Dienstag, 21. April 2015

Isegrim schnarcht vor sich hin
















Deutschlands gefährlichstes Raubtier, lässt man den gemeinen Investmentbanker oder Abmahnanwalt mal außen vor, sieht in seiner Mittagspause eher aus wie ein sehr kuscheliger Bettvorleger. Ein ganzes Rudel davon wirkt möglicherweise gefährlicher, aber eben jenes hatte sich in nicht einsehbare Regionen des Wolfsgeheges verzogen. Bis auf dieses eine Exemplar, von dem ich hoffte wenigstens ein kleines Lebenszeichen zu erhaschen, und wenn es nur ein Augenzwinkern gewesen wäre. Aber nix, Isegrim ist scheinbar im Tiefschlaf, kein Zucken durchläuft diesen Körper.

Für Wölfe sind Herr N. und ich zu spät dran, aber für diese Haustiervorläufer sind wir ja auch nicht gekommen, wir wollen Hirsche. Röhrende Hirsche möglichst, mindestens zehn Enden oder so. Also, Herr N. möchte das, ich sehe da eher schwarz. Ich weiß welches Foto ihm vorschwebt, so etwas habe ich schließlich letztes Jahr im Niendorfer Gehege schon vergeblich versucht.

So ein Foto werden wir beide im Leben nicht schießen, denn so etwas macht man nicht im Tierpark an einem sonnigen Nachmittag. Dafür muss man wochenlang noch vor der Dämmerung mit Förster Alois auf einen Hochsitz im Bayrischen Wald klettern, dabei am besten eine Vollformat und mindestens 500mm Brennweite im Gepäck haben und was das schwerste überhaupt ist: man muss erst einmal einen Förster Alois kennen, der weiß auf welcher malerischen Lichtung mit Berghintergrund um welche Zeit der große Zwölfender seinen heißen Odem in die Luft röhrt. Irgendwann, in den nächsten vierzehn Tagen, möglicherweise...gegen 5 Uhr und danach bei National Geographic, yeah!

Natürlich kann man auch als Amateur mal das große Glück haben, dass einem beim morgendlichen Spaziergang um den Lütjensee ein Hirsch über den Weg läuft, der einen zum noch größeren Glück nicht bemerkt, weil man gerade den Morgenkaffee wegstellt zwischen den Bäumen. Aber schon der morgendliche Spaziergang um den Lütjensee wäre bei uns beiden sehr unwahrscheinlich, und das ist eher machbar als Alois in Bayern.

Mit meiner Einschätzung liege ich richtig, alles was an Rotwild vorhanden ist (und da sind schon ein paar nette Geweihträger dabei) liegt ebenfalls, und zwar dösend in der Sonne. Bis auf die Geweihträger, die liegen im Schatten. Liegender Hirsch im Schatten prickelt nicht, zumal ich den auch mit 300mm weder formatfüllend noch halbwegs scharf bekomme, alles kilometerweit weg.

Kilometerweit weg sind auch die beiden Aua-Ochsen, aber die holen sich ihre Kopfschmerzen wenigstens in der Sonne. Wenn die das am Vormittag wiederholen würden und dann möglichst noch fünfhundert Meter näher kommen könnten... Mit einer Dauerkarte und viel Zeit und Geduld wäre doch einiges möglich, wenn man denn unbedingt will. Herr N. will nicht mehr, der muss seiner Frau erst mehr Brennweite aus dem Taschengeldreservoir abschwatzen und ich soll ihm dabei helfen.

Die schottischen Rindviecher sind herzig wie immer, aber die gibt es auch zwei Straßen weiter, und da muss ich mein Objektiv nicht durch eine Lücke am Futtertrog schieben zum fotografieren, die kann ich am Ohr zupfen. Mit Elchen habe ich grundsätzlich kein Glück, nicht einmal wenn es um Schilder geht. Das setzt sich selbstverständlich auch im Wildpark fort, die einzige Elchkuh liegt in nur zwei Meter Entfernung vor uns, doch wir haben beide vergessen die Zange einzupacken, mit der man den Maschendraht auf Objektivgröße bringen kann.

