Freitag, 14. März 2014
Im Spielzeugland
Blickt man von der Burg Altena auf den im Tal gelegenen Ortsteil, wähnt man sich wie weiland bei Spielzeug Rasch. Ein typisches H0 Spielzeugeisenbahntal für Anlagen in Zimmergröße, es reicht neben dem Fluss (malerisch) gerade noch für eine Eisenbahnstrecke nebst Bahnhof (obligatorisch), eine Straße (Figuren und Autos) und eine Reihe Häuser (Industriebarock). Wer mehr bauen will muss das in den Hängen des Gebirges machen, das gleichzeitig als Zimmerbegrenzung und unterirdisches Modellbahnabstellgleis dient. Also, zumindest in H0 nehme ich an. In Altena wahrscheinlich nicht.
Dass man dieses Panorama wunderbar für Tilt/Shift Effekte nutzen kann fiel mir leider erst auf, als ich die Fotos gesichtet habe. Da sich das mit Lightroom nur sehr rudimentär realisieren lässt habe ich das nur bei einem Foto versucht, dass ohnehin in diesen Bereichen unscharf war.
Falls sich jemand schon mit dem Modellbahneffekt versucht hat und eine kostengünstigere Lösung kennt als Photoshop oder ein Tilt/Shift Objektiv: Ich komm da garantiert noch mal vorbei. Schon wegen der Burgrestaurantspeisekarte.
Spielzeuglandmusik: Florence + the Machine - Lungs / Ceremonials
Labels:
Auf Tour,
Fotosafari,
Frühling
Standort:
Altena, Deutschland
Donnerstag, 13. März 2014
Ein Ring für Dinosaurier
Dat Backhus liefert gerade moralische Unterstützung für gebeutelte Rauten. Zu den blau-weiß-schwarz gesprenkelten Donuts für Anhänger des Vorstadtvereins gibt es passende Rettungsringe, was aus kaufmännischer Sicht natürlich sehr geschickt ist, werden die meisten doch zur Sicherheit gleich zwei der klebrig-süßen Dinger mitnehmen, Fußballfans sind abergläubisch. Dass die Größe ausreichend ist um das Absaufen eines ausgewachsenen Dinosauriers zu verhindern wage ich allerdings zu bezweifeln.
Die Namensgebung könnte sich ebenfalls als Hindernis herausstellen, denn wahrscheinlich können viele der jüngeren Fans (Zielgruppe!) mit dem Namen "Volkspark" überhaupt nichts mehr anfangen. Andererseits klingen Namen wie "Nordbank" oder "Imtech" auch nicht gerade nach leckerem Gebäck, da muss man abwägen. Wäre ich Leiter einer Backhusfiliale, mir würde ganz sicher etwas passendes einfallen.
Aber sehr wahrscheinlich würde ich mich auf nur eine Variante beschränken. Die braucht zur Zeit weder einen Rettungsring noch ist eine Namensfindung nötig:
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| Sieht besser aus, hat den richtigen Namen, schmeckt trotzdem nicht. |
Dinosaurierabsaufmusik: Whiskeytown - Faithless Street
Montag, 10. März 2014
Über allen Gipfeln ist Ruh
Statt mich wie üblich nach dem Sonntagsfrühstück auf den Weg nach Hause zu machen, latsche ich mit dem Pappenheimer auf einer Erhebung herum (im Regenwald "Berg" genannt) um die von ihm so malerisch beschriebene spektakuläre Aussicht zu genießen. Spek-ta-ku-lär! Mit Funkfeuer! Auf 500 Metern Höhe, so ungefähr, aber man könne kilometerweit gucken.
Kann man. Über Täler, Wiesen und Bäume, wie eigentlich überall im Regenwald, nur dass diesmal keine mittlere Kleinstadt den Blick in die Natur trübt. Wir befinden uns auf dem Sonneborn (nicht verwandt oder verschwägert mit dem bekannten Satiriker) im Nationalpark Ebbegebirge, was ich ganz toll finde, dass Ebbe ein eigenes Gebirge hat. Einem Fußballgott nur angemessen.
