Mittwoch, 30. November 2011
Arme Socke
Inzwischen ist es schon fast Routine geworden, leider nur für mich und den Tierarzt. Kaum betrete ich das Wartezimmer, ist der Dicke am knurren, fauchen und jammern, was außer mir immer noch alle zu beeindrucken scheint. Ein Griff in die Kiste, Kater rausholen, Spritze verpassen und ab in den OP, Verband wechseln, alle zwei Tage. In der Zwischenzeit geh ich rüber ins Einkaufszentrum, das Frühstück beim Heideschlachter ist deutlich besser als eine Stulle in der Firma.
Knappe zwei Stunden später kann ich ihn mit frischem Verband wieder abholen. Damit das Monster niemanden anfallen kann wenn es wieder aufwacht, hatten die Mädels neulich die grandiose Idee, ihn lieber gleich in der Transportkiste zu sich kommen zu lassen, was ich angesichts der doch etwas beengten Verhältnisse in dem Ding nicht ganz so gut fand. Wenn man Angst vor Tieren hat, dann sollte man sich keinen Job beim Tierarzt suchen.
Heute also wieder das übliche Schauspiel, die Arzthelferin verschwindet wohlgemut mit der Transportbox, um keine fünf Minuten später mit der ebenso leeren Box wieder aufzutauchen und mit großen erschrockenen Augen zu fragen: "Könnten Sie vielleicht...".
Ich bin jetzt in den letzten Wochen so oft dagewesen, langsam müssten die wissen, dass ihn außer mir keiner anfassen will wenn er Rabatz macht. Dabei bin ich eigentlich ziemlich sicher, dass er auch niemand anderen anfallen würde, das ist alles nur Show.
Ich frag mich, was die zu seinem Vorgänger gesagt hätten, vor dem hätten sie wirklich Angst haben müssen. Aber diese noch halbwegs betäubte arme Socke ist derart gehandicapt, den würde ich auch greifen wenn es nicht meine Schmusebacke wär.
Freitag soll der Verband ab, damit die Wunde an der Luft besser heilen kann. Hoffentlich tut sie das dann auch, ich kann den einfach nicht mehr leiden sehen.
Heilende Musik mit exzellenten Gitarren : Tab Benoit & Jimmy Thackery - Whiskey Store Live
Sonntag, 27. November 2011
Das Christstollenorakel
Vorspiel
Wenn der Wecker um 10 Uhr lärmt, kann ich mich noch zwei bis drei mal umdrehen, danach ist eine ganze Stunde Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Einfache Rechnung. Da ich mich nur einmal umgedreht habe, zieh ich erst einen Kaffee aus dem Automaten, steck mir ne Kippe an und fahr den Rechner hoch. Nur die Ruhe, keine Hektik am Sonntagmorgen. Noch n Kaffee.
Als ich mich aufmache für das Frühstück zu sorgen stell ich fest, Aufschnitt ist jede Menge da, es fehlt das Brot. Ganz vergessen, die Tüte mit dem Toast war ja leer. Die Packung Knäckebrot ebenfalls, zwei angebröselte Scheiben lohnen den Aufwand nicht, die mit Butter zu kitten.
Auf der Suche nach frühstückstauglichem Material fällt mir eine Packung Münchner Weisswürste in die Hand, nicht grad das Gelbe vom Ei. In der Speisekammer werd ich fündig, die noch eingeschweißte Blechdose mit Original Dresdner Christstollen sticht mir ins Auge. Wollte ich eigentlich verschenken, aber der kommt jetzt gerade recht. Nach drei Stücken bin ich pappsatt und mir ist schlecht, schnell noch nen Kaffee ziehen und eine Verdauungszigarette rauchen. Dabei ein kurzer Blick ins St.Pauli Forum, und plötzlich fällts mir wie Schuppen aus den Haaren. Original Christstollen! Aus Dresden! Wenn das kein Zeichen ist, was dann?
