bin ich dabei, schon weil ich dabei bin. Wobei mir nicht klar ist woran ich noch glauben soll, an die Mannschaft glauben ist schwer, aber an Wunder glauben ist eigentlich noch bekloppter. Der Lange jedenfalls, der mich zwei Stunden vorher noch um die Auswärtstour nach München beneidet hat, zieht seinen Neid wieder zurück. Kann ich ein wenig verstehen, aber heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage.

Angesichts der späten Stunde und der bescheidenen Temperaturen frage ich mich, ob die Tresenkurve noch auf ein Bier lauert, treffe aber weder in noch vor den Fanräumen jemanden an. Dafür klatscht mir die @diepauliane plötzlich von hinten derart auf den Rücken, dass mir fast das Bier wieder hochkommt vor Schreck. Diese verrückten Paulis immer, also echt mal. Wir seh'n uns in München. Auswärtssieg ;)


Fotos: Gegengerade Millerntor, klicken macht Fotos größer
Musik: Abyssinia Infinite - Zion Roots













Sonntag, 15. Februar 2015

Halbe Hirne und andere Politclowns
















Böse Zungen behaupten schon lange, das Hamburger Kennzeichen sei nur die Abkürzung für "Halbes Hirn". Der Eindruck könnte sich in den letzten Wochen verstärkt haben, da die SPD den aktuellen und sicherlich auch zukünftigen Bürgermeister der Stadt auf ihren Plakaten nur mit halbem Hirn Kopf abgebildet hat. Diese Gedächtnislücke soll in Zukunft wohl von den Grünen geschlossen werden, das Angebot stand vor der Wahl schon und wenn man sich erinnert, dass wir hier auch schon eine Regierungskoalition aus CDU, FDP und Schill hatten, könnte man sich fast damit anfreunden. Mehr als das kleinere Übel ist einfach nicht drin in diesem Land.

Dass CDU Spitzenkandidat Dietrich "Wer?" Wersich für seine Partei ein Spitzenminusergebnis von knapp 16% eingefahren hat vermag auch nur wenig zu trösten, wenn man sieht wer da voraussichtlich von profitiert hat. 6 verkackte Prozente für die AfD, da ist sehr oft nur HH drin bei den Wählern, offensichtlich ist niemand zu blöde oder auch nur zu peinlich für diese Bürgerschaft. Die FDP hat es wieder geschafft, mit über 7 Prozent und einem Su-Ding, das erst nicht genau wusste, ob es als Mann oder Frau Wahlkrampf machen soll und sich dann doch für den kurzen Rock entschied. Aufmerksamkeit allez, besser ein "Skandal" als gar keine Presse. Hat gewirkt.

Der größte Witz ist, dass sich schon wieder Leute über das Erwachen der FDP aus dem politischen Koma freuen, denn nur die kann verhindern, dass die Pseudoliberalen der AfD noch stärker werden. Wählen wir also in Zukunft lieber die alten Pseudoliberalen, da weiß man was man hat.

Wenn es überhaupt irgendwelche positiven Erkenntnisse gibt nach dieser Wahl, dann eigentlich nur die, dass die PARTEI dreimal so viele Stimmen bekommen hat wie die NPD.

Und wenn man sich die ganze Scheiße schönreden will, kann man zu den 8.5% der Linken noch die 12.2% der Grünen addieren, die ja irgendwie doch ein ganz kleines bisschen links sind manchmal. Dazu die 45.7% dieser Partei, die vor 40 Jahren mal fast links war und sich heute einbildet sie wäre es immer noch, weil man sich dort weiterhin mit "Genosse" anredet und zum 90. Geburtstag von Opa Rudi auch mal die Internationale singt.

Über 66% "linkes" Übergewicht dürfte auf absehbare Zeit wenigstens schillige Experimente mit Pseudoliberalen verhindern. Wenn das nix ist...

Keine halben Köpfe: Talking Heads - Stop Making Sense



Freitag, 13. Februar 2015

Hans, Edgar und Henry
















Wenn man einige Tage über den Ohlsdorfer Friedhof wandert, fällt man zwangsläufig irgendwann über prominente Namen. Viele dieser Namen werden nur Hamburgern etwas sagen, einige, wie Wolfgang Borchert, Fritz Stavenhagen oder Kurt W. Marek, nur Literaturkennern geläufig sein.

