Montag, 31. Mai 2010
Wie ich einmal Olivia Jones mitsamt Perücke verspeiste
Ein Besuch im Freudenhaus in der Hein-Hoyer-Straße auf St.Pauli stand schon so lange auf meinem Wunschzettel, dass ich die Speisekarte inzwischen auswendig kenne. Das Freudenhaus ist nämlich keinesfalls ein Puff, wie man vielleicht aufgrund des Namens und der Örtlichkeit vermuten könnte, sondern ein ehemaliges chinesisches Restaurant, das vor 13 Jahren Namen und Speisekarte radikal änderte.
Seit 1997 gibt es dort gehobene deutsche Küche mit kleinen Raffinessen und lustigen Namen, die mich schon lange neugierig machten. Spontane Besuchsversuche mit der Holden waren allerdings bisher nicht von Erfolg gekrönt, an Wochenenden geht da ohne rechtzeitige Reservierung nichts.
Mitten in der Woche reicht aber, mit etwas Glück, schon ein Anruf wenige Stunden vorher. Ich hatte mich ehrlich gesagt schon ziemlich auf die gebratene Kalbsleber "Kalle" auf Johannisbeersauce mit gebratenen Zwiebeln und getrüffeltem Kartoffelpüree eingeschossen, aber Gästen lass ich immer den Vortritt und genau diese Wahl traf dann auch der Herr xs4all. Um mehr Abwechslung auf den Tisch zu bringen, und natürlich in der Hoffnung wenigstens mal an Kalles Leber knabbern zu können, entschied ich mich dann für den Freudenhausteller "Olivia Jones" mit gebratenen Schweinefiletmedaillons auf Bratkartoffeln, Zwiebel-Waldpilz Gemüse und einer Perücke von Sauce Bernaise. Eine eher konservative Wahl, schließlich findet man ähnliche Gerichte in jedem zweiten norddeutschen Restaurant, es ist aber erstaunlich was man aus so einer Vorlage zaubern kann. Im Freudenhaus war das jedenfalls Extraklasse, auch die Perücke, die ja für viele Restaurants schwer zu bewältigen ist.
Ich war also durchaus zufrieden. Das Stück gebratene Kalbsleber auf Johannisbeersauce aber, das ich dankenswerterweise zusammen mit etwas getrüffeltem Püree probieren durfte, das war unglaublich. Da ich genau weiß, dass meine Holde keine Leber mag, steht der Plan also schon fest, bei nächster Gelegenheit werd ich mich an Kalles Leber laben wie Hannibal Lecter.
Übrigens ist das wohl weltweit auch das einzige Freudenhaus, in dem man gefahrlos sein Schlüsselbund verlieren kann.
Schreibmusik: Bob Dylan - Finjan Club, Montreal, July 2, 1962
Sonntag, 30. Mai 2010
Maifeiern Teil 6: Das Geburtstagskonzert
Letzter Akt der Maifeierlichkeiten, das Geburtstagskonzert im Millerntorstadion. Ein würdiger, großartiger Abschluss u.a. mit den alten Punkhelden von Slime, die das Stadion das erste mal richtig zum toben brachten, bevor am Ende Fettes Brot feat. MC Felgenralle Gunesch und die von mir sehr geschätzten Panteón Rococó aus Mexiko der feiernden Menge den Rest gaben. Dazu pausenlose Fangesänge, Irish Folk aus Glasgow, ein Shantychor und diverse andere Bands, die wir leider nicht alle sehen konnten, weil sich die Beschaffung von Bier anfänglich als echtes Problem herausstellte. Wartezeiten von 45 Minuten und mehr für ein Bier sind einfach nicht feierlich, da hat die Organisation komplett versagt. Da wir keine Lust hatten uns mit einem Astra wieder am Ende der Schlange einzureihen, orderte ich gleich einen Sechserträger, mit dem wir uns die Zeit auf den alten Logenplätzen der Gegengerade vertrieben.
Auch nach dem Auftritt von Slime noch war keine Besserung an den Bierständen eingetreten, das Sixpack war leer und der Herr xs4all hatte die Idee das nächste Bier im Jolly Roger zu trinken, weshalb wir den Auftritt von Bela B. zwar komplett verpassten, dafür aber einen Haufen netter Hanfbauern aus Baden und der angrenzenden Schweiz kennenlernten, die ebenfalls vor dem Biernotstand ins Jolly geflüchtet waren um ein paar Knollen zu leeren.
Dank des netten Mädels, das uns am Ausgang der Gegengerade einen Kringel auf die Hand malte, konnten wir danach auch wieder in Stadion, um uns den Rest zu geben. Nur musikalisch natürlich, auch wenn sich die Lage an der Bierfront langsam entspannte. Der Tipp eines alten Freundes, es mit den Bierständen der Südtribüne zu versuchen, erwies sich als goldrichtig, lange vor der Info an der Anzeigetafel.
