Mittwoch, 23. April 2014

Pappenheimers Einkaufstipps















Eine Taschenlampe zerbröselt mir in der Hand, als ich unter dem Schreibtisch nach Kleinteilen suchen muss und die kleine LED Lenser aus dem Kamerarucksack hat keinen Saft mehr. Als ich sie aufschraube hat sich der Batteriewechsel sofort erledigt, Knopfzellen habe ich nicht vorrätig. "Ach" sagt der Pappenheimer, "diese Dinger kriegste in jedem Supermarkt."

Dank der Hilfe einer kundigen Verkäuferin finden wir beim nachösterlichen Einkauf auch ein kleines Regälchen mit einer ganzen Batterie verschiedener Batterien. Sogar die gesuchten Knopfzellen befinden sich darunter, zum exorbitanten Preis von 6.99 Euronen für läppische vier Stück, immerhin genau die benötigte Anzahl. "Viel zu teuer" mosert der Pappenheimer, "die gibt es normal auch in Großpackungen für´n Appel und ´n Ei."  Er kramt irgendwo unten auf Bodenhöhe rum, dort wo die von der Stange gefallenen Packungen und irgendwelche Reste liegen. Bückware nennt sich das, wer in Deutschland billig leben will muss in die Knie gehen.

Kurz darauf hält er mir triumphierend eine große Blisterpackung vor die Nase, alle denkbaren Größen dabei, von der winzigen Minizelle bis zum Eurodurchmesser, fein säuberlich in Viererreihen sortiert, bestimmt an die 24 Stück und das alles für nur 2.99. Euro, das wär doch mal ein Schnäppchen. Von den Dingern habe ich noch nie eins gebraucht, ich habe nicht ein Gerät außer der kleinen LED Lenser, für das Knopfzellen benötigt werden. Aber billig isses ja schon. "Was Du nicht brauchst gibste mir halt mit" bietet sich der Pappenheimer hilfsbereit als Entsorger an, "ich kann so etwas immer gebrauchen."

Zuhause fummel ich erst die blöde Packung auseinander und scheitere dann beim sortieren. Gleicher Durchmesser heißt bei den Dingern nicht gleiche Dicke oder gleiche Leistung, es sind immer nur zwei von jeder Sorte in der Packung. Das ist zwar gerade noch ausreichend um die Latüchte wieder zu betreiben, aber ein genauerer Blick vor dem Kauf wäre einfach cleverer gewesen. Ganz besonders bei Einkaufstipps vom Pappenheimer.


Montag, 21. April 2014

Shipspotting
















Eine sehr merkwürdige Modeerscheinung moderner Digitalfotografie ist das "Planespotting". Da fahren Leute ernsthaft nach Amsterdam, um ein ganzes Wochenende irgendwelche seltenen Flugzeuge zu fotografieren, die leider nur auf Amsterdam Schiphol landen. Würde mir im Traum nicht einfallen, wo Amsterdam doch sehr viel mehr Reize zu bieten hat. Fotografisch meine ich.

Außerdem ist das viel zu hektisch und viel zu laut, davon ab ist so ein Fluchzeuch, selbst wenn es ein 380er Airbus ist, gegen einen 20.000 BRT Tanker nu mal ein Fliegenschiss. Deswegen ist Shipspotting für Damen und Herren gesetzteren Alters die eindeutig bessere Alternative. Man muss dafür auch nicht bis nach Amsterdam fahren, circa 100 Kilometer nordwestlich von Hamburg haben sie einen Kanal in die Landschaft gebaggert, an dem man prima Schiffe gucken kann.

Wenn man morgens sein Geraffel zusammenpackt, Spielzeug für die Kinder, einen Ball für den Rasensport, Campingtische und Stühle, Futter und Getränke, was man so am Tage benötigt, sich am Kanal entspannt in die Sonne setzt und wartet was da so kommt. Oder wenn man noch cleverer ist, sein Notebook einpackt und unter marinetraffic.com nachschaut, ob überhaupt etwas Interessantes unterwegs ist.

