Dienstag, 14. Oktober 2014

Falsche Zeit für Störche und Bäche


















Die beste Gastgeberin von allen hat eine aufregende Entdeckung gemacht, ein sehr gut einsehbares Storchennest, noch viel besser als das unten an der Flussbiegung, das ich vor zwei Jahren stundenlang belagert habe. Will ich mich noch einmal für ein paar Fotos etliche Stunden in glühender Hitze vor ein Storchennest stellen? Möglicherweise schon, auch wenn es bekloppt ist, aber man könnte am Nachmittag vorbeifahren und wenigstens mal gucken.

Die Gegend ist ganz schick eigentlich, wie das ganze Hinterland der Algarve, nur der Plastikmüll am Straßenrand nervt, es ist unglaublich was die alles aus dem Fenster schmeißen. Wir kommen an einem mit seltsamen Bäumen bewachsenen Hügel vorbei, der in diesem Licht ganz fantastisch aussieht, wie im Auenland. Eigentlich müsste ich den fotografieren, aber bis ich mich dazu durchringen kann HAAALT STOP zu rufen sind wir vorbei, wenden oder parken ist auch gerade ganz schlecht hier. Egal, nachher mal gucken.

Es tauchen die ersten Storchennester auf, das ganze Tal ist voll davon, alle Nase lang steht irgendwo ein Pfahl mit Nest oben drauf, nur kein Storch weit und breit. Die können doch nicht alle auf Futtersuche sein. Meine Begleiterin ist unschlüssig welches Nest sie denn nun genau meinte, in ihrem war letztens auf jeden Fall noch einer drin, das war allerdings am Vormittag. Und Nachmittags machen die alle einen Ausflug? Die Zeit ist sowieso völlig ungünstig, im Mai war noch der Nachwuchs im Nest und hat auf Futter gewartet, inzwischen fressen und fliegen die ja alle selbstständig, kein Wunder dass die Nester leer sind. Wir fahren weiter nach Monchique, das kenn ich, das war ganz chique da oben. Und schattig, vor allem schattig.

Leider führt der kleine Fluss durch den Ort wohl nur im tiefsten Winter Wasser, angeblich bekommt man dann sogar einen Wasserfall geboten. Hinter der Kapelle döst ein monströs großer Käfer im Geäst, den Kopf nach unten, die langen Fühler angelegt, eine merkwürdige Haltung. Sieht sehr unbequem aus, daher wecke ich das Vieh behutsam mit einem Ast und es rafft sich tatsächlich auf eine fotogenere Haltung anzunehmen. Ich war mehr auf lange Brennweite vorbereitet, hätte ich doch bloß das Makro mitgenommen.

Im schattigen Innenhof des Hotels gibt es noch ein Kaltgetränk und einen Versuch das irre Schattengewirr der Bäume mit einer HDR Aufnahme zu bändigen, es ist nahezu unmöglich hier eine perfekte Belichtung hinzukriegen. Eigentlich bräuchte man auch mehr als die drei Aufnahmen, die von der Bracketingfunktion der D90 vorgegeben sind, aber wenn man nur einen Plastikgartentisch als Stativ hat fasst man das Ding besser nicht mehr an. Hätte ich doch bloß das Stativ mitgenommen.    

Auf der Rückfahrt erzähl ich meiner netten Chauffeuse von dem tollen Hügel mit den seltsamen Bäumen, doch dummerweise finde ich ihn nicht wieder, weil die Sonne ihn nicht mehr vom umliegenden Grünzeug abhebt. Hätte ich doch auf der Hinfahrt schon was gesagt.

Über Portimão geht es zurück, eine dieser Touristenorte deren (möglicherweise sehenswerte) Altstadt sich dem Anblick nach auf der anderen Seite des Rio Arade befinden muss, und anders als in Lagos gibt es hier keine Brücke, außer diesem blauen Konstrukt hinterm Hafen. Irgendwo befindet sich möglicherweise auch noch eine Burg wie ich gerade herausgefunden habe. Wäre ich Bart Simpson, ich würde glatt eine ganze Tafel vollschreiben mit dem Satz "Ich soll mich vorher informieren."

Unglaublich wie viele Fehler man auch nach Jahren der Knipserei noch machen kann. An einem einzigen Tag. Muss an der Hitze gelegen haben, nächstes mal komme ich wieder im Juni. Da sind die Störche noch in den Nestern und das Klima etwas erträglicher. Eventuell gibt es dann in Monchique auch Wasser? Wenigstens ein bisschen?


Nach seiner enttäuschenden zweiten Platte hatte ich den Mann eigentlich abgeschrieben damals, war auch ein Fehler: Willie Nile - Beautiful Wreck Of The World / Places I Have Never Been 













Kommentare:

  1. einen einsamen storch hast du ja dennoch gefunden :-)

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    1. Naja nee, eigentlich nicht. Der war vom Frühstück in Silves. Abends haben wir sie gesehen, ganze Scharen im Anflug auf die Stadt, bestimmt an die 30 Störche. Wäre aber ein schlechtes Foto von höchstens dokumentarischem Wert geworden, deswegen hab ichs nicht gemacht.

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  2. Das Schattenspiel gefällt mir in s/w deutlich besser auch wenn es etwas zu dunkel ist, für ein HDR war wohl zu viel Bewegung in den Bäumen. Das Geäst sieht sehr unruhig aus. Sonst sehr schick alles :)
    Gruß, N.

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    1. Das täuscht extrem auf dem HDR, da hat sich nix bewegt in den Bäumen. Aber der Lichteinfall ist dort so extrem, dass jeder Baum mit seinen Ästen und Blättern einen Schatten auf den nächsten Baum wirft und sich das am Ende so summiert, dass alles zu verschwimmen scheint. So ziemlich jeder Ast und jedes Blatt liegt halb im Schatten und halb in der Sonne, ein einziges Gewirr.

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  3. Hey fängst Du jetzt so an wie der Pappenheimer? Alles in total dunkle sw zu wandeln? *fg* Schwattweiß passt hier schon ganz gut, aber etwas heller würde die Augen entspannen :)
    Ansonsten eine schöne Serie.
    Hast Du denn alles ins Notizbüchlein vermerkt? Sind ja diesesmal so viele Dinge liegengeblieben, da fällt schnell mal etwas runter...

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    1. Auf die Idee das in Schwatzweiß zu entwickeln bin ich erst gekommen als ich den Text geschrieben habe. Silver Effex Pro 2 mit lokalen Anpassungen um die Schatten zu verstärken, daher ist es relativ dunkel geworden, ich fand das HDR so unentspannt irgendwie *g*

      Ich überlege derweil schon ob es sich lohnt den zweijährigen Turnus in einen jährlichen umzuwandeln, zumindest kurzfristig. Andererseits muss ich unbedingt mal wieder nach Malle und wenns nur für ne Woche zum fotografieren ist und Montenegro steht auf dem Plan...

      so much to do, so little time

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    2. Najo, dann mach halt noch ein paar Überstunden dann hast etwas mehr Zeit im Ausgleich ;)

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  4. Oh, Mann,so viel Hättes und Womöglichs. Dafür hast Du aber ein paar sehr schöne Fotos mitgebracht

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