Ich muss unbedingt noch posten, dass wir 3:1 gewinnen werden. Für jedes Stück Christstollen schießen wir ein Tor, dass mir immer noch übel ist von dem Zeug kann allerhöchstens ein Gegentor verursachen, das geht vorbei. Außerdem hab ich gestern schon im Fabulous Tippspiel genau dieses Ergebnis eingetragen. Intuitiv.
Genau diese Minute hat mir dann gefehlt um den Bus noch zu erreichen. Super, dabei war der schon die zweite Wahl. Zwanzig Minuten warten, das beschränkt die soziale Interaktion vor dem Stadion auf knappe dreißig, wenigstes hab ich bei dem Scheißwetter einen Sitzplatz. Regenjacken wären auf dem Weg dahin aber auch ganz praktisch.
Von den verbleibenden dreißig Minuten gehen zwanzig an der U-Bahn drauf. Signalstörung, die U1 hat Verspätung.
Sieben Minuten dauert der Umstieg in die U3, als ich endlich am Stadion bin ist niemand mehr zu sehen, alles auf dem Platz und drinnen wird es laut.
Dann muss es erst einmal ohne Bier gehen, ich werd den Anstoß keinesfalls verpassen.
Spiel (1)
Gib mir ein G, gib mir ein R, gib mir ein O und so weiter - Grottenkick. Fängt stürmisch an, wie so oft, und nach 10 Minuten hat Dresden sich sortiert und von uns kommt nichts mehr, außer Fehlpässen. Fehlpässe und Ballverluste ohne Ende, immer wenn es mal nach vorne gehen soll. Irgendwann geht es dann auch nicht mehr nach vorne, Querpässe und Rückpässe sind sicherer, die landen wenigstens nicht beim Gegner.
Dresdens Reihen stehen gut, bei uns ist keine Bewegung drin, keiner hat Ideen, keiner traut sich mehr den finalen Pass zu. Angsthasenfußball, was ist nur mit den Jungs los, wenn die am Millerntor spielen. Alle Ködel in der Hose? Es schüttet teilweise wie aus Eimern, 99% Luftfeuchtigkeit, Hamburger Wetter. Sollte uns eigentlich liegen, aber Dresden kommt sogar zu Chancen, ich seh schon den Rückstand kurz vor der Halbzeit, wäre nicht das erste mal. Meinen Tipp verbuche ich insgeheim unter fortlaufendem Schwachsinn, das wird heute nix mehr. Gott sei Dank hat der Schiedsrichter ein Einsehen und pfeift zur Halbzeit, das Spiel muss man sich schöntrinken.
Halbzeitpause
Es dauert ewig, bis man von der Gegengeradentribüne runterkommt, schlimme Zustände sind das. Doch scheinbar wollen die meisten nur Getränke entsorgen, der Bierstand ist leer. Das gibt mir die Gelegenheit, mit einem frischen Getränk versehen, Block 1 für einen Klönschnack aufzusuchen. Die Jungs sind vom Spiel ähnlich angetan wie ich, von meiner Christstollentheorie erzähl ich daher lieber nichts, um mich nicht lächerlich zu machen. Da es an der Ecke zieht wie Hechtsuppe, hau ich nach ein paar Minuten wieder ab und gehe auf meinen trockenen Platz unter dem Dach, zu meinem stummen Nachbarn. Ich nehme an, dass er stumm ist, denn über 90 Minuten ist von ihm kein einziger Laut zu hören. Die anderen Nachbarn um mich herum quatschen wenigstens, wenn auch nicht immer über Fußball, aber von diesem Menschen geht keine erkennbare Gefühlsregung aus. Möglicherweise ist er Dresdner, von denen sind einige im Stadion klar zu erkennen, sie haben es auf der Haupttribüne sogar geschafft eine Blockfahne anzubringen, sicherlich haben unsere Ordner das nicht bemerkt. Kann ja mal passieren.