Dann bekommt man vielleicht die Aidadingsda oder einen anderen großen Kreuzfahrer vor die Linse, einen Tanker aus Brasilien, einen dicken Containerfrachter aus Norwegen, irgend etwas was man unter großen Brücken formatfüllend ablichten könnte, oder bei dem es lustig aussieht, wenn es scheinbar durch ein Rapsfeld schwimmt. Fährt man einfach mal so auf blauen Dunst los, so wie wir, muss man sich unter Umständen trotz zwei Stunden Latscherei an der Grünentaler Hochbrücke mit der Susi Sorglos aus Wattwardersiel begnügen, auf der man immerhin recht angenehme Schlafplätze ausmachen kann. Oder mit der regionalen Eisenbahn, die zuverlässig jede Stunde in die gleiche Richtung fährt. Zurück in die Walachei will scheinbar niemand...

Für eine erste Exkursion in diese Ecke war die Ausbeute trotzdem nicht übel. Wenn man erst einmal weiß wo man hin muss, und zu welcher Tageszeit, kann man die nächste noch besser planen. In der Gegend liegt noch viel Potenzial und man könnte zwischendurch nach Büsum fahren, Krabben essen..

Frühmorgensblogpostchilloutmucke: LTJ Bukem - Journey Inwards



Sonntag, 20. April 2014

Feuerwehr beim Zündeln erwischt
















Schashagen/Brodau, Ostsee.
Wie auf obigem Foto eindeutig zu erkennen, ist es die Freiwillige Feuerwehr Dingenskirchen selber, die den Misthaufen von Bauer Heinsen in Brand setzt. Wahrscheinlich nur eine Maßnahme um den Tourismus im Ort etwas anzuheizen. Endlich mal was los hier, außer der großen Schnitzelkarte in der Brodauer Eiche.

Schnitzel mit Thunfisch, Paprika und Zwiebeln gefüllt mag sich seltsam anhören, war aber nicht übel und die Bratkartoffeln ebenfalls lecker. Weitere Ostseeausflugsabenteuerbilder gibt es, wenn ich irgendwann wieder Herr über meinen Rechner und meine Sinne bin. Weitere krude Verschwörungstheorien zum Thema Feuerwehr gibt es hier.

Zündelmusik: Molotov - Dance And Dense Denso

Freitag, 18. April 2014

Im Tal der wilden Kuschelkühe
















Was macht man an einem Sonntag, wenn die Augen erst am Nachmittag zur vollen Größe finden, das Wetter aber traumhafte Aufnahmen verspricht? Bei noch maximal drei Stunden anständigem Licht ist es ziemlich idiotisch, zwei davon im Auto zu verbringen, also sollte man sich auf die nähere Umgebung konzentrieren. Das Naturschutzgebiet Höltigbaum, geformt von den Ausläufern der letzten Eiszeit und Panzern der Bundeswehr, ist theoretisch sogar per pedes zu erreichen. Vor einigen Monaten schon wollte ich dort Rindviecher im Nebel fotografieren, habe aber leider außer Bäumen im Nebel nichts gefunden.

Das ist nicht weiter erstaunlich, denn das ist ein recht großes Gebiet mit sehr vielen Weiden und Wiesen, die von Heidschnucken, Galloways und Schottischen Hochlandrindern ganzjährig auf natürliche Art und Weise kurz gehalten werden. Da nicht alles komplett eingezäunt ist, sind Begegnungen mit den etwas größeren Hornträgern in freier Wildbahn durchaus möglich. Die sind zwar (darauf weisen einige Schilder hin) eigentlich friedliebend und sehr gutmütig, aber man sollte bei der Begegnung doch ein paar Regeln beachten. Genauer gesagt drei: Hunde anleinen, nicht füttern oder anfassen und 25 Meter Sicherheitsabstand, wobei der letzte Punkt ja den zweiten ohnehin völlig überflüssig werden lässt, wenn man nicht vorhat die Viecher aus 25 Metern Entfernung mit Karotten oder Äpfeln zu bewerfen.