Hier oben herrscht eine himmlische Ruhe, wenn man nicht gerade von Mountainbikern gegrüßt wird (die eine Strecke mit dem Rad zurückgelegt haben für die ich mein Auto schon bedauere), oder mit frischgebackenen Hundebesitzern ins Gespräch kommt.
Es ist nicht nur die völlige Abwesenheit von gewohnten Verkehrsgeräuschen, hier kräht kein Hahn, hier singt kein Vogel und nicht ein einziges Nutztier ist auf den Weiden. Nur ein einsamer Bussard kreist für wenige Minuten am Himmel, aber als ich das Tele drauf habe ist er wieder weg und lässt sich nicht mehr blicken. Bei diesem Wetter muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass wir eigentlich gerade erst dem Winter entronnen sind, strahlender Sonnenschein und fast 25° am Märzanfang kommt für unsere Fauna wohl auch überraschend.
Die völlige Abwesenheit von Nutz- und anderen Tieren zwingt mich dann doch wieder zur ungeliebten Baumfotografie. Während der Pappenheimer mit einem Ultraweitwinkel unter schamanenhaft anmutenden Bewegungen den Baumstamm eines noch völlig kahlen Geästs umkreist, beschäftige ich mich mit Totholz. Das passt zur Gegend, es ist nicht nur unglaublich tot hier oben, es ist auch ziemlich gefährlich, überall stößt man auf Warnhinweise.
Ich hab´s aber überlebt. Den Regenwald insgesamt, wieder einmal. Und wieder einmal war das Überlebenstraining äußerst unterhaltsam, da nimmt man die Anstrengung in Kauf.
Erholungsmusik: Amanda Shires - Down Fell The Doves / Marianne Faithfull - 20th Century Blues
Standort:
Plettenberg, Deutschland
Sonntag, 9. März 2014
Professor Pappenheimers Hexenküche
In der Wohnung meines exzessiven allerbesten Freundes und Gastgebers werden wieder allerhand exzessive Fotoexperimente vorbereitet, mit Hilfe sündhaft teurer Elixiere und anderer Gerätschaften. Verraten darf ich nichts, aber so viel dann doch: ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. Denn wenn ich mir ansehe WAS die Jungs hier knipsen wollen, dann wird es nicht lange dauern und sie versuchen es mit Partikelfotografie.
Diese Experimente sind wunderbar geeignet für trübe Wintertage, aber ab und an hält der Regenwald noch Überraschungen bereit. Blauer Himmel und nicht eine Wolke in Sicht, frühsommerliche Temperaturen, da muss man raus. Extrem früh raus, ein Frühstück im Zentralcafé um 11:45, also vor regulärer Aufstehzeit, das hat es hier noch nie gegeben.
Da ich wenig Lust verspürte zum drölfzigtausendsten mal die Bäume der Umgebung zu fotografieren bat ich mir ein ansprechendes Ziel aus und erfuhr das erste mal von der Burg Altena. Da fährt man seit Jahren in den Regenwald und erfährt erst jetzt, dass die im lächerlichen Nichtigstel einer Entfernung mit einer richtigen Burg aufwarten können. Nebenbei bemerkt mit einer Burg, die garantiert des Nachts beleuchtet ist und wunderbar mit Stativ vom gegenüberliegenden Parkhaus abgelichtet werden könnte.
Der Ausflug brachte uns zwar um das sehr spontan angekündigte Grillfleischgrillen beim Dorfscheff, aber auch mit Fladenbrotresten und hartgekochten Eiern kann man einen bierseligen Abend gut überstehen. Die Gesellschaft ist es, die zählt.
Donnerstag, 6. März 2014
Weniger ist mehr
In diesem Falle heißt das: weniger Platz auf dem Schreibtisch - mehr Platz auf dem Monitor. Dabei fällt ersteres, dank des schlanken Rahmens der LG Monitore, kaum ins Gewicht. "Hairline-Design" nennt sich das und ist natürlich voll die Verarsche, denn im eingeschalteten Zustand ist der Rand doch eine ganze Ecke breiter als die Haarlinie. Kenne ich aber schon von meinem Fernsehgerät und stört mich nicht die Bohne, es erleichtert deutlich die Staubwischerei auf dem Schirm und am Ende sind 27 Zoll immer noch 27 Zoll, egal wie breit der Rand sein mag.
