Sonntag, 12. Februar 2023

Die einzige Null von Wert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie dumm kann man eigentlich sein? Das ist, offen gesagt, eine Frage die ich mir tatsächlich öfter stelle als mir lieb sein dürfte. Letzten Sonntag erst kam ich zu der Überzeugung, mit dem Auto zum Millerntor zu fahren wäre der letzte Schwachsinn und heute sitze ich schon wieder in der Kiste. Nur weil ich gestern zufällig über einen gigantischen Haufen von sogenannten Schienenersatzfahrzeugen gestolpert bin, die den Farmsener Bahnhof fast vollständig blockiert hatten. Laut Fahrplan verkehren die wegen Brückenbauarbeiten zwischen Farmsen und Wandsbek Markt, was völlig inakzeptabel ist wenn man zum Fußball will. 

Die Alternative wäre Regionalbahn oder Auto und weil ich die Regionalbahn aus diversen Gründen gerne meide, meldet sich wieder das Teufelchen im Ohr. Sooo schlimm war das jetzt auch wieder nicht mit dem Parkplatz, im Auto ist es warm und trocken, man kann gute laute Musik hören, fünf Euro Parkgebühr plus Sprit sind auch nicht viel mehr als eine Tageskarte, lauter so Zeug.

Zehn Minuten vor Anpfiff sitze ich immer noch im Auto und nur mein Gepöbel ist lauter als die Heartless Bastards im Player. Weil Geiz so geil ist beschäftigt die Firma Goldbeck nur einen (1!) Ticketverkäufer für das gesamte Heiligengeistfeld, wodurch sich auf der Glacischaussee ein Stau östlich bis zum Michel und einer nördlich bis zur Musikhalle bildet, ein Kollaps mit Ansage, der unbedingt Konsequenzen haben sollte. 

Dass ich es im Aufgang noch schaffe das Aux Armes mitzubrüllen, sogar mit einem bierähnlichen Kaltgetränk in der Hand, hätte ich kaum zu hoffen gewagt. Gleich rein ins Vergnügen, gegen einen meiner Lieblingsgegner, den ich fast so gern wegballern würde wie Stellingen oder die von der Ostseeküste. Siege gegen Kaiserslautern machen immer noch doppelt so viel Spaß wie normal schon, blöderweise schmerzen mich Niederlagen gegen die auch doppelt, was jedes Spiel zu einer sehr diffizilen Angelegenheit macht. 

Momentan soll es auch noch schwierig sein gegen die Region zu gewinnen, jedenfalls sind die seit soundso vielen Spielen auswärts unbesiegt, was schon recht lange sein muss, sonst würd man das nicht dauernd erwähnen. Um auswärts unbesiegt zu bleiben muss man allerdings nicht unbedingt Tore schießen und das scheint mir auch das ganze Geheimnis hinter dieser Serie zu sein, denn so erschreckend guten Fußball spielen die nicht. Zum einen haben wir sehr viel Ballkontrolle, zum anderen diese drei Typen vor unserem Torwart, an denen man erst mal vorbei kommen müsste, was sich auch bei zunehmender Spieldauer als nahezu unmöglich erweist.

Da unsere Offensivabteilung auch nicht gerade eine Überdosis an Kreativität erwischt hat, könnte das eine entspannt langweilige Halbzeit sein, müsste man sich nicht laufend über den Schiedsrichter aufregen. Dessen beste Leistung sind die halbfertigen Sprühsahnesmileys, die er laufend auf den Rasen zaubert, ansonsten guckt er einfach zu oft zur falschen Zeit in die falsche Richtung, was meinen Nachbarn wiederum häufig auf die Palme bringt, so hat dann jeder was davon. 

Die Meckerecke auf Twitter hat drei Punkte garantiert, folglich muss der entscheidende Punch irgendwann in der zweiten Hälfte kommen. Nach diversen Versuchen der Jungs sich dem Tor anzunähern entscheidet sich Eric Smith in der 72. Minute für einen Zuckerpass, der jeden Diabetiker auf der Stelle ins Koma geschickt hätte, direkt in den Lauf von Connor Metcalfe. Bäm! Zwei Tore in zwei Spielen sind für einen Ex-Verteidiger gar nicht mal so schlecht, oder? 

Es wäre aber nicht mein Verein, würden sie nicht direkt im Anschluss daran beweisen, dass sie auch Chaos verursachen können. Nach dem Motto "ohne graue Haare kommst Du hier nicht raus" sorgen sie doch noch für das richtige Kaiserslauternfeeling und spielen minutenlang Pingpong in der Abwehr, glücklicherweise ohne ernste Folgen. Umso schöner klingt dann der Schlusspfiff.