Würde ich natürlich niemals nicht tun, aber angefasst hätte ich schon gerne. Gerade die Hochlandrinder sehen ungemein knuddelig aus mit ihren beatleesken Frisuren und dem dicken Flokatifell, beinahe wie Fabelwesen. Vielleicht wären sie auch nicht ganz so schreckhaft, könnten sie nur etwas besser aus den Augen gucken. Das würde eine Kontaktaufnahme deutlich erleichtern, aber wenn sich so eine knappe Tonne Muskelmasse erschrickt ist man heilfroh, wenn der Satz in die rückwärtige Richtung erfolgt.

Trotz ihrer imposanten Masse besitzen die Viecher einen ungeheuren Niedlichkeitsfaktor, wäre ich Bauer, Hochlandrinder wären eine erste Wahl. Ich würde sie dann wahrscheinlich alle mit Namen kennen und Vegetarier werden.

Fabelhafte Cowboymusik: Blaze Foley - Cold Cold World















Mittwoch, 16. April 2014

Goldene Regeln der Fotografie
















Bei Menschen und bei Tieren
auf die Augen fokussieren!

Muh :)



Regelt: Transglobal Underground - Impossible Broadcasting

Sonntag, 13. April 2014

Eine Frage der Einstellung





Es ist schon unglaublich was man für Verrenkungen machen muss, damit Gugel einem nicht in die Bilder pfuscht. Zwar werden die Fotos alle automatisch in Picasa Webalben gespeichert, doch in Picasa selber lassen sich, auch wenn man sich da anmeldet, keine Einstellungen machen. Man muss tatsächlich bei Gugelplus ein Konto eröffnen, sein Blog mit diesem Konto verknüpfen und dann in den Einstellungen die Häkchen für "Bildverbesserung" entfernen.

Dumm nur, dass Gugelplus sich bei der Anmeldung überaus restriktiv verhält, sobald es um den Namen geht. Es gibt zwar bei dem Laden schon vier Namensvettern von mir, aber Zaphod Beeblebrox will er partout nicht anerkennen. Es gibt ein Problem mit ihrem Namen. Tja, diese Klarnamenpflicht fand ich schon immer überaus bescheuert, wenn ich mich rücksichtslos durch das Internet pöbeln will ist es völlig egal, ob ich mich dabei Habakuk Tibatong nenne oder Gernot Schulze. Ob ich Beiträge in einem Forum oder Blog ernst nehme entscheidet sich am Geschriebenen, nicht am Namen des Schreibers.

Daher werde ich mich weiterhin im Netz als Zaphod Beeblebrox zu Wort melden und Erwin Lindemann auf seinem toten Gugelpluskonto versauern lassen, bis die sich wieder neuen Blödsinn ausdenken gegen den man sich wehren muss.

Wichtig ist einzig, dass ich mich ab heute nicht mehr über automatische Bildverschlimmbesserungen aufregen muss, deswegen gibt´s dazu ein schönes Beispiel aus der Reihe "Der Frühling wird bunt" (partiell).

Auch bunt, nicht nur partiell: Tamikrest - Chatma

Samstag, 12. April 2014

Immer alles in letzter Minute















Vorspiel
Heimspieltermine kennt man auswendig. Heimspieltermine kennt man auswendig. Heimspieltermine....bitte 100 mal an die Tafel schreiben Herr Beeblebrox, dann kommt man nicht so in die Bredouille. Wat für ein Stress, nur weil ich Anfang der Woche versprochen habe den Kinderkutscher zu machen. Aufstehen, Kippe, Kaffee, wech, zu futtern wird sich irgendwann etwas finden. Erst die Prinzessin aus dem Kindergarten abholen, Klamotten einsammeln, das große Kind von der Arbeit abholen und alles nach Pinneberg schaffen und dann irgendwie ins Stadion, rechtzeitig ist das eigentlich nicht zu wuppen.