Mein Nachbar bestärkt mich jedenfalls darin, mich eher um eine Stehplatzdauerkarte zu bewerben, wenn es irgendwann wieder welche geben sollte. Lieber ertrage ich zwei Stunden Hamburger Wetter, als eine ganze Saison neben offensichtlich emotional gelähmten Menschen sitzen zu müssen. Das hier ist Fußball, meine Güte.
Spiel (2)
Naki kommt für Sliskovic, eine dringend notwendige Maßnahme, eigentlich hab ich gleichzeitig auch noch Bruns gefordert. Ein Wechsel ist nach dieser Leistung zu wenig, hoffentlich hat Schubert mal Klartext gesprochen in der Pause. Unser Spiel wird auch leidlich besser, aber ich hab keine Hoffnung, dass etwas Zählbares dabei rauskommt. Viel zu fahrig immer noch die Aktionen. Dresden verteidigt geschickt und es kommt wie es kommen muss, wir fangen uns einen Konter ein. 0:1. Was für eine Scheiße, das holen wir mit der Truppe ja nie auf.
Kurz darauf wird Ebbe eingewechselt, damit hab ich überhaupt nicht gerechnet. Das kommt davon, wenn man die Mannschaftsaufstellung verpasst. Ein gewaltiger Lichtblick in meinen Augen, in mein inbrünstig vorgetragenes "jetzt gehts los" mag aber niemand einfallen. Mist. Dabei liege ich damit tatsächlich richtig, denn drei Minuten später bollert es in den Maschen. Wer sonst, wenn nicht Boller, könnte das Zeichen zum Aufbruch geben. Ausgleich, und endlich ist auch mal Lärm auf der Tribüne. Kaum ist der etwas verebbt, hackentrickst Ebbe dem kleinen Deniz den Ball auf die Schlappen und es steht 2:1.
Jetzt tobt der Saal. Wir sind sooo Sankt Pauli. Auf einmal klappen auch wieder Spielzüge, nur mein stummer Nachbar zeigt weiterhin keine Regung. Wichtiger ist die Bewegung auf dem Platz, die stimmt jetzt endlich, nur nicht nachlassen. Es fehlt noch der dritte Treffer, sonst wird es mit der Überschrift hier nix.
Dresden will sich mit einer Niederlage nicht abfinden und kommt immer mal wieder gefährlich vors Tor, aber dann belohnt Ebbe sich, und mich, und 24.000 andere, mit dem 3:1, in unnachahmlicher eiskalter Torjägermanier. Marius Ebbers Fußballgott.
Sehr beruhigend, jetzt kann eigentlich nicht mehr viel passieren und ich kann überlegen, wie viele Frankfurter Würstchen ich vor dem nächsten Heimspiel frühstücke. Ob vier reichen? Dummerweise ist das ein Montagsspiel, somit für ein denkbares Würstchenorakel eine ganz schlechte Anstoßzeit. Handkäs mit Musik krieg ich in solchen Mengen nicht runter.
Nachspiel
Es regnet nicht mehr, dadurch finde ich sowohl den Dartmeister & Twilli, als auch die Urknallgang vor dem Bierstand wieder. Ein Bier später hab ich ne lose Verabredung zum Skinny Bitch Konzert in der Schanze nächsten Samstag, den Herrn H. soll ich gleich mitschleppen. Ich hab zwar irgendwie im Hinterkopf, dass an dem Tag ein paar mehr Termine auf dem Zettel stehen, nur find ich den gerade nicht. Schlimm, wenn man für die Freizeit schon einen Terminkalender braucht.
Nächsten Samstag ist jedenfalls kein Heimspiel, Konzert und Heimspiel an einem Tag schaff ich konditionell nicht mehr, wenn mich keiner mitzieht. Sonst würde ich mich noch ein paar Stunden herumtreiben und mir dann im Knust Rodrigo y Gabriela ansehen, so verpasse ich erneut ein wahrscheinlich grandioses Konzert und fahr nach Hause.