Grandios ist der Betrachtungswinkel bei den IPS Displays, selbst im Extremfall keine Farbverschiebungen, das ist man von den flachen Dingern kaum gewohnt. Die zertifizierte Werksfarbkalibrierung ist dafür wahrscheinlich nur beruhigende Augenwischerei für Bildbearbeitungsamateure, einen großartigen Unterschied zu meinem alten 24er Samsung kann ich jedenfalls nicht erkennen, aber auch der gehörte bei Prad schon zu den Spitzenmodellen was die Darstellung des Farbraumes betrifft.
Für Amateurfotografen sollte der Spaß ausreichen, mehr geht nur noch mit iiyama, NEC oder Eizo, was die Kosten blöderweise gleich verdrei- vier- oder fünffachen würde. Next Lottogewinn vielleicht.
Dienstag, 4. März 2014
Gekreuzte Finger
Vorspiel
Sehr viele Überstunden haben einen großen Vorteil, man kann an Montagsspieltagen abbummeln. Ich kann nicht nur ausschlafen, Brötchen holen und üppig frühstücken, ich kann auch meinen neuen Monitor vom Paketmann entgegennehmen und das nicht mitgelieferte Kabel schnell bei BWZ in Wandsbek besorgen. Vor allem kann ich mich damit ablenken, denn mir ist nicht nach Stadion. Den ganzen Tag so ein drückendes Gefühl im Magen, nach den letzten Heimspielen ist es kein Wunder, dass man gegen Union auf ein Wunder hofft.
Derart unlustig verpasse ich erst einen Bus und dann eine U-Bahn, die restliche braun-weiße Besatzung guckt auch nicht sonderlich optimistisch aus der Wäsche. In Barmbek entert eine Gruppe Mädels in den 30ern die Bahn, eine der Damen ist reichlich angeschiggert und wird von ihrer Begleitung vorsorglich auf den Sitzplatz mir gegenüber verfrachtet. Nach einer Weile piekt sie mich mit dem Finger an. "Du. Wo steigst´n Du aus?" fragt sie, und ist sehr verblüfft als ich ihr mein Ziel nenne. Völlig planlos scheint sie jedoch nicht zu sein, denn kurz darauf will sie von mir wissen, wie die Chancen stehen gegen Union. Als sie die Bahn am Berliner Tor verlässt piekt sie mich nochmal an. " I cross my fingers" sagt sie, und hält mir ihre gekreuzten Griffel vor die Nase. "Ein Hamburger Verein sollte wenigstens gewinnen." Cross my fingers? Ist das jetzt das neue Daumendrücken? Na wenn´s hilft.
Im Stadion schnell ein Bier gegen den Durst holen, einen Klönschnack mit dem Dartmeister und dem spärlich anwesenden und ebenfalls wenig optimistischen Rest des Fanclubs, noch zwei Bier für den Sitz und rein. Keine zwei Minuten später taucht Herr L. auf mit noch zwei Bieren, das sollte für´s erste reichen.
Die große Frage ob Mohr oder Ziereis für den gesperrten Gonther auflaufen erübrigt sich, es stehen beide in der Startformation, dafür ist Bartels nur auf der Bank. Ziereis für Buchtmann? Dieser Trainer versteht es jedes mal mich zu verblüffen. Verhoek statt Nöthe im Sturm ist allerdings eine Maßnahme die ich vollauf gutheiße. Beim Herz von Sankt Pauli versuche ich die Emotionen des Herrn L. mit lautem Gesang zu wecken, aber er ist erkältet und möchte seine Stimme schonen. Alles muss man alleine machen.
Hells Bells und Anpfiff.
Spiel (1)
Sehr verhalten der Anfang. Tasten die sich ab? So lange? Ödes Gekicke in der falschen Hälfte, geht das schon wieder los. Um Ballverluste im Vorwärtsgang zu vermeiden halten wir ihn hinten und spielen ihn hin und her. Und hin und her. Und zurück zum Torwart. Und wieder hin und her. Was für ein zaghafter Haufen. "Die rennen rum wie die Hühner" meckert Herr L. "kein Plan, kein Blick für den Nebenmann und keine Ideen."