Wir konzentrieren uns auf das Kleinvieh, denn das macht bekanntlich auch Mist. Auf dem Weg dorthin gelingt mir wenigstens noch ein nettes Bambifoto im Freigehege, in dem man natürlich nur auf harmlose Bambis trifft, aber das sieht wenigstens ein wenig aus wie freie Wildbahn. Wir stolpern an einer Greifvogelflugshow vorbei, ach, gerade vorbei... immerhin dürfen die Kinder noch Selfies mit Weißkopfadler machen, ich lass derweil die Kinder einfach weg für ein paar Adleraugenbilder.

Das Keinvieh ist überwiegend unsichtbar, entweder alle nachtaktiv oder kein Bock auf so viel Publikum, in den meisten Gehegen ist trotz intensiver Suche nichts zu finden, bei den wenigsten hätte sich das überhaupt gelohnt. Whole lotta Maschendrahtzaun. Im Waschbärgehege ist gerade Fütterung angesagt, mit anderen Worten: man kommt nicht ran, weil einhundert Leute vorher gelesen haben wann die stattfindet. Am meisten stört dabei der Waschbärfütterer, weil die Viecher alle vorne am Zaun hängen. Vormittags hätte man hier möglicherweise sogar Licht, jetzt nicht. Einzig die beiden Fischotter räkeln sich fotogen in der Sonne, ganz ohne Maschendrahtzaun, aber leider zu weit weg für Herrn N.

Der ist inzwischen bedient und hat keine rechte Lust mehr auf Tierfotografie, wenn Muddi ihm irgendwann sein 300er gönnt nehm ich ihn mal mit nach Hagenbeck, das lohnt auch ohne Rotwild. Wenn er Hirsche will soll er bei Alois Urlaub machen, ich hab sie inzwischen von der Liste gestrichen.    

Wolf, Aua-Ochse, Adler & Co: Wildpark Schwarze Berge
Wolfmusik: Steppenwolf - Monster / Slow Flux












Kommentare:

  1. Dafür, dass Du soviel Pech hattest, sind Dir aber ein paar ganz ausgezeichnete Bilder schnuckeliger Tiere gelungen.
    Und für 10-Ender, ganz nah, empfehle ich Dir die westschottische Insel Arran. Dort wurde ich von den Viechern geweckt. Und dann, auf der anderen Seite der Insel, bin ich fast über sie geflogen.
    Guckst Du hier: https://inchtomania.wordpress.com/2011/09/20/inselhopping-akt-2-der-arran-coastal-way/

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    1. Das sieht großartig aus, die ganze Insel sieht großartig aus, da würde ich auch ohne die Viecher gerne mal hinfahren.

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  2. wow, der adlerkopf ist echt mal schick. aber ob das 500 euro für so ein teledingens rechtfertigt weiß ich noch nicht, schließlich wollen wir demnächst in den urlaub und der wird nicht billig dieses jahr.

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  3. Fluch der geringen Brennweite, den Adler habe ich nur zusammen mit dem Tierpfleger drauf, die Otter und Waschbären waren zu weit weg für solche Nahaufnahmen, den einsamen Wolf auf meinen Fotos muss man suchen etc pp.
    Tierparks und ähnliches nehme ich erst wieder in Angriff wenn ich mir das "Teledingens" leisten kann, also irgendwann nach dem Urlaub (nicht in Bayern :P)

    Gruß, N..

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    1. Objektive sollte man grundsätzlich vor dem Urlaub kaufen, wer weiß was einem da über den Weg läuft ;)

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    2. Objektive werden grundsätzlich UNTERbewertet.
      Man kann derer nie genug haben !
      Und nicht am falschen Ende sparen... gell ? ;-)

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  4. Herr Ärmel schreibt:
    Flotter Otter, alle Achtung!
    Aber der Adlerkopf mit Drumrum sind in unserer Liga nach erster Sahne aus - Gratulation!
    Solche langhaarighornigen Tiere hat hier auch ein Lummerländer Aussiedlerbauer. Die sehen manchmal richtig niedlich aus.
    Vielleicht fahre ich auch mal wieder in den Bembelstädter Zoo

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    1. Naja, der Adler. Sitzt so ein Tier beim Falkner auf dem Handschuh ist das ja auch nicht sonderlich schwer, in freier Wildbahn beim Fischefangen wäre schon reizvoller. Die langhaarighornigen Viecher sehen wirklich zum knuddeln aus, aber wenn sich so ein Fleischberg mal in Bewegung setzt ist man doch froh wenn sich dazwischen ein Zaun befindet *g*.

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