Mittwoch, 4. September 2013

Stadtansichten: Nienstedten















Zwei Tage gutes Wetter sollten ausreichen, um mit Nienstedten meine Stadtteilserie weiterführen zu können. Damit wären, nach Ottensen, Othmarschen und Blankenese auch alle Elbvororte vertreten, jedenfalls die relevanten, die wirklich an der Elbe liegen. Nienstedten ist klein und besteht, abgesehen von den Protzvillen an der Elbchaussee, aus kleinen Nebenstraßen mit Einzelhäusern (und Protzvillen). Sozialer Wohnungsbau hat bei diesen Grundstückspreisen keinen Platz, hier werden sogar Wohnanlagen per Video überwacht, denen man in anderen Stadtteilen keinen zweiten Blick schenken würde. Wo früher die "Warnung vor dem Hunde" stand, befindet sich heute entweder ein Hinweis auf Überwachungskameras, oder die Telefonnummer der zuständigen Sicherheitsfirma.

Denn wer hier wohnt hat Geld und will es natürlich behalten. Nienstedten ist, gemessen am Durchschnittseinkommen, der reichste Stadtteil Hamburgs. Das Hotel und Restaurant Jacob befindet sich also am richtigen Platz, die einzige Küche der Stadt mit zwei Sternen und einem traumhaften Blick auf die Elbe, den man allerdings auch im Garten mit einem Nusseisbecher genießen kann ohne im Armenhaus zu enden. Günstigere Verpflegung bekommt man, geht man neben dem Jacob die Treppen zur Elbe herunter, am Elbuferweg finden sich diverse Möglichkeiten sein Geld in Wurst, Bier oder Eis umzusetzen.

Einen besseren Blick auf den Fluss bieten höchstens die Balkons der Villen an der Elbchaussee (Butterseite), wenn die Bäume im Vorgarten nicht immer so stören würden. Aber es gibt Menschen, die finden für alles eine Lösung, wenn man erwischt wird ist die zwar recht teuer, aber wo leben wir denn...
Wer hier gelebt hat kann man auf dem Friedhof sehen, manchmal auch den ausgeübten Beruf, was bei den Namen des alteingesessenen Hamburger Familienadels selbstredend nicht nötig ist.

Ein paar bauliche Veränderungen in den letzten Jahren haben den Stadtteil etwas modernisiert. Aus der Elbschloss-Brauerei wurde die Elbschloss-Residenz, auf dem Gelände entstanden ein Seniorenwohnsitz und eine ganze Reihe Eigentumswohnungen, einzig die unter Denkmalschutz stehende Mälzerei hat das (renoviert) überlebt. Neben der alten Villa Schröder entstand der abgeriegelte Komplex des Internationalen Seegerichtshofes. Ein überwiegend leerstehendes Gebäude, Paradebeispiel für Steuerverschwendung, denn die zwei Prozesse im Jahr hätte man auch in jedem anderen Gerichtssaal verhandeln können.

Eingeschlossen wird diese Idylle im Osten vom Wesselhoeftpark, dessen Teich scheinbar einen nicht geringen Fischbestand aufweist, der Anzahl jugendlicher Angler nach zu urteilen, und dem Turnierplatz Klein-Flottbek, auf dem jährlich das weltbekannte Springderby stattfindet. Die zweite große Grünanlage ist der Hirschpark im Westen, ehemals ein zum Landhaus Godeffroy gehörender englischer Garten, heute öffentlich zugänglich.

Neben alten Baumbeständen, Teichen, Hirsch, Reh, Fasan und Pfau, bietet der auch einen der schönsten Blicke auf die Elbe die ich kenne. Auf die geheimen Hallen von Airbus leider auch, was den Blick natürlich etwas trübt. Aber um diese Trübung zu beheben muss man nur lange genug sitzen bleiben.

Schreibmusik: da DHL mal wieder zu dämlich ist Pakete zuzustellen, noch ohne Cover, Booklet und DVD: Thees Uhlmann - #2 und Thees Uhlmann - Live Große Freiheit 36, denn latürnich habe ich mir die Deluxeversion gekauft.

Anmerkung zu Bild 25: Es ist durchaus möglich, dass die auf dem Foto befindlichen Grundstücke schon immer einen spärlichen Baumbestand hatten und die Mieter resp. Besitzer nicht in den Baumfällskandal verwickelt sind oder waren. Das ist nur ein Beispielfoto.

