Drei Spiele, drei Siege. Eine Eintagsfliege ist das jedenfalls nicht mehr, mal sehen wie das gegen Mannschaften aussieht die auch Fußball spielen können. Die einzige Null von Wert ist die, die hinten steht. 

 

Was sonst noch gut war:

Das Sondertrikot.

26 von 40.

Was nicht ganz so schlecht war wie gedacht:

Wenn man seine Karre auf dem scheiß Feld endlich wiedergefunden hat kann man es wirklich in unter 10 Minuten schaffen da wegzukommen. Trotzdem sollte ich langsam schlauer werden.

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - 1.FC Kaiserslautern, Endstand 1:0

Tore dazu: Connor Metcalfe (72.)

Links dazu: Gewonnen im Meer gelber Karten - Fußball gewinnt - Heim.Stark.

Musik dazu: Faithless - Sunday 8PM / Outrospective 

 









 

 

 



Samstag, 11. Februar 2023

Grapparadiesische Zustände

 










Auf der Suche nach aromatischen Amalfizitronen war ich schon kurz davor die Dinger im Internet zu bestellen, inklusive sündhaft teurem Amalfizitronenfruchtaufstrich. Man gönnt sich ja sonst nichts. Da mir das aber zu lange dauern würde und ich die Zitronen JETZT haben will, strenge ich tatsächlich mal meinen Grips an und versuche logische Schlüsse zu ziehen. Amalfizitronen kommen aus Italien, folglich sollte wenigstens der italienische Fachhandel so etwas vorrätig haben und prompt fällt mir auch das Grapparadies ein, das ich viel zu lange nicht aufgesucht habe. Wenn es in Hamburg irgendwo Amalfizitronen gibt, dann garantiert im Grande Mercato von Vincenzo Andronaco.

Der erste Blick fällt auf die übliche saure Netzware, die es in jedem Supermarkt gibt. Nachdem ich den Schreck überwunden habe, entdecke ich die wahrhaft edlen Teile auf der gegenüberliegenden Seite, selbstverständlich mit Ästen und Blättern, weil das so schön dekorativ ist. Für etwas über 5 Euro pro Kilo geradezu ein Schnäppchen, dafür hab ich bei meinem Edeka im letzten Jahr gerade einmal zwei Stück bekommen. 

Natürlich wäre es vollkommen blödsinnig, nur für ein paar Zitronen durch die halbe Stadt zu gurken, den Ausflug muss man schon merken auf dem Girokonto. Mein Lieblingsgrappa ist allerdings mal wieder ausverkauft, die so eingesparten 210 Euro versuche ich sinnvoll an der Frischetheke umzusetzen, was mir trotz 3P (Parmaschinken, Pecorino, Provolone) nicht ganz gelingt, aber im Einkaufskorb ist ja noch Platz. Man könnte vielleicht mal handgeschmirgelte Pasta di Bronzo für sagenhafte 9 Euro kaufen, nur um zu gucken ob der Unterschied zu Barilla und Co. den Preisunterschied rechtfertigt. Für nur 5 Euro mehr gibt es die Pasta aber auch schon gefüllt im Kühlregal, die Tortelloni Garnele/Zitrone wandern in den Korb. Heimspielnachmittagsessen, in 10 Minuten fertig, keine Arbeit und auf irgendwas muss der Pecorino ja auch drauf.

Den Provolone werde ich mir dann als Dessert gönnen, mit etwas Ciliegie e Peperoncino. Das Zeug hatte ich schon fast wieder vergessen, wie günstig dass Vincenzo das in Augenhöhe neben der sizilianischen Mandarinenmarmelade platziert hat, so konnte ich das gar nicht verfehlen. Olivenöl könnte man noch mitnehmen, wenn man nur wüsste, welches von den unzähligen Olivenölen italienische Restaurantbesitzer für ihr Restaurant und welches sie privat benutzen. Ich muss bei den dreißig Sorten im Supermarkt schon grübeln, das hier überfordert etwas.

Richtig guten Limoncello würde ich gerne mal probieren, am besten natürlich einen aus Amalfizitronen, die bisher eher schrecklichen Erfahrungen mit dem Zeug und die Unkenntnis, welche der zahlreichen Sorten ein richtig guter Limoncello sein könnte lassen mich zurückschrecken, dafür finde ich noch etwas für die schnelle Küche. Eigentlich ist Pesto aus dem Glas meist die Pest ohne o, aber wenn das Zeug aus Catania kommt, dreimal so viel kostet wie der Kram von Bertolli und einen Pistazienanteil von immerhin 60% aufweist könnte das einen Versuch wert sein.

