Donnerstag, 13. April 2023

Das Salpeterschiff

 









Hohe christliche Feiertage bei eher mittelprächtigen Witterungsbedingungen sind geradezu ideale Voraussetzungen, um im Kontorhausviertel halbwegs ungestört fotografieren zu können. Touristenhorden sind hier ohnehin nicht zu erwarten, hätten die letzten Randsteinparker die (durchaus noch vorhandenen) Parkplätze um die Ecke benutzt wär's noch schöner gewesen, aber man kann nicht alles haben. Zum Beispiel die legendären Treppenhausansichten, für die man wohl doch an einem Wochentag kommen muss.

So bleibt es vorerst bei ein paar Außenaufnahmen des von 1922 bis 1924 erbauten Chilehauses und seines Nachbarn, dem ebenfalls von Fritz Höger entworfenen Sprinkenhof. Bezahlt hat diesen Klotz, mit geschätzten 10 Millionen Reichsmark, der Hamburger Salpeterkönig Henry B. Sloman, damals wohl reichster Mann Hamburgs. 

Bekommen hat er dafür eine Ikone des Expressionismus (bei Wikipedia abgeschrieben), die seit 2015 zusammen mit der Speicherstadt UNESCO Weltkulturerbe geworden ist und wahrscheinlich hier und da ein paar Reichsmark von den Mietern, denn die 25.000 qm Bürofläche hinter den 2.800 Fenstern wird Henry damals nicht alleine genutzt haben.

Könnte man jetzt noch die dämliche Straßenbeleuchtung durch irgend etwas thematisch passendes austauschen, ich würd direkt nochmal vorbeikommen.

 

Fotos dazu: Kontohausviertel, Chilehaus (1-3), Sprinkenhof (4,5) - Nikon D7200, Sigma 10-20mm

Musik dazu: Robert Plant & Alison Krauss - Raise the Roof     

 



 

 

 

 

 

 

 

 



 

 


Sonntag, 2. April 2023

Eine fast schon unheimliche Serie

 










Der Fußballgott besitzt offenbar eine seltsame Art von Humor, jedenfalls was den FC St. Pauli betrifft. Hat er uns in der Hinrunde durch ungewollte Slapstickeinlagen noch reihenweise Punkte geklaut, sind wir in der Rückrunde zu einer Truppe dauersiegender Glückspilze mutiert, die selbst grottige Spiele gewinnt, ohne dabei auch noch selber ein Tor schießen zu müssen. Möglicherweise macht er das aber auch nur, um in Stellingen vermehrt Angstschweiß zu fabrizieren, wer kennt sich schon aus in den Gedankengängen von Göttern.

Was war das heute für ein schlimmes Gebolze, war der Rasen von Schneckes Abschiedsgala so kaputt, dass man darauf nicht mehr vernünftig spielen konnte? Verlernt man in Länderspielpausen das Gefühl für den Ball, oder warum kommen keine Pässe mehr an? Die dauernden Ballverluste, insbesondere in der zweiten Halbzeit, laden Regensburg zum permanenten Toreschießen ein und wären von einem anderen Gegner oder in einer anderen Spielzeit längst bestraft worden. 16:9 Torschüsse, das ist eine unangenehme Quote, wenn man sich das von den Rängen aus ansehen muss, schließlich könnte einer von denen mal einschlagen.

Gott oder wem auch immer sei Dank war das meist ausgesprochen harmlos, weil Regensburg da keinen Kleindienst oder Glatzel stehen hat. Typen, mit denen wir uns demnächst näher befassen müssen, wenn wir wirklich noch was reißen wollen. Bis es soweit ist haben sich die Jungs hoffentlich wieder an den Ball gewöhnt. 

Regensburg, da waren sich beide Trainer einig, hätte ein Unentschieden verdient gehabt und ich würde dem sofort zustimmen, hätten sie nicht nur ins eigene Netz getroffen. Dafür erinnere ich mich noch an zu viele Spiele der Hinrunde, in denen wir auch ein Unentschieden verdient gehabt hätten. Kaufen kann man sich dafür genau nix, außer einen neuen Trainer.