Kommentare:

  1. Deine Fotos bringen die Stimmung, in die man in Nienstedten eintauchen kann, sehr gut rüber. Atmosphärisch dicht, sozusagen.
    Friedhöfe besuche ich in HH nicht mehr, seit ich mal auf dem Ohlsdorfer verschütt gegangen bin.
    BTW: ob kameraüberwacht oder nicht, manche Behausungen fordern eine Besetzung zwecks Installation einer Alters-WG geradezu heraus ;-)

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    1. Außer einer Besetzung wird uns nicht viel übrig bleiben, der legale Weg dürfte unser Budget etwas übersteigen.
      Ohlsdorf muss ich auch noch hin, und ich hab mich selbst im Stadtpark schon verlaufen.

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  2. Neee, wa ?
    Herr Ärmel, also ääährlisch. Genau dieses wollte ich grad vorschlagen, also die Sache mit dem Rock'n'Roll Rentner Ruhesitz.
    Na, dann sind wir ja schon zu dritt. Wer zieht noch mit ein und welche Behausung okkupieren wir eigentlich ? Man könnte eine Abstimmung starten... ;-)

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    1. Zur näheren Auswahl schlage ich eine Ortsbegehung vor zu gegebener Zeit :-)

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    2. Gute Idee, das machen wir.
      Man könnte evtl. auch mal genannten Friedhof in näheren Augenschein nehmen; evtl. ist dort noch ein geräumiges Mausoleum vakant. Das könnte man dann alters- u. rock'n'rollgerecht umbauen/luxussanieren. Ein weiterer Vorteil wäre, daß die derzeitigen Bewohner des Friedhofs wenig bis überhaupt keinen Stress machen, so wg. lauter Musik und ausufernden Partys, gell. ;-)
      Außerdem habe ich mit alten Knochen überhaupt kein Problem. *fg*

      Last, not least, wäre der Weg -im Falle sozialverträglichen Frühablebens- auch nicht allzu weit. Man könnte sich einfach, in Nacht- und Nebelaktionen, gegenseitig unauffällig verscharren.

      Mit adäquater Party selbstverständlich.

      ;-)

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    3. Nee also ehrlich, ich will nix mit Garten. Also mit Garten vielleicht, wenn jemand Bock hat sich um das Grünzeugs zu kümmern, aber nicht mit nem Park. Ich hatte mal ne Freundin, deren Eltern hatten auch ein Haus im Park, ich bin da vorbelastet. Dauernd Laub fegen im Herbst, unendliche Rasenflächen mähen, die Uferböschungen von Grünzeugs befreien, das kann die Wochenendvergnügungen ganz schön einschränken.

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  3. schicker bilder, das du dich in einen laden wie das jacobs begibst wundert mich aber schon :p
    und was bitte ist eine butterseite bzw. das gegenteil davon?
    wenn du mit den anderen herren einen altersruhesitz an der elbchausee gründen willst hättest ihr vor 100 jahren anfangen müssen zu sparen :p

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    1. Ach was... wir drehen einfach noch 'n fettes Ding vorher ! *g*

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    2. Achso, nochwas, Meike:
      die 'Butterseite' ist die (Brot)Seite, die (meist) oben liegt. Es sei denn, das Brot fällt unglücklicherweise vom Tisch/Teller/Brett. Dann landet es nämlich genau auf selbiger und das Gegenteil wird sichtbar.

      ;-)

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    3. Dieses 'Gleichnis' ist übrigens durchaus übertragbar. *fg*

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    4. Die "Butterseite" ist die zum Fluss gewandte Seite der Elbchaussee, die "Margarineseite" hat keinen Elbblick. Deswegen will keiner die teuren alten Buden haben, die mieten sich lieber ein Appartement auf der anderen Seite, wo sich die Hausverwaltung um die Gartenpflege kümmert und man auf die Elbe gucken kann.

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  4. Uiuiui, sieht mondän aus, jedenfalls die Villen. Die ehemaligen Tagelöhnerhäuser gefallen mir da besser. Ich nehme aber an, da wohnen heute keine Tagelöhner mehr, nicht mal Facharbeiter? Und die Baumalleen! IDYLLISCH!!

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    1. Bewohnt sind die jedenfalls, aber stehen unter Denkmalschutz. Keine Ahnung was das konkret für den Innenausbau bedeutet, sehr viel Platz und Luxus werden die nicht bieten schätze ich.
      Und die Villen sind mondän, der Unterhalt aber selbst für viele Hamburger zu teuer, da ist einiges im Besitz von Versicherungen oder es ist irgend ein Konsulat drin, allerdings meistens auf der Margarineseite (s.o.)

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  5. Schönes Fleckchen von Hamburg :)
    Dort den Altersruhesitz hin zu verlegen, wäre eine Überlegung wert. Beim nächsten lohnenden Jackpot werde ich wohl mal einen Schein abgeben^^

    Schöne Serie, die die Stimmung des Stadtteiles gut herüber bringt.

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