Am besten mit teuren Bronzenudeln. Wenn nur eine der Zutaten wirklich etwas taugt wird's schon schmecken.


Fotos dazu: Grappa-Zitronen-Olivenöl / Samsung A33

Musik dazu: Bab L'Bluz - Najda!

 



 

 

 



 

Montag, 6. Februar 2023

Eiskalt abserviert

 










Es gibt wahrhaftig angenehmere Möglichkeiten in den Sonntag zu starten, als mit nervendem Wecker und einem Blick auf das Außenthermometer. Das erste was mir dazu einfällt sind natürlich nicht die armen Menschen mit xhundert Kilometern Anfahrtsweg, die schon seit Stunden unterwegs sind, weil sie so bekloppt waren sich diesen Verein auszusuchen, nein, ich verfluche wieder den verpassten Aufstieg, weil 1530 einfach so eine Traumanstoßzeit wäre, nach zwölf Jahren in der zweiten Liga. Die natürlich auch den Menschen mit xhundert Kilometern Anfahrtsweg zugutekommen würde.

Die aufgehobene Maskenpflicht im Nahverkehr und meine angeborene Bequemlichkeit sind die zwei Teufel im Ohr, die mich zu der am Ende nicht ganz so brillanten Idee verleiten, mit dem Auto zu fahren. Das funktioniert zwar bis zum Millerntor wunderbar flüssig, aber die 25 Minuten Reststau vor dem Parkplatz Heiligengeistfeld sind schon ein Hinweis darauf, was mich nach dem Spiel erwarten wird. Experiment gescheitert, dann doch lieber wieder HVV.

Nichtsdestotrotz hat sich der ganze Stress gelohnt, denn so oft kommt es ja nicht vor, dass wir den "kleinen hsv" so schön eiskalt abservieren und mit einem schmeichelhaften 2:0 nach Hause schicken können. Ich kann mich an jede Menge ziemlich ätzende Spiele gegen die Grünlinge erinnern, nicht einmal habe ich mich so entspannt wie heute. Trotz ein paar kleinerer Unsicherheiten bei Mets und seiner frühen gelben Karte hatte ich nie das Gefühl, dass da heute was anbrennen könnte. Jakov findet langsam wieder zu alter Stärke zurück und Eric Smith ist eh eine Bank. Eine Abwehr aus Granit, damit sollten wir einen einstelligen Tabellenplatz sichern können.

Vor allem seit wir gelernt haben, dass man auf das Tor schießen muss, wenn man eines erzielen will. Wenn das eine amtliche Fackel ist, die der Torwart nicht festhalten kann, dann muss nur jemand etwas schneller im Kopf sein und das Ding sitzt. Es hätte mich vielleicht noch ein bis zwei Winzigstel mehr gefreut, wenn Dapo den selber verwandelt hätte, aber stehende Ovationen nach dem ersten Auftritt am Millerntor haben noch nicht viele geschafft, das Ding macht er dann vielleicht gegen Kaiserslautern. Wenn Daschi bis dahin seine Schusstechnik verbessert könnten wir vielleicht sogar mal höher gewinnen, mit Abprallern funktioniert das schon ganz gut.

Nach zwei gewonnenen Spielen in Folge und einem weiteren Heimspiel vor der Brust kann Mensch schon ein wenig von der Gier nach mehr gepackt werden, wie das so ist wenn man aus bescheidenen Verhältnissen kommt und fast drei Monate auf richtigen Fußball verzichten musste. Ich könnte aber auch damit leben, wenn wir bis Ende der Saison einfach immer eins mehr schießen als der Gegner, solange dabei so schöne Dinger fallen wie das 2:0 von Connor Metcalfe. Noch schöner wäre es freilich, müsste man nicht etliche Minuten auf den Videokasper warten, bis man weiß ob man überhaupt jubeln darf.  

Die entscheidende Frage in der weniger spektakulären zweiten Hälfte war dann auch nur, ob Leitl den mit Afolayan völlig überforderten Neumann rechtzeitig auswechselt, oder darauf wartet dass der Schiedsrichter das übernimmt. Seit schlaue Analysten herausgefunden haben, dass wir gegen Gegner in Unterzahl auch nicht unbedingt schlechter abschneiden, findet letzteres durchaus meine Zustimmung. Fast hätten wir das ausnutzen können, aber wenn der Gegner weniger Beine zur Verfügung hat, stellen wir halt unsere eigenen Gräten in den Weg oder stehen im Abseits, wenn wir schon die Kiste treffen.