Sollten wir am nächsten Wochenende in Heidenheim gewinnen wären wir jedenfalls alleiniger Zweitligarekordhalter, mit 10 Siegen in Folge. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es genau hier vorbei ist mit dem Humor vom Fußballgott. Aber spätestens gegen Stellingen starten wir dann eine neue Serie, ja?


Was sonst noch gut war:

Die Abschiedschoreo für Antje Frohmüller. Kloß im Hals immer unvermeidbar, wenn die St.Pauli Familie von einem langjährigen Mitglied Abschied nehmen muss.

Was sonst noch schlecht war:

Hamburger Wetter hin oder her, so langsam nerven die Temperaturen. Hätte ich Bock auf Gefrierpunkt wäre ich Rentierzüchter in Lappland geworden.

Was ausnahmsweise nicht genervt hat:

Seit es im Stadion keine anständige Verpflegung mehr gibt, ist der DOM eine gute Möglichkeit seinen Hunger nach dem Spiel zu stillen und man muss sich dabei nicht einmal auf Currywurst beschränken. 


Fotos dazu: Gegengerade Millerntor - FC St. Pauli - SSV Jahn Regensburg, Endstand 1:0

Tore dazu: Owusu (23. / Eigentor)

Links dazu: Die doppelte Nummer 9 von Gröni und Im Willen liegt die Kraft vom Millernton

Musik dazu: Banco de Gaia - Last Train To Lhasa

 














 


Dienstag, 28. März 2023

Alter Käse und alter Adel

 









Wie in jedem Jahr verwöhnt uns Dänemark mit etwa 1.5 sonnigen Tagen pro Woche, so will es das Gesetz seit alter Zeit. Ein Ausflug in die weitere Umgebung wird geplant, Mr.T möchte nach Mommark, da kommt angeblich irgendein alter Käse her, den er furchtbar gerne isst. Wahrscheinlicher ist aber, dass der nur nach dem Ort benannt wurde, denn viele grüne Wiesen mit glücklichen Kühen sind ebenso wenig zu entdecken wie der Käsemann von nebenan. 

Der Hafen des Örtchens ist menschenleer, was kein Wunder ist, wenn die einzige Hot Dog Bude weit und breit geschlossen hat. Freunde des Angelsports können sich hier ein Boot mieten, im März scheint das Angebot allerdings auf nicht viele Freunde zu treffen, denn es ist kein Verleiher in Sicht, nur ein hölzerner Fischer und sin Fru bewachen die Szenerie. In Hamburg hätte man die längst geklaut.

Da es mit dem alten Käse so nichts wird beschließen wir, uns um den alten Adel zu kümmern und besuchen Augustenborg, was keine Borg ist, wie man vermuten könnte, sondern eher ein Slot. Hertuginde Louisa Augusta hat dort von 1771 bis 1843 residiert und hoffentlich nie ihre Brille in einem der vielen Zimmer verlegt. Der alte Prachtbau gehört zu den schönsten Barockschlössern Dänemarks, was nicht zuletzt der idyllischen Lage zu verdanken ist, die seinerzeit auch H.C. Andersen inspiriert haben soll.

Einer der märzmäßigsten Vorteile dieser Jahreszeit sind die quasi nicht vorhandenen Touristen, die einzigen beiden außer mir kann ich zur Not anpöbeln, wenn sie ins Bild latschen. Wenn Elektroinstallateure jetzt noch mit der Pferdekutsche kommen würden wär's perfekt, aber irgendwas ist ja immer..