Natürlich sind auch weitaus bekanntere Prominente darunter, wie Heinz Ehrhardt oder Inge Meysel, aber Grabstellen von irgendwelchen Schauspielern, Dichtern oder Musikanten zu besuchen würde mir nicht im Traum einfallen, so lange sie nicht Duane Allman, Jimi Hendrix oder Stevie Ray Vaughan heißen, von denen liegt hier bloß keiner.

Gesucht habe nur die von Hans Albers und der Familie Hagenbeck, wobei beide Gräber nicht sonderlich spektakulär sind, der blonde Hans liegt ganz beschieden in einem Familiengemeinschaftsgrab, und seit irgendwelche Vandalen den Hagenbecks ihren Bronzelöwen geklaut haben stehen da halt nur noch große Steine.

Mehr zufällig gefunden habe ich den Gründer des Ohnsorg-Theaters und zwei seiner größten Schauspieler. Henry Vahl, die Hamburger Volksschauspiellegende schlechthin, als Schustergeselle Matten in "Meister Anecker" so unfassbar witzig, dass ich beim ersten Mal vor Lachen fast gestorben wäre. Und über die Rose auf dem Grab von Edgar Bessen habe ich mich nicht nur wegen des zusätzlichen Motivs gefreut, den konnte ich schon immer gut ab. Abgesehen davon ist Edgar Bessen der einzige Schauspieler, bei dem ich mich erinnern kann ihn live auf der Bühne gesehen zu haben.

Bei Musikern wären das weit mehr, von denen liegt hier nur keiner.

Musik (lebt noch): Left Lane Cruiser - Bring Yo' Ass To The Table






Mittwoch, 11. Februar 2015

Schon wieder ein Tier gerettet
















Politisch korrekte Ernährung ist nicht so einfach als Currywurstfan, auch wenn die Edelwurstschmieden sehr häufig ihre feine Kalbsbratwurst in der Bio-Variante anbieten. Dann hatte das dafür benötigte Kalb vielleicht ein glückliches, aber trotzdem relativ kurzes Leben. Über die Millionen in Currywurstdärme gepressten Schweine und Rinder, die jährlich über den Tresen deutscher Imbisse wandern, sollte man besser gar nicht nachdenken. 

Rettung für das schlechte Gewissen bietet Vincent Vegan, der mit seinem (der Name verrät es) 100% veganen Imbisswagen auf diversen Wochenmärkten steht. Inzwischen hat er sogar den Vegetarier mit seinen scharfen Burgern vor der St.Pauli Südkurve abgelöst und wer sich bei der Konkurrenz dort durchsetzt, der kann nicht ganz schlecht sein. Retten wir also mal ein Tier und futtern 'ne Curryvurst. Mit V.

Vurst und Beilagen kommen, in einem mit Backpapier ausgekleideten Körbchen, schon mal sehr viel appetitlicher daher, als in der üblichen Imbisspappschale. Die Konsistenz der Wurst ist anfangs etwas ungewohnt, aber auf der fleischigen Gegenseite gab es schon schlimmeres. Sollte sie irgendwo Eigengeschmack entwickeln, wird der durch die Sauce vollständig überdeckt. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, denn wenn wir ehrlich sind ist die Fleischpelle bei der Currywurst fast immer nur Geschmacksträger, sonst würde man ja Bratwurst essen.

In der veganen Variante steht und fällt das also durch die Sauce, und die ist der Hammer. Toll gewürzt, lecker tomatig (garantiert ohne diese geschmacklosen Fleischtomaten) und der Schärfegrad auf den Punkt. Brizzelt schön auf der Zunge, es bilden sich leichte Schweißperlen auf der Stirn, aber die Augen bleiben bis zum Ende fast trocken.

Das alleine wäre jetzt nicht besonders aufregend, doch die Beilagen machen dieses alterwürdige Fastfoodmenü zu einem besonderen Erlebnis. Süßkartoffelpommes mit (selbstverständlich ebenfalls vegan hergestellter) Mayonnaise, gegen die der übliche weiße Imbissklecks auf den Standardfritten zur schnöden Fettecke verblasst. Her-vor-ra-gend! Ein perfekter Kontrast zu der scharfen Curryvurst, wobei eine halbe Portion völlig ausreichend ist, macht pappsatt das Zeug.

Wenn ich nach einem Spiel mal wieder in die Südkurve muss steht das auf dem Speiseplan. Eine vegane Curryvurst unter den Top 5, wer hätte das gedacht.