In der U-Bahn steigt eine offensichtlich verwirrte ältere Dame zu, die Richtung ist jedenfalls falsch, was sie völlig überfordert. Mit seltsam hoher Stimme quiekt sie jeden an, "Steigen sie jetzt aus? Können sie mir helfen?", nur mich fragt sie nicht. Leider will auch sonst niemand aussteigen, wodurch ihre Fragerunde langsam hektischer wird. Ich beschließe, diesem unwürdigen Spiel ein Ende zu bereiten, und notfalls auf die nächste Bahn zu warten, da erbarmt sich jemand anders, der Kelch geht an mir vorüber.
Dafür habe ich hier wieder einen gefüllt und trink noch einen auf den Heimsieg. Zusammen mit Richard & Linda Thompson - Shoot Out The Lights
Forza Sankt Pauli.
Samstag, 26. November 2011
Weihnachtskugeln mit Loch
Das letztjährige Weihnachtsbowling mit den Kollegen war so erfolgreich, dass meine liebe Kollegin G. für dieses Jahr gleich eine Neuauflage einplante. Um ein wenig Abwechslung in die Sache zu bringen wurde die Örtlichkeit gewechselt, wir mussten in die Trabantenstadt, denn Bowlingbahnen sind inzwischen ziemlich rar geworden in der Hansestadt Hamburg. Ich gehörte dabei zu den wenigen Glücklichen, die den Fahrservice der Firma in Anspruch nehmen konnten und den Abend mit Fassbier verbringen durften. Was ich in letzter Zeit nur noch bei Heimspielen genieße, soweit man bei Astra aus Plastikbechern von Genuss reden kann.
Ein gepflegt gezapftes Moravia Pils schmeckt schon mindestens eine Klasse besser, trägt aber leider nicht zur Verbesserung des Zielvermögens bei, wie ich feststellen musste. Die Sache mit dem Drall hab ich zwar nie hinbekommen, aber wenn ich früher etwas beherrschte, war es der schnurgerade Wurf mit ordentlich Schmackes, und wuchtigem Einschlag genau zwischen den vorderen beiden Pins. Das verspricht zwar nicht immer alle 10, aber doch eine für blutige Amateure überdurchschnittliche Quote an Spares und Strikes.
Mit dieser Technik habe ich vor Jahren sogar gegen eine im Verein spielende Kollegin gewinnen können, doch irgendwie ist mir das Gefühl über die Jahre abhanden gekommen. Der unerklärliche Linksdrall ließ sich den ganzen Abend nicht abstellen, zu meiner Schande kamen im zweiten Spiel sogar noch ein paar Fahrkarten dazu, oder wie immer man den kompletten Misserfolg beim Bowling nennt.
In dieser Runde war ich allerdings auch extrem abgelenkt. Da ich ein paar Tage vorher in irgendeiner Zeitung das Foto einer einschlagenden Bowlingkugel mitsamt fliegender Pins sah, fasste ich spontan den Entschluss, meine Kamera mitzuschleppen. So ein Foto will ich auch machen. Kann ja so wild nicht sein, das Ding macht immerhin 7 Bilder in der Sekunde, da wird schon was brauchbares drunter sein, wenn man ein paar Serien schießt.
Leider gab es da ein paar Faktoren, mit denen ich keineswegs gerechnet hatte. Relativ bescheidene Lichtverhältnisse waren zwar zu erwarten, aber nicht unbedingt die Beleuchtung einer schummerigen Diskothek. Diskobowling, wtf. Statt hell erleuchteter Bahnen wechselnd buntes Flackerlicht im Halbdunkel, echt super. Dazu erwiesen sich die Kollegen ebenfalls als wenig treffsicher, war die Beleuchtung kurzfristig passabel, dann landete die Kugel garantiert daneben, oder hat gerade mal ein bis zwei Pins zu Fall gebracht. Ich muss endlich mal lernen, dass Pressefotografen für ihre Aufnahmen ganz andere Möglichkeiten haben.
