Sonntag, 16. Oktober 2016

Zweimal drei sind sechs zu wenig
















Für die ständig singende Südtribüne bräuchten wir etwas mehr Abwechslungen im Liedgut, vielleicht etwas, dass die momentane Lage widerspiegelt. Klassiker wie Wir sind die Fans von Sankt Pauli, wir sind immer traurig, denn wir gewinnen nie. Zum Beispiel. Oder ein paar neue Schüttelreime ausprobieren. Schon wieder kein Tor, schon wieder kein Tor, wenn wir singen ist das nur noch Galgenhumor. Obwohl, eins haben wir ja geschossen, einen Elfmeter. Davon hätten wir noch einen oder zwei nötig gehabt um das Spiel zu gewinnen und einer wäre sogar berechtigt gewesen, aber wie ich meinem Nachbarn schon sagte, wenn das ganze Stadion wieder einmal HAND oder ELFER gebrüllt hat, einen zweiten kriegen wir heute nicht.

Über Schiedsrichter zu lamentieren macht auf Dauer keinen Spaß, die haben zwar immer ihren Anteil gehabt am Unglück, doch für diese Grütze auf dem Rasen können sie nichts. Wie schon beim letzten Spiel gehen wir in Führung und stellen danach das Fußballspielen ein. Dummerweise führen wir schon in der dritten Minute und ein 1:0 über die restlichen mindestens 87 Minuten zu retten erscheint etwas gewagt. Klappt schon deshalb nicht, weil Buballa seinen Gegenspieler über das halbe Spielfeld nur begleitet, sich dann verladen lässt und die Flanke verwertet wird.

Ganz überraschend war das nicht, wir haben schon lange darum gebettelt. Ein furchtbares Gebolze, vor lauter Langeweile könnte man Pässe zählen. Bei Aue komme ich einmal auf vierzehn Zuspiele, bis Buchtmann endlich dazwischengeht. Einmal komme ich nur auf vier, da muss Robin mit einer Glanzparade retten. Bei uns lohnt sich zählen nicht, ich komme maximal bis drei, dann ist der Ball weg. Blind das Ding nach vorne dreschen kenne ich aus der Tresenliga, aber unter elf Profis muss doch wenigstens einer dabei sein, der den Ball mal unter Kontrolle bringen kann.

Schafft das zwischendurch mal jemand dann haben wir auch Chancen, so isset ja nich. Es gelingen auch Abseitstore, immerhin. Und Schüsse aus zu spitzem Winkel in das Außennetz, die höchstens Arjen Robben verwerten kann, aber Buchti eher nicht. Oder diese Chance von Ducksch, die mit mehr Selbstvertrauen eine gewesen wäre, wenn er es selber versucht, statt noch einmal quer zu spielen. Sie wollen ja, ich fürchte nur sie können es nicht besser und das ist ein Drama.

Denn insgesamt ist das einfach zu wenig, das hat mit Abstiegskampf noch lange nichts zu tun, es ist schlicht erschütternd wie Dudziak fast jeden Versuch der Balleroberung abbricht, weil er merkt dass er wieder einmal zu spät kommt, und wie ein Buballa nur noch hinterher läuft. Freundliche Gegnerbegleitung, keiner grätscht mal rein, kein taktisches Foul, nichts. Folgerichtig bekommen wir zwar auch keine gelbe Karte, aber dafür in der letzten Minute noch einen eingeschenkt und stehen wieder mit leeren Händen da.

Keine drei Punkte. Als wäre das nicht schon Drama genug, verletzen sich mit Nehrig, Ziereis und Bouhaddouz auch noch drei Spieler. Spieler, die enorm wichtig wären um wirklich mal wieder Punkte irgendwo holen zu können, ohne die drei wird es bedeutend schwerer.

Was sonst noch schlecht war:
Nichts, nicht einmal der Support. Wenn die Ballartisten auf dem Rasen nicht in Wallung kommen kann man wahrlich nicht mehr erwarten.

Was sonst noch gut war:
Die Musik vom Literaturnobelpreisträger vor dem Spiel.
Die Unterstützung für Deniz Naki, dem in der Türkei Knast droht wegen Terrorpropaganda oder ähnlichem aus den Fingern gesaugten Blödsinn. Meine rein symbolische Unterstützung bestand immerhin darin, einen alten Naki Bierbecher wieder in Umlauf gebracht zu haben.
Die Gesprächsrunde ohne Trainerdiskussionen vor den Fanräumen mit der Tresenkurve, bei der Koschi mir erzählt, er würde gerade ein großes Floß bauen, mit dem man auf der Elbe rumfahren und Partys feiern kann. Zwar baut er das nicht alleine, sondern mit dem Verein für mobile Machenschaften, aber das ganze Vorhaben klingt dermaßen interessant, dass ich mich früher oder später damit befassen muss.

Wenn Fußball gerade keinen Spaß macht muss man sich mit anderen Dingen ablenken.

Stadionfotos: Gegengerade Millerntor
Stadionbier: Hopper Bräu Helle Aufregung, Lager, 5.0%
Stadionmusik: Bob Dylan - Blonde On Blonde /  Blood On The Tracks / Time Out Of Mind
















Kommentare:

  1. Nachdem der erste Schock verdaut ist sag ich nur eins: wir steigen ab. Mit viel Glück ist vielleicht der Relegationsplatz drin. In der Mopo stand was von Luhukay, aber der wird nicht für einsfuffzig zu bekommen sein. Vielleicht schafft es Peterle doch noch zu seinem Lieblingsverein :D
    Ja ich weiß, du magst keine Trainerdiskussionen und hättest Ewald längst einen zehn Jahres Vertrag gegeben, aber so sehr ich den Mann auch mag, so wenig glaube ich das er das Ruder noch rum reißen kann.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Neururer für Lienen? Auf diese schwachsinnige Idee kommt hoffentlich keiner. Luhukay hätte das gleiche Personal zur Verfügung und das ist zumindest momentan zu dünn.

      Löschen