Currywursttestmusik: Agressiva 69 - Agressiva 69 (Polen, 2001)



Samstag, 7. Februar 2015

Der klägliche Rest der braunen Pest
















Die von der Reiterstaffel der Hamburger Polizei gespendeten Wurfgeschosse kamen zu spät, dabei wären sie ideal gewesen, von Farbe und IQ sehr ähnlich den gedachten Empfängern. Von den Fans des irren Schnurrbärtchens bekam ich ohnehin keinen zu Gesicht, der Gänsemarkt von den Cops hermetisch abgeriegelt, da müssen die sich wohl selber zuhören. Vielleicht hätte ich mit Storch Heinar Klamotten passieren können, oder irgendwelche Schleichwege durch Einkaufspassagen oder Parkhäuser nehmen müssen, aber wer will die Gestalten schon sehen? 35 sollen es gewesen sein, und dafür so ein Aufwand, Polizeibegleitung vom Jungfernstieg bis zum Hauptbahnhof, zu dem ich ja eigentlich gar nicht wollte, Wasserwerfer und Wannen ohne Ende, was das wieder gekostet hat.

Dabei könnte man sehr viel Steuergelder sparen, wenn man einfach mal gar keine Polizei einsetzen würde bei Nazikundgebungen. So lange das Verhältnis in Hamburg bei 800:35 bleibt, spart das allein schon beim Verwaltungsaufwand. Keine Anmeldungen mehr. Garantiert.

No Nazis but Music: Christopher Lawrence - Hook Recordings



Mittwoch, 4. Februar 2015

Löwen als Hauptgang
















Gourmetwochenende allez! Nachdem die DFL mir in der letzten Saison jedes Auswärtsspiel durch die dämliche Terminierung versaut hat, dürfen wir dieses Jahr endlich wieder eine ausgedehnte Fresstour unternehmen. Als Appetitanreger, das steht jetzt schon fest, wird es am Freitag Garnelen mit Cashews geben, bei meinem Lieblingschinesen in Straubing. Sozusagen als Einstimmung auf den Gourmet-Samstag. Für den muss ich dann nur noch die traditionellen Frühstücksweißwürste besorgen um den Menüplan nicht zu gefährden, auf dem die Löwen zum dritten Mal in Folge als zu vertilgendes Hauptgericht dienen werden sollen.

Und wenn die nicht zu schwer im Magen liegen gibt es zur Belohnung noch ein ganzes Brett als Dessert. Mit batzigem Schokobatz. Mjam.

Sonntag, 1. Februar 2015

Neuer Koch, bessere Rezepte?

















Ach, das wollte ich doch gar nicht mehr. Testspiele. Ersatzdroge. Unnötig, geht doch eh bald wieder richtig los. Aber was willste machen, wenn die Sonne scheint, man eh nix besseres vorhat und das Spiel in Norderstedt stattfindet. Ich hatte ohnehin vor mir dieses Jahr öfter die U23 anzusehen, da kann ich gleich mal gucken wie man da am besten hinkommt. Außerdem kann ich hinterher bei den Kindern vorbeifahren, mir nen heißen Kaffee abholen und gucken was die sich für ein Ferienhaus ausgesucht haben. 350 Öcken für eine Woche in der Nähe von Amsterdam, das kann nur ein schlimmes Loch sein.

Herr L. hat schon was anderes vor und nörgelt rum, das hätt ich ihm gestern sagen sollen, dabei hab ich ihm das letzte Woche schon gesagt. Wetter gut = Fussi guggen. Kann sich normal jeder merken. Aber heute Abend wär ja auch noch Hawks Geburtstagsfeier, alles zu anstrengend, alles schwierig. Egal, fahr ich halt alleine, irgendwen trifft man immer auf diesen Versammlungen der Vollständigbekloppten, die wirklich jeden Kick mitnehmen.

Frostködelkalt ist es und das Rennen um einen Parkplatz in Stadionnähe geht schon in Poppenbüttel los, doch den Meriva mit Totenkopf lass ich in Norderstedt schnell hinter mir, in der Trabantenstadt kenn ich mich aus inzwischen. In Stadionnähe gibt es natürlich trotzdem nichts, mein optimistischer Einfall den halb leeren Parkplatz direkt davor anzusteuern und zu fragen "was kost?" wird mit der grinsenden Gegenfrage nach einer Arbeitskarte zunichte gemacht. Nur für Helfer, alles dicht. Na denn, drei Minuten Fußmarsch entfernt ist eine Lücke, alles halb so wild.

