Donnerstag, 19. Juni 2014

Poolvögel
















Es wird ja immer noch gerne davor gewarnt im Süden das Leitungswasser zu trinken, als wenn der Chlorgeruch nicht abschreckend genug wäre, kaum dass man den Hahn aufmacht. Die flatternde Fauna in der Türkei ist davon gänzlich unbeeindruckt und benutzt die Hotelpools ganztägig als Vogeltränke. Ob das auf Dauer so gesund ist sei mal dahingestellt, aber der Durst wird vorerst gelöscht.

Vogelschreck: Hazy Malaze - Hazy Malaze / Blackout Love

Dienstag, 17. Juni 2014

Massig Qualität, garantiert
















Lange Jacken finde ich ätzend, allenfalls im Winter geht so etwas, kurz bevor man im Stadion erfriert. Bei Lederjacken ist es noch viel schlimmer, eigentlich mag ich nur Motorradlederjacken, oder welche die vom Schnitt her zumindest ähnlich sind. Die trage ich dann bis sie in Fetzen vom Körper hängen, was bei der letzten nur ein paar Jahre gedauert hat. Kein gutes Leder, aber sonst ganz okay, für den Preis und von der Stange kann man halt nicht viel erwarten.

Jetzt hat sie auch noch Löcher und von der Stange gibt es gerade nichts für mich. Nur hässliches Zeugs, Ledersackos und Designerschrott für Minderjährige, und wenn mal eine vom Schnitt passt ist sie braun. Kackbraun. Leder muss schwarz bei mir, braun ist allenfalls die Patina.

Besonders viel Hoffnung habe ich nicht, dass sich das in der Türkei anders darstellen könnte, aber wir sind noch keine zehn Minuten auf dem Markt in Manavgat, da erspähe ich meine Jacke. Aufgehängt vor dem Jasmin Lederschneider, der mir im letzten Jahr schon aufgefallen ist. Zumindest muss ich da rein und fragen.

Ich komme schnell mit dem Besitzer ins Gespräch, wir bekommen Tee oder wahlweise Mineralwasser serviert und es wird fleißig Maß genommen, während wir seinen Geschichten aus Deutschland lauschen. Das klingt alles so freundlich, so positiv, dass ich mich manchmal frage, ob er nicht auch über negative Erfahrungen berichten könnte, über Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Die Atmosphäre ist aber einfach zu angenehm, als dass ich sie mit solchen Fragen stören möchte.

Nach der ganzen Vermesserei kommt dann die Preisfrage und leider leider, wer hätte es gedacht, kostet das Teil einen Fuffi mehr als von der Stange, weils halt doch mehr Stoff bzw. Leder braucht für mich. Der genannte Preis begeistert mich angesichts der Lederqualität dermaßen, dass ich das Geschäft spontan per Handschlag besiegele und einen Hunderter Anzahlung leiste. Samstag wäre das Ding fertig, Übergabe und Anprobe 22 Uhr vor dem Hoteleingang, denn das Hotel dürfen sie nicht betreten.

Dass zwischen Übergabetermin und voraussichtlicher Abreisezeit gerade einmal vier Stunden liegen, und das an einem Samstag Abend, geht mir erst Tage später auf. Wenn da irgend etwas nicht klappt habe ich gerade hundert Euro verschenkt, aber natürlich klappt alles wie am Schnürchen. Die beiden Herren sind pünktlich wie die Maurer, die Jacke passt wie angegossen und die uniformierte streng blickende junge Dame in der Pförtnerei stellt sogar den Spiegel auf der Rückseite ihrer Bürotür zur Verfügung.

Wer also mal nach Manavgat kommt und Bock auf eine maßgeschneiderte Lederjacke hat, die es hier für diesen Preis und in dieser Qualität nicht einmal von der Stange gibt, der wende sich vertrauensvoll an Jasmin Leder. Da ist massig Qualität garantiert.

Auch massig Qualität: Grace Jones - Hurricane



Montag, 16. Juni 2014

Montagsmarkt in Manavgat
















Jeden Montag ist der große Markt in Manavgat, bei dem sich die Gassen der halben Stadt in einen Basar verwandeln. Da wir in der Urlaubszeit nur einen einzigen Montag haben ist klar, dass wir den sofort mitnehmen müssen. Letztes Jahr durften wir nach einer Stunde wieder umkehren um den Treffpunkt anzulaufen, dieses Jahr sind wir mit dem Dolmuş gefahren und können unsere Zeit selber einteilen. Der Touristenmarkt mit den hunderttausend gefälschten Markenklamotten, Uhren, Schmuck und anderem Gedöns interessiert mich dabei nicht, ich will auf den Bauernmarkt, wo die Einheimischen ihr Obst und Gemüse kaufen und verkaufen.