Mit Feuerwerk und You'll never walk alone ging ein denkwürdiger Tag zu Ende, und ich bin langsam froh, dass auch der Mai dem Ende entgegengeht. Ich brauche dringend den Resturlaub für eine längere Erholungsphase, morgen ist erst einmal Entzug angesagt. Nie wieder Alkohol.
Schreibmusik: Panteón Rococó - Compañeros Musicales
Freitag, 28. Mai 2010
Einkaufstour durch relativ flaches Land
Es gibt Dinge, die sind einfach notwendig, mögen sie ökologisch und ökonomisch noch so blödsinnig sein. Auf einige Dinge kann ich aber nicht verzichten, zum Beispiel auf die 0.5 Liter Asgaard Biergläser aus der Brauerei Schleswig. Wahrscheinlich gibt es in irgend einem Hamburger Haushaltswarenladen ähnliche Gläser zu kaufen, aber ich will nicht suchen, ich will auch nicht irgendwelche ähnlichen, ich will das Original, das kenne ich, das brauche ich. Da passen nicht nur 0.5 Liter Bier plus ordentlicher Blume rein, die sind auch ideal für Longdrinks, 0.5 Liter plus 3 große Eiswürfel, das hat den Namen Long Drink dann auch verdient. Leider haben, von meinen vor Jahren gekauften vier Gläsern, zwei inzwischen das Zeitliche gesegnet. Damals war ich beruflich dreimal wöchentlich da oben, konnte so auch ab und zu meine beiden 2 Liter Krüge mit leckerem Schleswiger auffüllen lassen, aber in den letzten Jahren bin ich da einfach nicht mehr hingekommen.
300 Kilometer fahren um 2 Biergläser zu ersetzen ist einigermaßen schwachsinnig, anders sieht es aus wenn man Besuch hat, der inzwischen schon fast jede Ecke in Hamburg kennt, nur die weitere Umgebung nicht, die ja auch durchaus sehenswert ist. So hatte ich endlich die passende Ausrede gefunden, mit der man die Vernunft ausblenden kann. Außerdem brauchten wir für die am Abend erwarteten weiteren Gäste ohnehin noch Nachschub an Gerstensaft. Schon zwei Gründe also.
Hat mal wieder Spaß gemacht da rumzukurven, zumal die Gegend um Schleswig und Eckernförde landschaftlich schön ist, wenn auch ungewohnt für Bergbewohner, relativ flach eben, auch wenns ab und zu ein paar Hügel hat. Dazu gab es ein ausgezeichnetes 16 Uhr Frühstück, der Tagesablauf hat sich hier langsam auf feste Zeiten eingependelt. Das Schollenfilet Odin mit Nordseekrabben und Salzkartoffeln kann ich jedenfalls empfehlen, nicht nur zum Frühstück.
Btw: Danke, Anke ;)
Schreibmusik: Townes Van Zandt - Rain On A Conga Drum - Live In Berlin
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Mittwoch, 26. Mai 2010
Äthiopien mit 5.5 %
Es ist gar nicht so einfach noch norddeutsche Biersorten zu bekommen, musste ich zu meinem Leidwesen heute feststellen. Wenn man auswärtigen Besuch hat, möchte man ja auch mal etwas anderes kredenzen, obwohl der sicher auch eine Woche lang gerne Gröninger trinken würde, wie ich ihn kenne.
Ich habe allerdings vor einiger Zeit einem Kronkorkensammler versprochen, mich hier oben einmal umzugucken, da bot sich die Gelegenheit an das zu verbinden.
Ich hab mir dann das Bierland in der Seumestraße zum stöbern ausgesucht, was allerdings durch mangelnde Parkmöglichkeiten zunichte gemacht wurde. Wieder viel CO2 verschwendet und hinterher doch zum Haus der 131 Biere gefahren, die nicht nur Parkplätze vor dem Haus, sondern auch deutlich mehr als nur 131 Biersorten haben. Leider aber keine Ecke für norddeutsche Spezialitäten. Immerhin gibt es tatsächlich noch Moravia Pils, auch wenn es höchstwahrscheinlich schon ewig nicht mehr in Lüneburg gebraut wird, trinken kann man das immer noch.
Das kann man von Bier aus Äthiopien oder der Dominikanischen Republik nicht unbedingt erwarten, die mitgenommenen Bierproben haben trotzdem für einen heiteren Abend gesorgt. Es gibt selbst hierzulande definitiv schlimmere Sorten als Hakim Stout aus Harar. Trotzdem stehe ich für weitere Tests vorerst nicht zur Verfügung.
Schreibmusik: Delta Moon - Hell Bound Train
Dienstag, 25. Mai 2010
Three Small Burgers
So stand es auf der Karte, mit French Fries, Ketchup, Mayo. Dazu passt gut eine Portion Cole Slaw. Als erstes Frühstück des Tages um 16 Uhr, wenn der Magen schon lauter knurrt als der Diesel, kann das nicht ganz verkehrt sein.