Für zehn Euro leiste ich mir den überdachten Sitzplatz, denn die Haupttribüne ist der einzige Bereich ohne Zaun vor der Nase und sowas von direkt am Spielfeld. Hätte ich das gewusst, hätte ich die Spiegelreflex mitgenommen. Hätte hätte Fahrradkette, das lockere Gekicke der Jungs im Sonnenschein ist aber auch für die Knipse noch zu wuppen.
Wird viel gelacht auf dem Platz, das sollte eigentlich ein gutes Zeichen sein. Schnecke und Dennis sind wieder gesund, das freut mich, Schachten ist dafür wieder verletzt, das ätzt. Trybull läuft in kurzen Hosen rum, ich bin ja mal gespannt ob der sich doch noch durchsetzt. Noch gespannter bin ich auf die beiden neuen, den Koch und den Sobota. Polnischer Nationalspieler hört sich nicht so schlecht an, selbst ein halber Lewandowski wär schon eine nette Verstärkung.  

Den Stadionsprecher müssen sie von den Norderstedtern geliehen haben, wir haben keinen Lennatt Thai bei uns, keinen Treibull und auch keinen Ratzkowski. Wäre ich irgendwo Stadionsprecher, ich würd ja vorher mal wen fragen der sich auskennt, mir wär das peinlich. Gegengerade Stehplatzbreich ist gut besetzt, außer mir noch 616 andere Vollständigbekloppte, sehr viele machen das zum Familienausflug, hier können die ganz kleinen Stöpsel noch mit ihrem Bobbycar vor der Tribüne herumrollern ohne jemanden zu stören.

Das Herz von Sankt Pauli sparen sie sich, aber Hells Bells zum Einlauf! Echt n bisschen albern bei der Kulisse denk ich so, aber keine zehn Minuten später versuchen die Vollständigbekloppten auf der Stehgerade tatsächlich Wechselgesänge mit der Haupttribüne zu initiieren. Klappt erst im zweiten Anlauf, aber klappt, unsere Rollis in der ersten Reihe sind die Lautesten dabei. Macht aber auch Spaß gerade, weil sich das Spiel zum großen Teil direkt vor unseren Augen abspielt. Alles auf Angriff, vor allem Ratsche rennt und wirbelt wie ein Wahnsinniger und mit der SLR könnte ich ne Menge schicke Actionfotos von Halstenberg schießen, hätt ich sie eingepackt. Gibt reichlich Ecken für uns in den ersten fünfzehn Minuten und als ich mir gerade überlege, dass Ecken eigentlich gut geeignet wären um mal ein paar Strafraumfotos zu versuchen, ist latürnich stante pede Schluss damit. Keine Ecken mehr, dafür daddelt Tschauner in Strafraumnähe mit dem Ball und irgend einem Dänen herum, was von hier aus seeeehr ungeschickt aussieht. Und gefährlich.

Maaaaaaan Philipp! Echt mal. Keiner würde sich mehr freuen als ich (nee stimmt nicht, es würden sich glaube ich sehr viele freuen) wenn Du wieder die Nummer 1 im Tor bist (remember Sprechchöre), aber so? Und Deine Abschläge wieder. Pampa. Meine Fresse. Übenübenübenüben! Ich will wieder Tschaunersprechchöre hören nach Deinen Glanztaten, dabei müssen es nicht unbedingt Kopfballtore in der letzten Minute sein, ein paar Deiner Fabelreaktionen auf der Linie reichen völlig. Aber wenn Robin meine Nerven auf Dauer schonender behandelt, ich muss auch ein wenig an meine Gesundheit denken...

Ich hätt gern ein Tor jetzt mal. Los. Silkeborg ist ein Erstligaverein, aber in Dänemark. Ich erwarte hier kein Schützenfest, aber wenigstens ein paar herausgespielte Tore. Ich versuche mich auf die Neuen zu konzentrieren, Koch ist ziemlich präsent, macht nen guten Eindruck. Sobota rackert auf der anderen Platzseite, was man von hier aus erkennen kann ist der ziemlich fix, aber auch des öfteren den Ball fix wieder los. "Lennatt Thai" ackert zwar, wie alle anderen eigentlich auch, aber so einfach wollen sich die Nordmänner nicht ergeben. "Das is hier n Freundschaftsspiel" pöbelt der Rolli vor mir, als ich mich gerade frage wie oft sie Lenny noch abräumen können bis der Schiri mal die Karte zückt. Die ganze Saison über schon so eine Verletztenseuche, mehr brauch ich echt nicht davon, nicht für so'n Kackspiel.