Das brachte mich dann auf die Idee, mein Betätigungsfeld zu verlagern, und die stetig wechselnden Gesichtsausdrücke der Kollegen in Großaufnahme einzufangen. Ebenfalls mit wechselndem Erfolg, da das Fokussieren auf sich schnell bewegende Objekte bei diesem Licht weder automatisch noch manuell richtig funktionieren wollte. Am Ende hab ich dann doch mit Blitz fotografiert, obwohl ich Blitzlichtaufnahmen hasse.
Und dabei festgestellt, dass der Pappenheimer mit dem Kauf seines Blitzgerätes eine weise Entscheidung traf, die in den Spiegelreflexkameras eingebauten Dinger sind selbst für Notfälle kaum zu gebrauchen.
Da geht man einmal im Jahr zum Bowling, und schon steht wieder eine Neuanschaffung an.
Keine Neuanschaffung, alte Hacke, aber immer noch unglaublich gut: BoDeans - Joe Dirt Car
Mittwoch, 23. November 2011
Susi packt ihre Brüste ein
Die gestrige Jahreshauptversammlung des FC St.Pauli wäre eigentlich ein Pflichttermin gewesen, und wenn meine geschätzten Kollegen ihren Jahresurlaub nicht immer ans Ende des Jahres legen würden, dann hätten mich auch keine zehn Pferde davon abgebracht, dort meine Stimme einzubringen. So blieb mir leider nur Twitter während der Spätschicht, zur zeitnahen Information über die eingereichten Anträge, die im Vorwege schon einiges an Spannung versprachen.
Und die mich zum Teil etwas beunruhigten, denn ich halte überhaupt nichts davon den weiteren Stadionausbau zu verschieben. Auch die Diskussion über den Rückbau der ungeliebten Business Seats ist meiner Meinung nach verfrüht, auch wenn ich die unmittelbar Betroffenen durchaus verstehen kann.
Gestern wurde glücklicherweise nicht so heiß gegessen wie gekocht, beide Anträge wurden zurückgezogen, die Diskussionen hätte ich trotzdem gerne live verfolgt.
Ebenso wie die Diskussion über das von Susi Ritsch angemietete Separee im Stadion, das seit der Eröffnung mit Striptease und Stangentanz für gewaltigen Ärger in der Fanszene sorgte. Letztes Jahr wurde die Forderung einer fristlosen Kündigung noch mit dem Hinweis auf langfristige Mietverträge abgeschmettert, es gab eine Abmahnung für Ritsch, und fortan wurde nur noch in der Halbzeit und mit Bikini an der Stange geturnt. Was sich nach dem Spiel hinter verschlossenen Türen abspielte war Privatsache, die Diskussionen hat das allerdings nicht beenden können.
Folgerichtig gab es auch dieses Jahr wieder einen Antrag, etwas geschickter formuliert, und dem Präsidium muss klar gewesen sein, das Ding kommt dieses mal durch. Ab sofort also Stadionverbot für Stangentanz mit leicht bis überhaupt nicht bekleideten Damen und ähnliche Veranstaltungen, der Mietvertrag von Susis Show Bar wird nicht verlängert. Das findet selbstverständlich meine vollste Zustimmung, auch wenn ich kein Problem habe mit Stangentanz, im Stadion will ich so etwas nicht sehen. Nicht einmal, wenn ich es nicht sehe.
Ob Susi den Vertrag unter diesen Umständen überhaupt noch einmal verlängert hätte, ist ohnehin fraglich. Mir aber egal, arbeitslos werden ihre Mädels schon nicht werden, dafür hat sie ja ihren Schuppen auf dem Kiez.
Den ich vor ein paar Jahren schon auf einem Kiezrundgang abgelichtet habe, andernfalls hätte es diesen Blogeintrag wohl nicht einmal gegeben.
Beruhigend zu wissen, dass Abstimmungen beim magischen FC ganz nach Wunsch verlaufen können, auch wenn man mal verhindert ist. Nach den Erfahrungen aus dem letzten Jahr war ich skeptisch.