Natürlich könnte man jetzt einfach mal glücklich sein, aber wenn es nix zu meckern gäbe, gäbe es auch nix zu verbessern. Sagt der Trainer ja auch immer. Also jeder Trainer, wahrscheinlich sogar Nagelsmann.


Was sonst noch gut war:

Dapo Afolayan. Könnte in Rekordzeit zum Publikumsliebling werden, ganz starker Auftritt. Nur durch Fouls zu bremsen, das hat dann irgendwann auch Konsequenzen.

Manolito 💗 ist einfach der geilste. Der beste Sommertransfer heißt definitiv Saliakas, als Gegenspieler hätt ich da absolut keinen Bock drauf und das ist sooo spaßig.


Was echt übel war, aber selbst eingebrockt:

50 Minuten vom Heiligengeistfeld auf die Glacischaussee, weitere 10 bis zur Budapester, in der Zeit wäre ich mit Bus und Bahn zu Hause gewesen. Wenn man aus Frimsen an der Truhe kommt mag das die beste Möglichkeit sein, aber als Hamburger ist das echt schwachsinnig.

 

Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St. Pauli - Hannover 96, Endstand 2:0 / Canon Powershot SX280

Tore dazu: Lukas Daschner (17.) Connor Metcalfe (27.)

Links dazu: Den kleinen HSV groß ausgekontert

Musik dazu: Acid Arab - Djazirat El Maghreb / Musique de France / Jdid / Trois











 


Samstag, 28. Januar 2023

Eine mordsmäßig schreckliche Familie

 








Wer klettert absurd glatte Felswände hoch wie eine Eidechse, springt aus noch absurderen Höhen herunter ohne sich einen Knochen zu brechen, balanciert auf dem Mast eines im Sturm schwankenden Schiffes, massakriert haufenweise Athener, Spartaner und andere Gangster, ist aber zu doof die klapprige Holztür eines bäuerlichen Anwesens einzutreten? Kassandra von Sparta, Tochter des Pythagoras, angebliche Enkelin von Leonidas und Protagonistin in Assassin's Creed Odyssey. Nach Origins der zweite und höchstwahrscheinlich letzte Teil der Serie den ich durchgespielt habe. Aus diversen Gründen.

Habe ich bei Origins noch die simple Handlung bemängelt, war der Rachefeldzug Bayek von Siwas wenigstens nachvollziehbar und die Charaktere einigermaßen glaubwürdig. Aber wer sich die völlig schwachsinnige Geschichte dieser Spartanerfamilie ausgedacht hat, muss ein wahrhaft teuflisches Kraut geraucht haben. Was für eine Sippe. Alles Schlampen, außer Mutti. Weil Mutti aber gerne ihre Familie glücklich vereint sehen will, geben wir uns alle Mühe und verschonen das Pack für ein Happy End, nur weil ich das aus purer Gewohnheit immer anstrebe.

Erst Vati, der uns als Kind nach alter Spartanersitte über die Klippen geworfen hat, dann das arrogante Arschloch von Stiefbruder und am Ende sogar den leiblichen Bruder, der sich inzwischen zur Nummer zwei des feindlichen Templerordens hochgemordet hat. Dann hat man zwar am Ende eine sehr fähige Schiffsbesatzung für die Adrasteia, aber sollte ich jemals in Versuchung kommen das noch einmal zu spielen mach ich sie alle kalt. Ist mir dann auch egal was Mutti dazu sagt.

Das wird höchstwahrscheinlich aber nie passieren, denn Griechenland ist, verglichen mit dem Ägypten in AC Origins, nicht halb so interessant und nicht halb so abwechslungsreich. Alexandria und der Leuchtturm von Pharos schlagen Athen mitsamt Akropolis um Längen, die Pyramiden von Gizeh sind ohnehin unerreicht und lieber reite ich im Galopp durch die Wüste oder das Nildelta, als wieder vor der Felswand eines griechischen Gebirges zu stehen, das ich dann entweder weiträumig umreiten oder erklettern kann, je nachdem was schneller erscheint. Schlimmer als Norwegen.

