Freitag, 15. Juni 2012

Stadtansichten: Gängeviertel















Wenn es dieser Stadt an etwas mangelt, dann ist es historische Bausubstanz. Der erste Teil des Hamburger Gängeviertels in der Neustadt wurde nach der Choleraepidemie 1892 abgerissen, was durchaus noch nachvollziehbar erscheint. Allerdings hat auch damals schon die Politik versagt, denn da man vorher 24.000 Menschen ersatzlos die Wohnungen unterm Hintern abgerissen hatte um die Speicherstadt zu bauen, mussten die irgendwo bleiben, was die hygienischen Bedingungen im Gängeviertel drastisch verschlechtert haben dürfte. Später haben die Nazis dort marodiert, in der damaligen Hochburg der Hamburger Kommunisten, dann fielen erst die Bomben der Alliierten, und der Rest der Stadtplanung zum Opfer.

Heute gibt es nur noch winzige erhaltene Reste, ein paar Fachwerkhäuser auf dem Bäckerbreitergang und ein paar Gebäude zwischen Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße, von denen die meisten für die Abrissbirne bestimmt waren, bis die Häuser vor ein paar Jahren besetzt wurden. Inzwischen hat die Stadt das Gelände zurückgekauft, das Gängeviertel ist eine der bunten alternativen Oasen der Stadt geworden, ein kleines gallisches Dorf zwischen den kalten und gesichtslosen Römerlagern drumherum.
Nur die Zukunft ist noch ungewiss, hoffentlich wird es, wie die Hafenstraße, ein kleiner bunter und widerstandsfähiger Fleck zwischen Glas, Stahl und Beton bleiben.
Und hoffentlich wird es nicht der letzte sein.

Hausbesetzermusik des Abends: Xavier Rudd - Spirit Bird




















Kommentare:

  1. Die Reduzierung historischer Bausubstanz teilt HH mit nicht wenigen anderen Städten in Europa. Podgorica - um ein kleines Beispiel zu nennen - wurde von den rückziehenden braunen Horden zu 70% zerstört. Das grosse Erdbeben in den 70ern legte nochmals 20% nieder - und das sieht man der Stadt noch heute an...

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  2. Da wollte ich schon immer mal mit Dir hin, Digger. Evtl. klappt es ja diesen Sommer ja. Kann nämlich sein, daß bei mir das Burg Herzberg Festival dieses Jahr mangels Mitreisenden ausfällt, dann gehe ich Dir Mitte Juli mal ne Woche auf den Sack. *fg*
    Vielleicht können wir dann ja mal einen Abstecher dahin machen.

    Schöne Bilder, btw. :-)

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  3. Herr Ärmel, die braunen Horden waren halt immer beteiligt, nicht nur in Deutschland, scheinbar verdrängen das hier wieder viel zu viele. Kommt dann noch ein Großbrand wie in Hamburg oder ein Erdbeben dazu, dann wars das in der Regel mit der historischen Bausubstanz. Umso wichtiger, die Reste zu erhalten.

    Pappenheimer, Du müsstest Dir dann von Montag bis Donnerstag selber auf den Sack gehen, denn ich bekomme um diese Zeit sicher keinen Urlaub. Deswegen war ich nie auf dem Herzberg, wenn Du Dich erinnerst. Sonst hätt ich aber kein Problem damit.

    Inch, ist es. Vor allem völlig frei von Touristen *g*

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    1. Naja, wenn Du hier aber so Werbung machst...

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