Eine halbe Stunde geht das so, einzig Union ist ab und zu gefährlich, ein paar wirklich haarige Szenen bei denen Tschauner Gott sei Dank gut reagiert. Seine weiten Abschläge sind zwar wieder mal wenig effektiv, aber so landet der Ball wenigstens ab und zu in der Berliner Hälfte. Beinahe die einzige Möglichkeit, das sind Angsthasen Deluxe auf dem Rasen, gelähmt im eigenen Stadion.
Eine halbe Stunde lang ist das eine echte Zumutung, selbst für Zweitligaverhältnisse, dann geht langsam was. Halstenberg ballert knapp daneben und Verhoek hat gleich mehrere gute Szenen, was die Lautstärke auf den Rängen deutlich anhebt und man weiß ja, dass ihn so etwas beflügelt. Der Mann gefällt mir richtig gut, der hat ´ne ganz andere Körpersprache als Nöthe, der ackert da vorne und versucht wenigstens mal was, der ist geil darauf eine Bude zu machen. "Der Johnny macht noch einen rein heute" prophezeie ich, aber beinahe ist es der Mattuschka, der mal wieder ein fieses Ding aus dem Fuß schüttelt. Dreht sich gemein in Richtung Torwinkel der Ball, das war knapp. Vorbei. Puh.
Kurz vor der Halbzeit - wie üblich - noch ein paar Ecken gegen uns. Dass sie sich das nicht abgewöhnen können, wo wir bei Standards immer so anfällig sind. Mit Eckbällen vor der Halbzeit kann man sich schnell das Pausenbier versauen, geht aber gut. Mit Glück 0:0 nach 30 grottigen und vielleicht 10 ganz anständigen Minuten, das ist beinahe mehr als man erhoffen konnte.
Zwischenspiel
Herr L. hat noch genug Bier im Becher, daher mag er nicht so recht was holen, obwohl er eigentlich dran ist. Dass es an Scheißmontagsspieltagen keine Choreo gibt ist man ja gewohnt, aber auch Halbzeittapeten gibt es kaum zu sehen, die Kamera bleibt in der Tasche. Wir schnacken ein wenig über den zu planenden Urlaub, über Bollers Karriereende und den hoffentlichen Nichtaufstieg, es sei denn wir schaffen die Relegation gegen die Vorstadt. Was die Jungs da unten wieder abliefern ist eindeutig (noch) nicht tauglich für die erste Liga.
Spiel (2)
Keine Auswechslungen auf beiden Seiten, es geht unverändert weiter. Personell und spielerisch, denn so langsam arbeitet sich Union näher an unser Gehäuse heran. Mattuschka, Terodde und Brandy versuchen gerade unsere Hintermannschaft auseinanderzunehmen. Über die Außenbahn geht bei uns immer was und wir können uns bei Tschauner bedanken, der auf der Linie wieder großartig reagiert, dass es nicht schon geklingelt hat. Mohr schnitzt dem Gegner auch noch eine prima Vorlage auf den Leib, zentral im Strafraum - drüber, kann aber nicht mehr lange dauern.
Dann geht Kringe vom Platz und Bartels kommt. Als frisch gebackener Vater kann der unmöglich ausgeschlafen sein, andererseits ist es schon sein zweites Kind, vielleicht macht´s da die Erfahrung. Am Drücker sind jedoch weiter die Berliner, Mattuschka immer vorne mit dabei, wieder steht jemand blank, wieder kann Tschauner zur Ecke klären. Und wie wir alle wissen sind drei Ecken gegen uns immer gut für mindestens einen Treffer, dieses mal ist es Simon Terodde der ihn versenkt, 0:1.
