Freitag, 23. April 2010

Der Buddha am Pfandautomaten

















Ganz so ereignislos, wie es hier aussieht, war diese Woche nicht, aber ich habe davon abgesehen einfach den Eintrag vom letzten Donnerstag zu kopieren, was ich diese Woche mehrfach hätte machen können. Auf neue Fotos in dem Zusammenhang habe ich auch verzichtet, denn im Endeffekt unterscheiden sich die Lamellen defekter Pumpen nur um Nuancen.
Auch heute war mir ein halbwegs pünktlicher Feierabend nicht vergönnt, um Hunger und Durst stillen zu können war ich also gezwungen bei meinen Einkäufen auf Rewe oder Penny auszuweichen, die einzigen Läden in der Gegend, die bis 23 Uhr geöffnet haben. Bevor ich die drei lebensnotwendigen B (Brot, Bier, Butter) in meinen Einkaufswagen legen konnte, wollte ich noch ein paar Pfandflaschen am Automaten loswerden, was an einem Freitag um 22 Uhr vor gleich zwei Automaten eigentlich kein Problem sein dürfte.

Dummerweise wurde mir der Zugang versperrt. Vor den Automaten hatte sich ein glatzköpfiger Herr platziert, der mit stoischer, geradezu buddhistischer, Ruhe eine Flasche nach der anderen aus seinem vollen Wagen fischte, um sie abwechselnd in den linken sowie den rechten Automaten einzuführen. Eine.nach.der.anderen. Eine rechts, eine links, keine fallen lassen. So blickte ich dann einige Minuten auf das wilde Karomuster von Muttis letztem selbstgehäkelten Pullover, über dem sich ein paar Hosenträger spannten, die seine Cordhose so weit nach oben zogen, dass selbst die Hamburger Sturmflut von 1962 den Rand nicht erreicht hätte.
Multitasking ist ja prinzipiell eine feine Sache, wenn der Prozessor schnell genug ist. Hier war aber eindeutig kein effektiver Geschwindigkeitsvorteil zu erkennen, so dass ich mich gezwungen sah seine Tätigkeit kurz zu unterbrechen. Auf meine höfliche Frage, ob er mir den einen Automaten vielleicht für 2 Minuten überlassen könnte, erntete ich nichts außer buddhistischem Schweigen. Er dachte auch augenscheinlich nicht daran seine Tätigkeit zu unterbrechen, ob er wenigstens über das Angebot nachdachte, war seinem Gesichtsausdruck jedenfalls nicht zu entnehmen. Vielleicht verstand er mich ja auch nicht, obwohl er nicht aus Tibet zu stammen schien.

Ich hab das Spiel dann etwas abgekürzt, indem ich mit einem beherzten Knopfdruck den rechten Automaten quittierte. Ich überreichte dem, inzwischen einigermaßen verblüfft guckenden, Cordhosenbuddha seinen Bon mit den Worten "Links, ihr Automat. Rechts, mein Automat." und zeigte dabei erklärend auf die Pfandschlucker. Hat wunderbar funktioniert, es gab keinen Protest und keinen dummen Kommentar. Inzwischen frage ich mich, ob der Mann vielleicht taubstumm war, oder nur ein unglaublicher Stoiker.

Seine Flaschen ist er dann auch alle losgeworden, bevor ich mit Brot, Bier und Butter zurück war. Daher konnte ich nach dem Einkauf noch schnell die zwei, inzwischen völlig beschäftigungslosen, Pfandautomaten fotografieren.
 

Schreibmusik: Fever Ray - Fever Ray

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