Die Stadt ist gestopft voll, das hole ich auf indem ich die Geschwindigkeitsbeschränkungsschilder auf der Autobahn geflissentlich übersehe. Auf dem Rückweg bremst mich minutenlang eine Familienkutsche mit Unabsteigbaraufkleber aus, Autofahren können die also auch nicht. Das hole ich auf indem ich mich später an einen Bergrallyefahrer hänge, trotzdem kann ich die Anreise mit ÖPNV heute vergessen. Ich muss die Karre irgendwo stehen lassen, ohne den Sch.. Dom könnte ich direkt zum Stadion heizen.

In Barmbek finde ich einen Parkplatz, zwei Minuten zu Fuß zur U-Bahn, ein trockenes Käsebrötchen vom Bäcker und rein in den Zug. Super Frühstück, aber da ich heute ohnehin kein Bier trinken kann brauche ich ja keine Grundlage. Kein Mensch in St.Pauli Klamotten bis zum Hauptbahnhof, alles schon im Stadion verdammt. Es kotzt mich an, dass ich so etwas immer in letzter Minute machen muss, wann lern ich mal dazu.

U-Bahn St.Pauli die üblichen Nasen von der Kartenmafia. Habe eigentlich nur ich das Gefühl, dass die Kartenmafia inzwischen auch den Flaschenbierverkauf vor dem Stadion kontrolliert? Früher standen da irgendwie sympathischere Leute. Ich mach ´nen flotten Slalomlauf durch die zahlreichen Dombesucher, die Stadioneingänge sind so gut wie frei, so schnell bin ich noch nie reingekommen.

Eine Bratwurst als quasi zweites Frühstück nach dem öddeligen Brötchen wäre nicht schlecht, aber da stehen Leute an, das kostet mich über den Daumen fünf Minuten, das halbe Käsebrötchen muss erst mal reichen. Als Autofahrer trink ich eigentlich nichts, außerdem hat Herr L. bestimmt schon zwei Bier gekauft, also naja, also eins kann man schon mal. Stimme muss geölt werden, näch.

Wie erwartet erwartet mich Herr L. mit Bier und ich kriege noch schnell genug die Kamera aus der Tasche um die Blockfahne des Gegengeradesupportblocks nicht zu fotografieren, weil man die von hier oben einfach nicht wirklich fotografieren kann, so wenig wie das anschließende Konfettiinferno. Ich bin so doof, ich hätte mich zur Tresenkurve in die Meckerecke stellen sollen heute, da hätt man geile Fotos machen können. Nur sieht man das Spiel von da aus einfach nicht.

Nachtrag: ein hammergeiles Foto der Gegengeradenchoreo gibt es bei Stefan.

Spiel (1)
Und das wäre noch doofer, denn das entwickelt sich recht ordentlich. Torre und Gonther in der IV hab ich heute erwartet, und Boller ist auf der Bank! Endlich ist der Käpt´n wieder an Deck. Und Verhoek in der Startelf find ich gut. "Das gefällt dir, was?" grinst Herr L. mich an, "Ja" sach ich, pass ma auf, der macht seine Bude heute."  Lautern gleich mit ner Ecke, aber geklärt und danach sind wir gut in der Vorwärtsbewegung. Alles noch etwas ungenau, aber die Pfälzer sind noch ungenauer, daher kommen wir immer wieder vor ihren Strafraum. Nach zehn Minuten gibts ne Karte für den Lauterer Torwart, als der Verhoek im Strafraum umnietet. Das sah irgendwie nach Tätlichkeit aus, wieso gibt es dafür nicht rot?
Kurz darauf rennen Lakic und Torre mit Highspeed dem Ball in Richtung Strafraum hinterher, Lakic hebt ab und der Schiri pfeift. "Ich fass es nicht" brüll ich "der Arsch war nen Meter weit weg, mindestens."