Nach einer Aussprache mit den Herren in Strumpfhosen beruhigt sich die Lage wieder, die Ränge haben sich inzwischen ebenfalls beruhigt, das Spiel auch. Einlullendes Gekicke. Auch noch auf der falschen Platzseite, die Dänen im Vorwärtsdrang. Vor mir schleppen ein paar Kids Heißgetränke vorbei, sieht aus wie Kakao. Wenn es den auch mit Schuss gibt weiß ich schon was ich mir in der Halbzeit hole, noch 5 Minuten. Toooor!

Isjanichwahr. Den Pass von Verhoek hab ich so gerade noch mitbekommen und dann ist das Ding auf einmal drin. Wer war'n das jetze? Ach, der Julian Koch. Guter Einstand, wenn die erhoffte Verstärkung auf der 6 auch noch Tore machen kann, nur zu. Vielleicht geht ja noch eins, ich wollte doch eh noch eine Eckballstrafraumszene fotografieren, jetzt gibts auch endlich wieder Eckbälle für uns. Kamera raus und Kick und Toooor! Harhar, ich hab ein Tor geknipst, mit Kompaktknipse, daher nur ein Foto ohne und eins mit Ball im Kasten, aber immerhin. Wer wars eigentlich? Ah, Lasse Sobiech. Kopfballungeheuer, will ich behalten den Mann, selbst wenn wir den Rauten dafür Geld geben müssen.

Currywurst, totgschnipselt im Currywurstschnipselautomaten, aber eine Monsterportion Pommes dazu, die spar ich mir lieber. Wurst langt. Kakao mit Schuss hätte ich mir ebenfalls sparen sollen, oder Kohle in zwei Extraschüsse investieren sollen, so taugt das nix. Am Bierwagen treffe ich tatsächlich auf Holzi, der zu geizig war sich einen Sitzplatz zu leisten oder, wie er es erklärt, lieber in der Sonne steht statt im Schatten zu sitzen, was sich spätestens in der zweiten Spielhälfte erledigt haben sollte.

Die fängt ähnlich super an wie die erste aufgehört hat, ich sinniere noch über die lustigen Namen der Dänen und frage mich ob der Gammelby mit der Schnapsbrennerdynastie irgendwie verwandt ist, da kickt irgendwer den Ball über die Linie. Toooor! 3:0, wer war's denn nu jetzt? Ach, der Koch schon wieder. So schnell kannste garnich gucken, aber bei der nächsten Ecke werd ich wieder mein Glück versuchen, der Mann ist torgefährlich. Und da wäre er wieder fast dran gewesen. So kann er nächste Woche gegen Sandhausen gerne weitermachen.
Bei uns sind Daube und Buballa drin, muss man sich selber ausgucken, denn angesagt werden nur die dänischen Auswechslungen, irgend etwas scheint den Mikromann völlig verunsichert zu haben.

Wie bei Testspielen üblich wird dann gewechselt auf Teufel komm raus, Schnecke darf auch noch spielen, Budimir kommt rein und macht keine Budi mir, Daube für Alushi, Koch und Sobota gehen für Choi und Okan Kurt und am Ende steht auch Flo Kringe noch auf dem Platz, nur Tom Trybull wieder nicht. Keine Ordnung mehr und folglich keine Tore, obwohl das eine oder andere noch drin gewesen wäre.   

Fazit: der neue Koch ist schon mal eine Verstärkung, wenn Ewald noch die richtigen Rezepte findet um aus den inzwischen über 30 Zutaten die richtige Elfersuppe zu rühren...ich werd vorsorglich Karten für München besorgen. München ist immer gut für einen Auswärtssieg und ich muss sowieso mal wieder zum Chinesen in Straubing.

Noch'n Fazit: Familientreffen halt. Wo die Vollständigbekloppten nach Spielende noch ne Runde mit Schnecke an der Bande quatschen können, Lasse Sobiech im Trainingsanzug über die Tribüne schlendert und grinsend zur Kenntnis nimmt, dass der Rolli neben ihm gerade freudestrahlend das Kölner 1:0 gegen die Vorstadt verkündet. Wo der Trainer auf ein "Ewald, komm ma her" hört, aber gleichzeitig fordert "lasst die Jungs in Ruhe, die erkälten sich."

Macht Spaß, aber sollte man sportlich nicht überbewerten. Ernst ist nächste Woche.

Musikrezept: Gov't Mule - Shout! / The Deepest End