Kamen Centrum ist seit Jahren auf der Nord-West Route unsere bevorzugte Ausfahrt, ideal für eine schnelle Nahrungsaufnahme. Ein McDonalds und genau gegenüber ein Burger King, freie Auswahl also, wenn man nicht gerade eine Currywurst bevorzugt. Diese seltsamen Gusto Autobahngaststätten kommen jedenfalls nach zwei Versuchen nicht mehr in Frage.
Wenn man zu dritt gemütlich rumzuckelt kann man sich da auch mal gemütlich hinsetzen, nebenan. Denn neben Burger King, direkt gegenüber von McDonalds, gibt es auch noch Connie's Diner. Tatsächlich gibt es da auch mehr als nur Burger, die Bezeichnung "Restaurant" ist also durchaus angebracht, die Preise entsprechend hoch, und ein Schnellrestaurant ist es auch nicht gerade. Aber testen wollte ich den Laden immer schon mal, wenn sich so etwas seit Jahren neben der Kettenkonkurrenz halten kann, dann muss da was dran sein.
Die Speisekarte offenbarte dann auch Steaks, Wraps, Tortillas, Chili, Spare Ribs und ähnliches, also alles was sich der durchschnittliche Mitteleuropäer so unter U.S. Küche vorstellt.
So ein Giant Burger mit 340 Gramm Rindfleisch wäre mal ein interessantes Anschauungsobjekt gewesen, aber ich habe mal einen 250er in Norwegen gegessen, seither weiß ich, mehr geht bei mir nicht.
Der Herr xs4all als Burgerverweigerer musste natürlich aus der Reihe fallen und kaute zur Strafe eher lustlos an einer Quesadilla Jamon herum, von der sich 3/4 jetzt noch eingepackt in meiner Küche befinden, aber garantiert im Laufe der Nacht seinem nagenden Hunger anheim fallen werden.
Die drei schmalen Burger, ich hätte rechnen sollen, waren natürlich auch überdimensioniert. 3 mal 100 Gramm sind 50 zu viel, also hab ich die Pommes mehr oder weniger liegen gelassen, den Cole Slaw probiert und zweikommafünf Small Burgers gegessen. Päng.
So ein echter Westfale hingegen schafft auch alle drei. Als zweites Frühstück. Und xs4all hat Cola getrunken, ich bin sogar im Besitz eines Beweisphotos.
Schreibmusik: Tom Waits - Nighthawks At The Diner
Montag, 24. Mai 2010
Maifeiern Teil 5: 20 Jahre Immecke Open Air
Das iRock (eat this, Steve Jobs) ist wahrscheinlich eines der kleinsten Festivals der Republik und dürfte außerhalb des Sauerlands kaum größere Bekanntschaft erlangt haben. Wie wir aber alle wissen, hat schiere Größe nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun. Angesichts des Line-ups war ich, zugegeben, recht skeptisch, ich kannte vom Headliner Waikiki Beach Bombers gerade mal ein Stück, von einem früheren iRock Sampler, der Rest war mir vollkommen unbekannt.
Zum Jubiläum hatte man sich haufenweise Gäste aus Schottland eingeladen, auch immer eine sehr gute Idee, gerade St.Pauli Fans können da ein paar Lieder von singen. Die Skapunker More From Jim aus Annan haben die Menge im und vorm Sägewerk dann auch ordentlich hüpfen lassen, die Local Heroes der Immecke Allstars, verstärkt durch B.Loud und Purp Druple, setzten das nahtlos fort, die Allstarversion von Purples 'Lazy' war fetziger als das Original. Die Beach Bombers hatten dann zu fortgeschrittener Stunde schon etwas Mühe, die alkoholisierte Menge zu bewegen. Klappte aber noch.
Bei der familiären Atmosphäre, der Preisgestaltung (2 Euro für ein Bier, 1.50 für ne Wurst) und der guten Musik lohnt ein Besuch dieses Festivals auf jeden Fall. Ich komme garantiert wieder.
Sonntag, 23. Mai 2010
Maifeiern Teil 4: Chefparty
Sauerländer Werkzeugmacher sind geeicht bis 2400 Grad, kurzfristig. Deswegen können sie auch glühende Holzscheite händisch wieder in den Feuerkorb werfen, wenn mal etwas herunterfällt. Sauerländer Partys beginnen schon um 15 Uhr, damit man früher zusammenbrechen kann. Das gewährleistet eine längere Erholungsphase bis zur nächsten Feier, in diesem Fall das
Die Fässer Vormann Alt waren aber auch wirklich süffig, es gibt tatsächlich trinkbares Altbier. Man lernt hier nie aus.
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