Sieht der Schiedsrichter tatsächlich ähnlich, Lakic kriegt gelb für die Schwalbe und ich kann mich wieder beruhigen. Alter Verwalter, und nicht mal ne Sportzigarette dabei um den Blutdruck zu senken. Der geht gleich wieder hoch, weil mir Herr L. enthusiastisch um den Hals fällt. Schöne Flanke von Ratsche auf den langen Pfosten und da steht Joooohn Verhoek! O Johnnyjohnnyjohn come along come along. Yeah. Sach ich doch, der macht heute seine Bude, 1:0 Woohoo. 

Geht flott weiter danach, aber Lautern wird langsam stärker. Ziereis hat Probleme mit Idrissou und auf Lakic und Zoller muss man auch immer aufpassen, das ist ´ne ziemlich abgewichste Truppe. Und wenn Tschauner tatsächlich mal raus kommt aus seinem Kasten wird es immer interessant, noch interessanter wenn er gleich den Sechzehner verlässt. Manmanman, da spielen sich Sachen ab auf dem Rasen, ich glaub´s ja nicht. Unsere Jungs spielen den Tiki-Taka-Barcelona-Ballstafetten-Tango, jeder Ballkontakt wird von der Menge frenetisch begrüßt und ich fange an von einem Kantersieg zu träumen. Gegen die Region! Gegen die bin ich normal mit ´nem Unentschieden zufrieden. Oder einem dreckigen 1:0 mit Eigentor.

Dreckig ist es auch so schon, aber spannend. Leider machen wir es spannend, weil die Abwehr langsam schwimmt, wir kriegen den Ball nicht weg. Hier ´ne Ecke, da ´ne Ecke, und da mal´nen Freistoß und der ist dann auch drin, wunderschön in die Torwartecke getreten und zack - 1:1 durch Lakic. Wtf?

Und die nächsten Klopse dann in Reihe, Tschauner irrt wieder vor dem Strafraum herum und kommt nicht schnell genug zurück, Idrissou und Lakic verpassen die nächste Möglichkeit und neben mir startet Herr L. sein Nörgelmantra. "Wirladendieein, wirladendieein." Schachter und Torre kassieren gelb, manche Entscheidungen des Schiris sind nicht nachzuvollziehen. Warum der Ball dann im Netz ist und wir trotzdem kein Tor bekommen ist eine davon, aber die Szene ist von hier aus nicht klar zu erkennen. Abseits? Kein Plan, kurz vor der Halbzeit haut Halstenberg noch einen raus, bäng, Pfosten. Kagge. Pause.

Zwischenspiel
Herr L. geht Bier holen. "Du willst keins mehr oder?" fragt er mich. Hm. Eigentlich trinke ich kein Bier wenn ich fahren muss, oder höchstens eins. Da eins aber keins ist habe ich noch keins getrunken und eins geht ja. "Ach egal" sag ich, "bring mir eins mit. Eins ist keins." Wenn ich heute schon keine Sportzigaretten dabei habe, außerdem kann ich mir die Grundlage hinterher auf dem Dom anfressen, andersrum geht´s auch mal.

Langsam schnall ich das auch mit den Tapeten auf der Süd, der Schatz vom Fanladen hat Jubiläum und wird für 10 Jahre gefeiert. Ich bin viel zu selten im Fanladen, dabei könnte ich mal wieder nach Aufklebern gucken oder nachsehen ob die Kacheln in den Fanräumen noch heile sind, aber nach dem Spiel ist es einfach zu voll da. Als Herr L. mit dem Bier kommt entfaltet sich gerade ein Gespenst auf der Süd und wandert langsam Richtung Tormitte. Just als ich mich frage ob das etwa ein Aufstiegsgespenst sein soll wird diese Frage beantwortet. So halbwegs jedenfalls, ich rätsel noch ein wenig, aber dann ist Fußball.