Trotzdem bin ausgerechnet ich derjenige der den ganzen Zug aufhält, weil mich eigentlich letztes Jahr schon interessiert hätte was eine maßgeschneiderte Lederjacke hier kostet. Folglich sitzen wir eine ganze Weile bei starkem türkischen Tee und Mineralwasser in einem Ledergeschäft und klönen mit dem Besitzer, der in Nürnberg aufgewachsen ist und uns während meiner Vermessung stolz von seiner Tochter erzählt, die immer noch in Nürnberg lebt und nach dem Studium einen gut dotierten Job bei einer großen deutschen Firma ergattert hat.

Tipps für den Markt möchte er uns trotzdem nicht geben, das wären alles nette Jungs da draußen und die wollen schließlich auch leben, deswegen spricht man da nicht drüber, nicht gut und nicht schlecht, am besten gar nicht. Aber vier Ledergürtel für 20 Euro bekommt man in der Türkei nicht einmal zum Einkaufspreis, daher verkauft er inzwischen keine Gürtel mehr, die billige Konkurrenz vor der Haustür ist zu groß. Wenn wir gut und günstig etwas kaufen wollen, dann am besten Obst und Gemüse auf dem Bauernmarkt, da kann man nichts verkehrt machen.

Worauf man allerdings achten sollte sind die Speisekarten der umliegenden Restaurants und Imbissbuden, deren Koberer einen permanent an die Tische lotsen wollen. Dort fehlen in fast allen Fällen die Preise, die man vorher erfragen sollte, damit man hinterher nicht das bezahlen muss was der Kellnerin gerade einfällt.

Nur hat man bei Vollverpflegung leider wenig Bedarf an Lebensmitteln, daher ist alles was wir am Ende mitnehmen ein Kilo der unverschämt leckeren Sesam Nüss mit Honig, die eigentlich keine Nüsse sind sondern Mandeln. Die Mädels dürfen derweil alles mögliche probieren, die Prinzessin Feigen und ihre Mutter hunderte Hundertwasserringe, während ich mich bei grausamsten Lichtbedingungen mit dem Marktleben beschäftige. Licht und Schatten liegen hier sehr eng beieinander, in jeder Hinsicht.

Marktmusik: Ekoostik Hookah - Dubbabuddah










Freitag, 13. Juni 2014

Der fabelhafte Minibüs















Man muss in der Türkei keine teuren Ausflüge buchen um die Gegend zu erkunden, zumindest nicht wenn man nur in die nächste Altstadt zum fotografieren will, zum Markt in die nächste größere Stadt oder in irgend ein entlegenes Bergdorf.

Denn dafür gibt es eine fabelhafte türkische Erfindung: den Dolmuş. Eine Art Sammeltaxi mit fester Route. Man steigt an einer der Haltestellen ein oder hält einfach den Daumen raus wenn einer vorbeifährt, und es fährt dauernd einer vorbei. Alle 10 Minuten in so ziemlich jede Richtung, für 1 bis 2 Euro kommt man in so ziemlich jedes umliegende Dorf und von dort aus auch irgendwie weiter. Die Klimaanlage in diesen Minibussen ist allerdings Oldschool, allenfalls geht mal ein Schiebefenster auf.

Man steigt einfach irgendwo zu und entrichtet dem Fahrer seinen Obolus am Ende der Fahrt. Die muss nicht zwingend an der Endhaltestelle enden, man kann ebenso einfach auch irgendwo wieder aussteigen, der Fahrer hält auf Wunsch an jeder Ecke. Manchmal gibt es auch einen Beifahrer, der die Kommunikation mit anderen Fahrern über Handsprechgeräte aufrecht erhält und vor Polizeikontrollen warnt, und es gibt reichlich Kontrollen in der Türkei. In 9 Tagen habe ich mehr gezählt als hier in den letzten 9 Jahren.

Das ist alles dermaßen perfekt organisiert, dass man als Tourist oft nicht einmal sein Ziel nennen muss, will man irgendwann wieder zurück. Die Fahrer erkennen schon an den All-Inkl.-Armbändern vor welchem Hotel man gerne aussteigen möchte. Und wenn man denen nicht deutlich genug sagt dass der Rest der Kohle Tipp ist, dann hupen und gestikulieren sie einem noch hinterher.