Verdammtverdammtverdammt. Kann man nix machen außer weiter die Mannschaft anfeuern. Den neuen Chant im Süden fand ich beim letzten Spiel schon super, aber am Ende der Gegengerade sind sie entweder zu faul oder ich bin der einzige der den Text kennt. Der bleibt mir nach 2 Minuten im Halse stecken, weil wir unsere 20 haben, den Unterdergrasnarbekämpfer und unerschütterlichen Vorangeher Sebastiaaaaaaan Schachtööön. Der nutzt ein etwas unübersichtliches Gewusel im Berliner Strafraum, dreht sich einmal schön in Richtung Tor und hämmert die Kirsche mit links in den Winkel. Woohoo, 1:1, geht doch. Ich liebe es wie der Mann nach Treffern mit erhobenem Zeigefinger in Richtung Südkurvenzaun sprintet, der personifizierte Wille.
Noch etwas über 20 Minuten zu spielen, und jetzt ist Fußball. Offener Schlagabtausch statt zähes Gegurke, jetzt macht es Spaß, jetzt spielen wir mit. Verhoek und wieder Verhoek, Johnny will sein Tor. Halstenberg auch, setzt einen Freistoß aus über 30 Metern an den Pfosten, schönes Pfund. Berlin bleibt weiter gefährlich, aber Tschauner hält seine Kiste sauber. Inzwischen sind Nehrig und Maier drin, Rainer kündigt ihn euphorisch als unseren Freistoßspezialisten an. "Viel zu viel Information für den Gegner" sagt Herr L., aber so irre viel Freistöße haben wir eh nicht gezogen heute.
Noch fünf Minuten zu spielen, von mir aus hätte der längst abpfeifen können. Ein 1:1 gegen Union hätte ich sofort unterschrieben, da packt Mattuschka noch nen Hammer aus, volley aus gut 20 Metern kann Tschauner den gerade noch an die Latte lenken. "Mattuschka die Sau, ey" ereifert sich Herr L. und das ist durchaus als Lob gemeint, der Typ ist echt ein Kracher. Dann geht es Schlag auf Schlag, Verhoek hat den Siegtreffer auf den Schlappen, scheitert aber am Berliner Torwart. Dann ist es Halstenberg, der einen schönen Pass auf Maier spielt. "Das ist ne gute Idee" brüll ich, Maiers Pass zurück auf Halstenberg sieht noch besser aus, "das ist noch ´ne viel bessere Idee" brülle ich noch lauter und dann kommt der Ball zu Fin Bartels. Der hat die beste Idee und versenkt ihn im Kasten der Berliner. Woohoo, die 22 in der 88. Minute, 2:1 kurz vor Schluss, das ist wie im Märchen.
Fünf Minuten Zitterpartie ist angesagt, Herr L. macht mich auf unsere Finger kreuzende Nachbarin aufmerksam und verknotet seine ebenfalls. Scheint irgendwie angesagt zu sein, Daumen drücken ist wohl veraltet. So viel Fingergekreuze hilft tatsächlich, wir überstehen die drei Minuten Nachspielzeit, Abpfiff, Heimsieg, glücklich sein, Durst haben.
Nachspiel
Lange nicht mehr so viel gebrüllt, mein Rachen fühlt sich an wie die Sahelzone. Trotz Montagabend lässt sich Herr L. noch zu einem weiteren Bier überreden, vorher mache ich einen Viva con Agua Pfandsammler auf unsere Reihe aufmerksam, da ich blöderweise gleich vier Pfandbecher dort vergessen habe. Die sind noch jung, und für 6 Euro Spende kann man auch mal laufen.
Vor den Fanräumen treffen wir Herrn B. für einen launigen Klönschnack. Der war dieses Jahr zum Auswärtssieg in München. Hotel auf Firmenkosten, Flug auf Firmenkosten und Spiel auf Firmenkosten, ich bin eindeutig in der falschen Branche. In der U3 noch ein nettes Gespräch mit einem Unioner, der einen möglichen Aufstieg seiner Truppe ähnlich skeptisch betrachtet wie wir den unseren. Denn auch wenn die heute unterm Strich besser waren als wir, für Liga 1 reicht das alles nicht. Wahrscheinlich auch nicht mit vielen gekreuzten Fingern.