Fotos dazu: Schloss Augustenborg, Mommark Hafen, Torhaus, Augustenborg Slot, Marstall, Park am Augustenborg Fjord, Torhaus Rückseite, Louise Augustas Plads - Nikon D7200

Musik dazu: Sofi Tukker - Soft Animals

 













 

 

Dienstag, 21. März 2023

Männer die auf Wellen starren

 









Wer Dänemark im März als Urlaubsziel wählt, der hat garantiert keinen Badeurlaub an nordischen Traumstränden im Sinn, eher dicke Jacken, prasselndes Kaminfeuer am Abend mit korrespondierenden Getränken, leckere dänische Boller oder Birkes zum Frühstück und möglicherweise sogar ein von der Natur großzügig unterstütztes Wellnessprogramm. 

Herr L. hat jedenfalls einen Schrittzähler am Arm und ist fest entschlossen, seine täglichen 10.000 Schritte abzuspulen, manchmal schon vor dem Frühstück. Wenn es nicht gerade regnet, schneit oder schneeregnet stolpern wir zu dritt durch die idyllische Landschaft, die zu ungefähr 50% aus momentan recht kahlen Feldern und zu 40% aus Ferienhaussiedlungen besteht. Die restlichen 10% sind der Strand, an den man immer kommt, egal in welche Richtung man geht, denn Als und Kegnæs sind Inseln.

Würde man es mit der Aktivität auf die Spitze treiben, könnte man sogar die zwei Hauptattraktionen der näheren Umgebung zu Fuß erreichen, das Migges Café in Skovby und Kegnæs Fyr, einen 1896 erbauten Leuchtturm, der bestimmt einen herrlichen Ausblick auf Strand, Felder und Ferienhaussiedlungen bietet, wenn man zu den Öffnungszeiten des Turmes kommt. 

Die Treppen von Kegnæs Fyr können aber garantiert auch nicht anstrengender sein, als ein Strandspaziergang bei Gegenwind, gefühlt mindestens Stärke 10, grobes Gesichtspeeling inklusive. Eine halbe Stunde bei niedrigen einstelligen Temperaturen an der Küste und man sieht aus, als hätte man gerade einen halben Liter Rotbäckchen auf ex gekippt. 

Dänemark im März ist pure Naturkosmetik.

 

Fotos dazu:   Skovmosestrand, Kegnæs Fyr, Dänisches Wetter, Migges Café, Hørup Hav - Nikon D7200

Musik dazu: Kamasi Washington - The Epic

 








 

 



Montag, 27. Februar 2023

Bomberjackenspacken

 










Ich hatte ja keine Ahnung! Bomberjacken, da hab ich immer gedacht, das wäre so etwas was der Herr Harris getragen hat damals, als er, ihr wisst schon... aber da hab ich wohl mal wieder Dresden und Rostock verwechselt. Kann passieren, ist ja eine ähnlich ätzende Klientel. 

Anfangs hab ich noch gedacht, die armen Rostocker, jetzt müssen die sich alle eine Bomberjacke kaufen, weil irgendein Spinner diese Idee hatte mit dem Bomberjackenfanmarsch, dabei sind die doch bestimmt seit 40 Jahren nicht mehr in Mode. Aber in Rostock schneidet man einfach ein Loch in einen Müllbeutel, stülpt sich den über'n Kopp und nennt das dann Bomberjacke. Einen Müllbeutel kann sich wahrscheinlich auch die letzte Lichtenhagener Hohlbratze noch leisten, dann passt das.

Immerhin haben die Bomberjackenspacken nur die Waschbecken im Gästeblock zertrümmert (um damit Leute zu bewerfen) und nicht noch die Toiletten, denn pissen muss man vielleicht noch, Hände waschen nicht unbedingt. Wenn euch ein Bomberjackenträger begegnet, gebt ihm nicht die Hand!

Die Ostseekackbratzen waren jetzt schon so lange nicht am Millerntor, dass ich beinahe vergessen hatte, was das für ein widerlicher Haufen ist. Gegen Vereine wie Rostock und Dresden wirkt sogar Stellingen inzwischen wie der leicht debile Typ von nebenan, den man irgendwie ertragen muss, wenn man ihm im Treppenhaus mal begegnet. 