Hat mich AC Origins noch durch seinen Detailreichtum beeindruckt, ist es bei Odyssey die schiere Größe der Karte die einen erschlägt, der drölfzigste griechische Tempel auf dem Berg gegenüber wird aber irgendwann langweilig. So ganz überzeugt waren die Programmierer wohl auch nicht, weshalb einen die Hauptmission nicht einfach in den Hafen von Piräus einlaufen lässt, was ja naheliegend wäre, will man nach Athen. Statt dessen ankern wir irgendwo vor der Küste und müssen einen Berg besteigen, der zufällig einen beeindruckenden Blick auf Athen samt Akropolis bietet. Ist man in dem von Sparta belagerten Loch allerdings erst mal drin, will man da auch schnell wieder weg.      

Was mich bei Laune gehalten hat waren die Nebenquests um Hippokrates, Sokrates, Alkibiades, Perikles und anderen Figuren der griechischen Geschichte, die zwar nicht minder blödsinnig, aber stellenweise immerhin witzig waren, die Seeschlachten mit der voll aufgerüsteten Adrasteia gegen legendäre Piratenschiffe und die ziemlich herausfordernden Kämpfe gegen Wesen der griechischen Mythologie. Als nicht besonders geschickter Spieler bin ich immer noch überrascht, dass ich den Zyklopen, die Medusa und den Minotaurus (fast) immer beim ersten Versuch erledigen konnte.

Es wären auch noch genug Nebenmissionen und Herausforderungen für zehn bis zwanzig Spielstunden vorhanden, aber inzwischen geht mir das seltsam emotionslose Wachsgesicht von Killer-Kassandra ein wenig auf den Zeiger, ich war auf jedem Gipfel und auf jeder Insel Griechenlands, hab 1000 Tempel besucht, 1000 Soldaten getötet und die Adrasteia und ihre Besatzung können es mit jeder Flotte aufnehmen, es reicht.

Vielleicht guck ich mich demnächst mal ganz woanders um. Der wilde Westen wäre vielleicht eine Möglichkeit, endlich mal Cowboy spielen und wenn man schießt fällt wirklich einer um, so etwas hatten wir ja damals nicht und Red Dead Redemption sieht schon krass geil aus.

Allerdings bin ich noch nicht sicher ob es mir gefällt Banken auszurauben, Postkutschen zu überfallen und armen Farmern auf's Maul zu hauen, weil die ihre Schulden nicht bezahlen können. Das ist nicht mein Stil, normalerweise schieß ich lieber untoten Unterweltfürsten einen Pfeil ins Auge. 

Fotos dazu werden auch immer realistischer, jetzt sogar mit Sensorflecken: Assassins Creed Odyssey

Musik dazu: Klangstrahler Projekt - The Secret Files 

 














 

 

 

   

 



Donnerstag, 19. Januar 2023

Geschichten aus der Küche

 









Früher war zwar nicht alles besser, einiges dafür sehr viel einfacher. Zum Beispiel diese Ernährungssache. Man hatte entweder Brot und Aufschnitt in der Firma liegen, holte sich vor der Schicht Brötchen oder nutzte die Kantine. Wenn ich am Wochenende mal am Herd stand, weil dem Appetit auf anständige Frikadellen anders nicht beizukommen war, blieb das eher die Ausnahme. Unterwegs ein Restaurant, nach Heimspielen der Lieferservice, alles ungesund, aber macht satt und spart Zeit, von der man eh zu wenig hatte. 

Hat man aber auf einmal viel Zeit und keine Kantine mehr, sieht die Sache schon anders aus. Der Lieferdienst ist nicht nur aus finanziellen Gründen keine Option, will man sich nicht dauerhaft von Pizza, Burgern und Sushi ernähren. Nach Jahrzehnten der spannenden Wahl zwischen Kantine oder Stulle wird jetzt also gekocht. Nicht immer, aber doch relativ häufig.

Obwohl schon recht viele Menschen meine Fähigkeiten in der Küche mit Lob bedacht haben, stehe ich der ganzen Sache eher skeptisch gegenüber, möglicherweise waren die auch alle nur zu faul selber zu kochen. Für gänzlich untalentiert habe ich mich zwar nie gehalten, aber seit ich einen wahren Meister dieses Fachs kennenlernen durfte, hat das dem Selbstvertrauen einen ziemlichen Dämpfer verpasst. Jetzt weiß ich wenigstens, woher die teils absurden Zubereitungszeiten in Rezepten kommen. Die machen alles gleichzeitig und alles dreimal so schnell wie Otto Normalkoch, trotzdem alles aufwändiger, weil sie gleich drei Pfannen benutzen statt einer und natürlich schmeckt das dann auch alles dreimal so gut wie gewohnt.