Norwegische erste Liga: Kari Bremnes - Spor / Reise
Sonntag, 2. März 2014
Beinahesternefernsehkochrezepte
Kochsendungen kann man heutzutage kaum aus dem Wege gehen, es sei denn man lässt die Glotze kalt. Sogar beim reinzappen mitten in der Nacht: Kochsendungen. Die Selbstbeschränkung auf ÖR-TV hilft auch nicht, im NDR springt die Poletto rum, in der ARD Mälzer und das ZDF fährt gleich eine ganze Riege an Sterne- , Beinahesterne- und Hattemalsterneköchen auf. Die Chancen auf irgend einen am Herd stehenden Pfannenschwenker zu stoßen ist groß.
Früher habe ich immer sofort weitergezappt, aber seit ich weiß, dass sogar der Chefkoch sich dort die eine oder andere Anregung holt, guck ich schon mal ein paar Minuten rein. Bisher mit überschaubarem Erfolg, immerhin habe ich von Cornelia Poletto gelernt wie man Spaghettipackungen richtig aufmacht und konnte schon einige Leute mit diesem Wissen verblüffen, aber in der Zwiebelhaut gedämpfte trüffelgehobelte Lammfiletspitzen an glasierten Korianderrüben und so Zeug, das können die gerne alleine kochen.
Ob ich so eine Sendung länger als 5 Minuten ertrage hängt auch ganz vom Koch ab. Bei Poletto mag ich schon den niedlichen Hamburger Zungenschlag, aber die Frau lenkt mich zu sehr vom Wesentlichen ab, mit der würde ich lieber mal ein Bier trinken gehen. Henssler allerdings ist keine zehn Sekunden zu ertragen, der wird sogar vom Chefkoch ignoriert. Grausam arroganter Vogel, typische Raute, passt super zum Verein.
Mälzer hingegen geht wieder. Den finde ich irgendwie sympathisch, obwohl auch der bei den Rauten aktiv ist und in der Arena-der-vielen-Namen Currywürste in den Logen vertickt.
Neulich Abend hat er irgend etwas mit Garnelen und Wolfsbarschfilet auf dem Tisch gehabt, das sah gar nicht mal so schwierig aus. Überbackener Fisch. Blöderweise auch mit Lachs und Blattspinat. Wo ich langsam anfange mich an das Popeyefutter zu gewöhnen muss nicht auch noch Lachs dabei sein. Mehlschwitze ist kein Problem, da kann ich sogar die Hardcorevariante, blubberndes Cajun Napalm. Blattspinat auftauen und zerhacken ist ebenfalls geeignet für Kochlegastheniker, der Blätterteig kommt aus der Tiefkühltruhe und muss oben eingestochen werden, womit ich wieder etwas dazugelernt habe für die nächste Hackrolle.
Alles ganz simpel was der Mälzer da macht, außerdem eins dieser tollen Rezepte, bei denen man schon die Küche aufräumen kann während das Futter im Ofen ist. Musste ich machen. Das erste Fernsehkochrezept seit Clemens Wilmenrods legendärem Toast Hawaii, das den Weg in meine Küche fand.
Mälzer muss man sich allerdings auch leisten wollen, selbst wenn man die ganze Arbeit selber macht. Garnelen, Wolfsbarsch, Lachsersatz (Seeteufelfilet), Safranfäden und fünf Liter Super um einen Laden mit frischem Estragon zu finden, für den Preis kann man wahrscheinlich eine ganze Woche Currywürste in der Rautenarena essen.
War dann auch wirklich relativ simpel zu machen, der überbackene Fisch, sogar für Kochlegastheniker. Man muss nur beim Estragon- und Spinathacken dem Drang widerstehen, den Fisch in die Pfanne und den Rest in die Tonne zu kloppen, dann ist das am Ende nicht schlecht. Für Lachsmöger ist es wahrscheinlich sogar noch besser, weil sich Seeteufel leider innerhalb von 15 bis 20 heißen Minuten in Wohlgefallen auflöst.
Damit muss man wohl rechnen, wenn man Rezepte von Beinahesternefernsehköchen einfach ändert.
Sternsinger: Neil Young - Mirrorball / Weld
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