Hätte der HVV solche Fahrer würde ich hier vielleicht auch mal Trinkgeld geben.

Es fahren mit im Minibüs: Bob Marley & The Wailers - Babylon by Bus

(Bilder anklicken macht Minibusse groß)



Mittwoch, 11. Juni 2014

Der Weg ist nicht das Ziel















Will man an einem weit entfernten Ort Urlaub machen, sind Flugreisen eine praktische Sache. Aber wenn der Weg nicht das Ziel ist, wie bei den Touren durch Norwegen, dann ist der Weg nur eine lästige Geschichte, die man möglichst schnell hinter sich bringen will.

Und lästig sind mir Flüge inzwischen echt geworden. Früher™ fand ich das ganze noch spannend, inzwischen nervt dieser Zirkus ganz ungemein. Ich hätte zum Beispiel gerne gewusst, warum die Ausweiskontrolle bei mir auf dem Hamburger Flughafen dreimal so lange gedauert hat wie bei meinen Mitreisenden. Steht da irgend etwas im Computer von dem ich wissen sollte?

Um die durchgemachte Nacht vor der Abreise komme ich diesmal herum, der Flug ist von 6:10 auf 8:30 verschoben worden, dadurch komme ich auf theoretische vier Stunden Schlaf in der letzten Nacht. Theoretisch, weil Hotelbetten und Wurstkissen, aber immerhin vier Stunden liegende Position und Augen zu. Die türkischen Zubringer sind pünktlich und fix, der Bus voll mit Rückfliegern nach Sachsen, wie man deutlich hören kann. Ein paar für den Flug nach HH, jemand begrüßt mich mit Moin Moin, das St.Pauli Shirt ist fast immer ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal.

Der Flieger verspätet sich, 9:00 ist inzwischen angesagt. Vier Stunden Zeit für Gepäck und die Kontrolettis. Wir haben Glück, direkt neben uns macht eine Kontrollstation auf. Jacke ausziehen, Uhren ab, Handgepäck aufs Band und der Rest in die Plastikwannen. Durchgehen, nichts piept, alles wieder einsammeln.

Eine gute Stunde geht für die Gepäckaufgabe drauf, wir sind ganz vorne in der Schlange, aber der Schalter noch geschlossen. So geschlossen wie kurze Zeit darauf die Augen unseres Gepäckabfertigers, oder wie immer die Berufsbezeichnung dieser Menschen lautet. Die letzte Nacht scheint kurz gewesen zu sein, unsere Ausweise verwirrend, nachdem er zweimal scheitert versucht er es mit den Ausweisnummern, das klappt endlich. Wir sind die, die wir vorgeben zu sein. Weder Ausweise noch Flugschein geklaut. Zumindest unsere Klamotten dürfen mit.

Der türkische Grenzbeamte ist ungewohnt freundlich, trotz erkennbarer Rückenschmerzen, der erste der lächelt, als er diese seltsamen Zettelchen wieder einsammelt, die man um Gottes Willen ja nicht verlieren darf wenn man wieder nach Hause will. Danach Kontroletti II, alles von vorne. Jacke ausziehen, Uhren ab, Handgepäck aufs Band und der Rest in die Plastikwannen. Durchgehen, nichts piept, alles wieder einsammeln. Antalya ist doppelt sicher und doppelt nervig.

Endlich durch, noch zwei Stunden bis Abflug, kein Frühstück bisher, also Hunger. Die Kinder entscheiden sich für den Würgerking, trotz der Schlange davor. Ich gehe an den Tresen nebenan zu Popeyes Louisiana Kitchen, der gleiche Kram, andere Farbe. "Da steht kein Mensch" warnt mich Junior, nur verstehe ich blöderweise die Warnung nicht. Natürlich liegt er richtig, der Fraß ist ungenießbar, KFC in schlecht, eine Beleidigung für Louisiana. Dafür 0.5 Liter Cola dabei, von der die Prinzessin die Hälfte wegzieht, sehr zum Missfallen ihrer Mutter. Der besorge ich zur Beruhigung an der nächsten Ecke einen Kaffee. Eine Latte. Eine Latte für glatte 6 (in Worten: Sechs) Euro. Die haben echt nicht alle Latten am Zaun. Wenn man im Nirgendwoland eingesperrt ist und keine Wahl hat, dann wird hemmungslos abgezockt.