Rostock aber ist schlicht unerträglich und zwar alles davon, das muss schleunigst zurück in Liga drei. Ist es da ein Wunder, wenn ein Sieg gegen diese Vereine noch einmal deutlich süßer schmeckt als jeder andere? 

Selbst dann, wenn er nicht so wirklich überzeugend ist, denn außer Dapos butterweicher Flanke und Jackson Airvines Killerkopfball waren es hauptsächlich zwei bis drei granatenstarke Reflexe von Nikola Vasilj, die uns den Arsch gerettet haben. Was da streckenweise für Harakirifußball im eigenen 16er zelebriert wurde war haarsträubend und auf drei Ecken in drei Minuten so kurz vor der Halbzeit kann ich gerne verzichten, das schadet meinem Blutdruck enorm. 

Vorne kommt der letzte Pass nicht an, weil der vorletzte eigentlich schon einer zu viel war und man besser hätte schießen sollen, oder die Chancen sind so groß und kommen so unverhofft, dass man sie vor lauter Schreck nicht verwandeln kann. Da fehlt einfach die Kaltschnäuzigkeit eines Burgstallers.

Vielleicht sollte Dapo öfter in den Strafraum dribbeln, so oft wie der gelegt wird springt früher oder später wenigstens ein Elfer dabei raus. Man könnte vielleicht auch mal länger als 10 Minuten testen ob Maurides weiß wo die Kiste steht. Irgendwann demnächst wird ein Tor jedenfalls zu wenig sein um ein Spiel zu gewinnen, dafür bieten wir hinten einfach zu viel an. Andere werden das ausnutzen.

Zum jetzigen Zeitpunkt hört sich 32 von 40 aber schon deutlich besser an als erwartet. Man könnte fast beruhigt sein.

 

Was sonst noch schlecht war:

Schlechter als hirnlose Faschos, die mit Böllern, Raketen und Waschbecken um sich werfen? Mal überlegen... 

Was sonst noch enttäuscht hat:

Wenn ganz ganz viele Menschen mit ihren Smartphones filmen, wie toll die Stimmung bei Pauli am Millerntor ist, dann ist die Stimmung bei Pauli am Millerntor meist nicht so toll, weil Smartphones keinen Lärm machen, außer in der Bahn. Das angekündigte Lautstärkeduell hat die Südkurve quasi kampflos gewonnen - und das bei einem Spiel gegen Rostock.

Es gibt Schiedsrichter, die töten mir mit ihren Nichtentscheidungen den letzten Nerv, der Herr Brand war so ein Fall, bei dem man sich über ein paar frühere Entscheidungen gefreut hätte. Merkt erst nach 60 Minuten, dass er auch Karten dabei hat und freut sich darüber so sehr, dass er noch ein paar davon verteilt. In der ersten Halbzeit nur ermahnendes Gelaber, das hat niemanden beeindruckt. 

Was sonst noch gut war:

Jackson Airvine Fußballgott. Hätt ich ja wirklich gerne noch mal gehört.

Ich lerne in meinem Alter noch das Hamburger Streckennetz kennen. Durch die Sperrung der U3 nach dem Spiel (angeblich haben irgendwelche Bomberjackenspacken einen kompletten Zug entglast) und meinen ausgeprägten Unwillen, die nächste S-Bahn Station anzulaufen, hab ich doch tatsächlich gleich zwei Buslinien kennengelernt, die mich zwar gemächlich, aber immerhin ein großes Stück, in die richtige Richtung befördern. Ich werd noch zum HVV Profi.

Was sonst noch getan werden musste:

Hab den Namen John Verhoek auf die Liste der Namen von Ex-Spielern gesetzt, deren Namen ich vergessen möchte.

 Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Hansa Rostock, Endstand 1:0

Tore dazu: Jackson Irvine (26.)

Links dazu: Kogge versenkt - Immer wieder Hansa - Ungewohnt, aber stabil

Musik dazu: Acid Arab @ Kiosk Radio 23.1.20