Beruhigend gute Musik gerade: Rod Picott - Welding Burns / The Subdudes - Behind The Levee
Dienstag, 22. November 2011
Kalter toter Fisch
Richtig gutes Sushi bekommt man ganz sicher nicht im Supermarkt, wahrscheinlich muss man für richtig gutes Sushi auch ein richtig gutes Sushirestaurant aufsuchen. Der Henssler soll ja ganz großartig sein, ganz bestimmt nicht vergleichbar mit dem neuen Lieferservice hier. Aber selbst wenn der doppelt so gut sein sollte, würde sich das wohl nicht lohnen, ich bleibe bei meiner Überzeugung, das Zeug wird gnadenlos überschätzt. Modefutter von verstrahlten Japanern, kalter toter Fisch mit kaltem Reis, daran ändern auch die bunten Beigaben nichts. Das Beste an dem ganzen Krempel ist immer noch der Gari, der Ingwer ist als erstes weg.
Ich oute mich hier vielleicht auch als Banause, weil ich keine Ahnung habe, was man mit dem ganzen Zeug machen soll. Zum Beispiel mit der ätzend salzigen Sojasauce, tunkt man den kalten Reis da ein, damit er wenigstens nach ätzend salziger Sojasauce schmeckt? Eine Verbesserung wäre das nicht. Eine Verbesserung könnte eventuell das mitgelieferte Hausdressing sein, je nach Fertigungskunst des Dresseurs.
Oder der scharfe Wasabi, den ich zwar sehr lecker finde, der aber zuverlässig den ohnehin kaum vorhandenen Geschmack der Reis-, Krebs-, Fisch-, Gemüse-Zusammenstellungen brutal niederknüppelt, wenn man ihn nicht in mikroskopisch feiner Dosierung verwendet.
Eigentlich wollte ich während meiner Sendung am Sonntag nur stilecht speisen, wenn man schon Musik aus Japan spielt, dann könnte man dazu ja gleich mal den neuen Lieferservice testen. Auch wenn mich der Vorgänger nicht vom Hocker gerissen hat, die Karte versprach wenigstens Abwechslung. Dazu hat Sushi wenigstens den Vorteil einer relativen Zeitunabhängigkeit. Wenn das Essen eh schon kalt ist..
Und da ich ausnahmslos bei jeder Sendung irgendwann Kohldampf schiebe hab ich mir gedacht, während der knapp neun Minuten Trommelei von Joji Hirota & The Taiko Drummers könnte man ein paar Häppchen zu sich nehmen, ohne das es groß auffällt. Noch die drei Minuten Soulflower Mononoke Summit davor, macht locker zwölf Minuten, die man dem leiblichen Wohl widmen kann, ohne zum Mikrofon greifen zu müssen.
Hat auch ganz gut geklappt, die kleinen Nudelrollen mit Chicken und Hot Tuna habens rausgerissen, die waren ganz lecker. Mit Sushi hat das zwar garantiert nicht mehr viel zu tun, aber kalter toter Fisch ist eh nicht so meins, ich bevorzuge dann doch die Finkenwerder Kutterscholle, Rührei mit Büsumer Krabben oder Seelachs auf der Veddel. Schmeckt alles ohne Dressing, Sojasauce und Wasabi.
Handgemachte Musik, statt handgemachter Reisrollen: Los Lobos - Ride This (The Covers EP)
Sonntag, 20. November 2011
Apfelschorlenskat
Den ganzen Tag in der Kneipe abhängen, zusammen mit den gleichen Nasen, mit denen man schon vor 40 Jahren diesem Hobby frönte, das verspricht eigentlich eine Menge Spaß. Zum Frühstück ein mächtiges Bauernfrühstück mit Katenschinken und Speck, dazu ein zwar lausiges, aber immerhin erfolgreiches Auswärtsspiel bei Hansa Rostock, das hätte trotz des ebenfalls lausigen Sky Kommentators mit ein paar Bierchen noch viel angenehmer sein können. Apfelschorle und Bauernfrühstück passen nicht so recht zusammen.