Der Flieger verspätet sich um eine weitere gefühlte halbe Stunde als wir schon in ihm sitzen. Machen die Turbinen komische Geräusche oder ist nur die Startbahn nicht frei? Endlich geht´s los, erst der Flieger, dann die Steward/essen-Orgie. Rollerollerollcontainer. Vor 40 Jahren gab es noch pappige Brötchen, Marmelade, Aufschnitt und Plastikmesser dazu. Heute ein trockenes Brötchen mit trockenem Käse und ein Schluck stilles Wasser dazu, um das überhaupt runterwürgen zu können. Ein Würgereiz überfällt mich auch immer, wenn die blonde Hülya an mir vorüber rauscht. Das Parfum sollte in die Genfer Konvention aufgenommen werden, atemberaubend im negativen Sinne.

Die Prinzessin guckt einen Film auf dem Netbook, ihre Mutter liest Hesse (in der Türkei kann man den Steppenwolf auf der Straße finden) und Junior daddelt auf seinem Schmattfohn. In der Reihe vor uns ein ähnliches Bild. Das hyperaktive Kind hat die Vollausstattung, Gameboy, Tablet und dazu geschätzt 1000 Spiele. Er kann sich jedenfalls nicht entscheiden und daddelt jedes Spiel nur wenige Minuten. Dadurch lerne ich eine Menge Spiele für Tablets kennen und weiß nun, dass ich so etwas garantiert nicht brauche.

Dreieinhalb verdammte Stunden später landet die Kiste in Hamburg. Eine elend lange Schlange vor vier Grenzbeamten. Hätten die mit ihren Kollegen in Antalya telefoniert könnte man sich das sparen, aber nein...
Macht nichts, denn das Gepäck ist eh noch nicht da. Nicht da. Nicht da. Immer noch nicht da. Kommt noch was? Ja, Air Berlin hat Koffer aus Stuttgart dabei, die sind zwar später gelandet, aber haben die fixeren Jungs. Nach einer halben Stunde ist fast alles abgeräumt, nur noch ein Kindersitz nebst einer danebenliegenden (frischen) Windel dreht unaufhörlich seine Runden. Nach weiteren fünfzehn Minuten ist es nur noch die Windel, dann kommt unser Gepäck. Wiederum in Abständen von fünfzehn Minuten, in dieser Branche werden wohl noch Rauchpausen gemacht.

Natürlich hat mir die Klimaanlage auch wieder eine leichte Erkältung beschert, das gehört bei Flugreisen dazu. Aber sie sind halt praktisch, wenn man an weit entfernten Orten Urlaub machen will. Man sollte sie nur so schnell wie möglich hinter sich bringen.


Andererseits, wenn ich an die zwei Tage Regenfahrt auf der Autobahn nach Barcelona denke damals, wenn der Weg nicht das Ziel ist, dann taugt das auch nichts.


Taugt absolut: Al Stewart -  Live - Rhymes in Rooms

Samstag, 7. Juni 2014

Gruß aus der Sonne















Mit dem Internet hier im Süden habe ich schon im letzten Jahr keine besonders gute Erfahrung gemacht, daher ist der Schlepper gleich zu Hause geblieben. Weil ich den alten an Junior verschenkt habe ist jetzt zwar doch ein Rechner dabei, aber der hoteleigene Erdogan hat bloggerdotcom immer noch gesperrt, weshalb man auf externe Internetstationen angewiesen ist, was den Umgang mit Speicherkarten etwas verkompliziert, abgesehen von dieser Passwortgeschichte...

Daher gibt es nur einen kurzen Fakegruß aus der Sonne, denn eigentlich sitze ich jetzt gar nicht am Computer sondern am Strand. Oder am Pool. Oder an der Bar. Oder auf dem Kinderspielplatz.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Wasserstraßenfotografie (2)
















Könnte glatt mein neues Hobby werden, zwei bis drei sonnige Tage in Winterhude sind jedenfalls völlig ausreichend für einen nicht kleinen Grundstock an Wasserstraßenfotos. Auch (und das fand ich sehr erstaunlich) mitten in der Woche ist auf den Kanälen rund um die Alster dermaßen viel Individualverkehr, dass man an einigen Stellen schon etwas enger zusammenrücken muss.

Eigentlich muss ich nur noch jemanden finden, der Lust hat sich einen Tag lang auf den Kanälen rumzutreiben, damit man das alles mal aus der anderen Perspektive fotografieren kann. Alleine treten oder rudern ist definitiv zu anstrengend und bei dieser modernen Stehpaddelei würde ich mir wahrscheinlich auch ohne Kamera um den Hals den selbigen brechen.

Wassermusik: The Waterboys - Fisherman's Blues Part Two