Spiel (2)
Wir kommen leicht verbessert aus der Pause, Johnny verpasst leider die Führung weil er den Ball irgendwie am Ende doch verstolpert und Lenny ballert aus der Entfernung einen halben Meter daneben. Die klareren Chancen sind jedoch auf der anderen Seite, nicht zuletzt weil gefühlt jeder hoch nach vorne geschlagene Ball postwendend zurück kommt, wir gewinnen einfach kein Kopfballduell. Ziereis hat weiterhin Probleme mit Idrissou und Torre verliert gegen Zoller auch gerne mal die Orientierung. Wo war noch gleich der Ball? Ach, beim Gegner. Immerhin bügelt er seine Klopse aus und rettet für Tschauni auf der Linie. Der bleibt liegen und hält sich die Schulter, was für ne Shice ey, hoffentlich nicht wieder so ein Drama.

Kurz darauf ist es so weit, wir kriegen die Pille nicht aus dem Strafraum, das Ding eiert hin und her und dann ist er drin, 1:2. "Das war so klar" stöhnt Herr L. "wir haben drum gebettelt." Wir betteln weiter und haben Glück, dass nicht gleich der nächste Treffer fällt. Buchti geht für Kringe und nach der nächsten Rettungsaktion von Tschauner ist dann auch für ihn das Ende gekommen, er muss verletzt raus. Himmelmann kommt für ihn und ich hoffe die ganzen nebenberuflichen Forentrainer und Trainingskiebitze liegen richtig in ihrer Einschätzung, dass wir jetzt den eigentlich stärkeren Keeper zwischen den Pfosten haben.

Zehn Minuten vor Schluss kommt Maier für Ziereis, Schachten wechselt auf die rechte Seite und wir erhöhen den Druck. Schade, kein Comeback für Boller heute, aber vielleicht ja eine Freistoßchance für Basti. Die Zeit verrinnt wie in einer aufgebohrten Sanduhr, da kriegen wir tatsächlich noch einen Freistoß. Für einen Distanzschuss wohl etwas weit denk ich noch, aber Basti traut sich und haut den Ball an den Pfosten, dann ist Kringe dran und es steht 2:2. Woohoo, der pure Wahnsinn. Ausgleich in der letzten Minute, das Stadion tobt und Herr L. hüpft mir fast auf den Schoß vor Freude.

Jetzt könnte der Schiri eigentlich abpfeifen, denn wenn man es genau betrachtet sind wir heute mit einem Unentschieden gut bedient. Die Jungs auf dem Platz wollen aber mehr und sie bekommen die Gelegenheit, fünf Minuten Nachspielzeit werden ausgerufen. "Fünf Minuten" mecker ich "der tickt doch nicht sauber. Wer bitte lässt fünf Minuten nachspielen." Doch die erste Aktion der Nachpielzeit ist eine gelb-rote Karte für einen der Lauterer Spieler, jetzt haben wir noch 4 Minuten in Überzahl, da geht was.

Es geht was für die Region, Himmelmann ist zweimal zur Stelle und pariert stark, doch bei dem Knaller aus gut 20 Metern in den Winkel ist er machtlos. 2:3, in der 97. Minute und direkt darauf der Abpfiff. Siebenundneunzig! Heute muss wirklich alles in der letzten Minute stattfinden, was für ein Schlag in die Magengrube.

Nachspiel
Herr L. muss seine Biere wegschaffen, ich knips derweil ein wenig die Domlatüchten und dann ist Abmarsch. Kurz vor den Fanräumen noch mit Herrn B. geschnackt, aber als der mitkriegt dass ich nichts zum dampfen am Start habe will er auch gleich nach Hause. Eine halbe Stunde später werde ich mit Pommes und Erdnussauce, einer Currywurst mit Brötchen und einer Kirschtasche zum Nachtisch endlich das flaue Gefühl im Magen los und mache mich auf den Heimweg. In der Bahn sabbelt mich noch einer mit verpasstem Aufstieg voll, wenigstens das muss ich mir bis zur neuen Saison nicht mehr anhören.

Beruhigungsmusik: Kruder & Dorfmeister - The K&D Sessions