Dummerweise musste ich diese heimelige Stätte zwischen Fußballübertragung und Skatabend kurzzeitig verlassen, um Muddern zum Flughafen zu karren. Durch die späte Abflugzeit war ich dann wiederum gezwungen, den Rückweg ebenfalls mit dem Auto zu bestreiten, was keine Verbesserung meiner weiteren Getränkewahl zur Folge hatte.
Und wenn Bauernfrühstück und Apfelschorle schon nicht zusammenpassen, dann gilt das für Skatabend und Apfelschorle in noch weit höherem Maße. Nächstes mal nehme ich mir ein Taxi, wenn der Zeitplan für den Bus nicht mehr reicht. Revanche ist nötig.
Schlecht spielen und trotzdem gewinnen funktioniert blöderweise nur beim Fußball.
Erholung für die von der Geburtstagsparty im Nebenraum malträtierten Ohren:
Ali Farka Touré & Ry Cooder - Talking Timbuktu
Samstag, 19. November 2011
Alles für die Katz
Die Pfote des Katers ist immer noch entzündet, seit Tagen humpelt er auf drei Beinen durch die Bude, wenn er sich überhaupt bewegt, wozu er verständlicherweise wenig Lust verspürt. Um einer weiteren Operation zu entgehen, bekam ich vorerst ein schmerzstillendes Mittel in flüssiger Form, sowie eine 10 Tage Ration Antibiotika mit. Ausgerechnet Pillen, das konnte ja nicht gut gehen.
Zur Unterstützung der Therapie war ich dann erst einmal einkaufen. Milchdrops, Käserollis, Knuspertäschlis, Katzenjoghurt, Katzenpudding, den ganzen Schweinkram, den man im Regal einer Tierfutterhandlung finden kann, Bestechungsversuche aller Art landeten im Warenkorb. Da er so etwas sonst nie bekommt, muss irgend etwas davon helfen können. Gier macht unvorsichtig.
Vor zehn Jahren konnte ich ihn damit noch austricksen, heute funktioniert nichts mehr. Meine Pille fress ich nicht, und wenn sie pulverisiert im Katzenpudding versteckt ist, dann wird der nicht angerührt. Wenigstens für das Schmerzmittel taugt der, dann wird das wird fleißig weggeschlabbert, aber Pillen? No way.
Von der Ration Antibiotika sind so schon mal vier Tabletten bei untauglichen Versuchen draufgegangen, da warens nur noch sechs.
Die altbewährte Art mit Maul auf, Pille rein, Maul zuhalten wollte ich nach 30 Minuten Kampf weder mir, noch dem kranken Tier länger zumuten. Er war auch dann noch zu schnell für mich. Bevor ich ihm die Klappe zuhalten konnte war das Ding wieder draußen, wenn ich es tatsächlich mal geschafft habe, die Pille überhaupt da zu platzieren. Schon unglaublich, wie der auf die Zähne beißen kann, wenn er das Maul nicht aufmachen will.
Die Überlegenheit des menschlichen Geistes hat dann letztlich doch den Unterschied gemacht. Die letzten sechs Tage musste er dann damit leben, dass ich ihm morgens mit Antibiotikum versetzte Malzpaste dick auf die Vorderbeine geschmiert hab. Den tief beleidigten Blick werd ich nie vergessen, aber wat mutt, dat mutt.
Abends war er wieder schön sauber, und alles war verziehen und vergessen.
Wirklich gebessert hat sich leider nichts, und wenn ich sowieso Nachschub an Pillen holen muss, dann kann ich ihn auch gleich mitnehmen, hab ich mir heute gedacht.
Jetzt hat er die volle Dröhnung per Kanüle bekommen für die nächsten Tage, und dazu eine neue Packung Schmerzmittel. Hoffen wir mal, dass es wirkt. Für einen Nachschub an Katzenpudding hab ich gesorgt, der ganze andere Mist den ich gekauft hab war wohl für die Katz.
Nicht für die Katz: Bob Dylan - Time Out Of Mind
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