Ist man mal ein paar Tage von so einem Sterneküchenbrutzler verwöhnt worden, kann man sich gut neu einschätzen, weil man jetzt immerhin weiß wie es schmecken könnte, würde man einen ähnlichen Aufwand betreiben, das nötige Können vorausgesetzt. Trotzdem bin ich nicht ganz ungeschickt in der Küche und einfache Rezepte sollten mir eigentlich keine Schwierigkeiten bereiten, schließlich will man sich nicht auf Bratkartoffeln oder Spaghetti Bolognese beschränken und auch mal Experimente wagen.

Keine große Hilfe dabei sind seltsame Youtubekanäle, die mir laufend most delicious dishes empfehlen, die allesamt easy to cook sind und in der Hauptsache aus Resten, Dosenthunfisch und/oder Hackfleisch bestehen, die man zusammen in der Pfanne erhitzt, oder irgend etwas damit füllt um es in den Ofen zu schieben. Das kann wirklich jeder Trottel (ich hab's versucht) und das Ergebnis schmeckt so wie es aussieht. Ungesund, macht aber satt.

Auf Twitter bekommt man am laufenden Band zu sehen, was sich die Leute so an Leckereien gönnen, aber selten die Rezepte dazu und auf chefkoch.de sind mehr Witzbolde als Chefköche unterwegs, da muss man nach Perlen lange suchen. 

Bei Spiegel Online hat es mir ganz besonders die Rubrik "Nervennahrung" von der Frau Lugert angetan, in der sie jedes Wochenende ein neues Rezept veröffentlicht und ihre Gerichte derart märchenhaft blumig beschreibt, dass man den zart schmelzenden Käse und die Kräuter fast schon riechen kann. Interessant ist die Rubrik vor allem, weil von Älplermagronen bis Bibimbap lauter exotisches Zeug dabei ist, das des Köchleins Horizont erweitern könnte. Ganz besonders gefreut hat mich neulich ein relativ einfaches Rezept fürt Mole Poblano, was ich beim nächsten Versuch noch etwas verfeinern werde, für's erste Mal aber schon recht zufriedenstellend war. 

Der Chicorée-Mandarinen Salat mit Ziegenfrischkäsedressing und karamellisierten Walnüssen war ganz großartig, hab den an einem Abend weggeknuspert. Simpel und gut, sieht man von der nervtötenden Arbeit des Mandarinenfiletierens ab, aber dafür musste man wenigstens den Herd nicht anmachen. Soll man den allerdings benutzen kann es schon mal kritisch werden, denn von der Vorstellung, man müsse sich nur sklavisch genau an Mengen, Zutaten und Garzeiten halten, dann hätte man am Ende ein professionelles Sternekochgericht auf dem Teller, hab ich mich inzwischen verabschiedet.

Dabei bin ich nicht mal sicher, dass das immer an mir liegt, aktuell bringt sie mich wieder zur Verzweiflung mit einem Kimchi Grilled Cheese Sandwich. Eine Kalorienbombe, aber bestimmt großartig! Das köstlichste Käsesandwich aller Zeiten!

Das hörte sich nicht nur fantastisch an, das kam auch gerade zur rechten Zeit, da mir eine Freundin neulich den Rest ihres selbst angesetzten Kimchis vermacht hatte und noch ausreichend Raclettekäse übrig war. Wenn schon zufällig alle Zutaten im Haus sind, muss man das natürlich sofort ausprobieren.

Aber entweder bin ich zu doof oder die Frau Lugert hat eine Pfanne mit Oberhitze, denn mein Käse schmilzt nicht in 5 Minuten bei heruntergeschalteter Hitze, auch nicht wenn ich einen Deckel auf die Pfanne lege und schon gar nicht der Käse, der auf dem Kimchi liegt. In zehn Minuten sah das zwar schon besser aus, aber nicht auf der Unterseite, die war schwarz, wie es Brot halt wird, wenn es zu lange in der Pfanne liegt.

Meiner bescheidenen amateurhaften Meinung nach (ich bin ja kein Koch wie die Frau Lugert) ist da schon die Reihenfolge falsch. Wenn ich das eine Brot mit Senf bestreiche, erst den Kimchi und dann den Käse drauflege und auf das andere draufzuklappende Brot nur Käse, ist erstens der Zeitpunkt des Schmelzens unterschiedlich und zweitens hab ich die Reihenfolge Brot -> Senf -> Kimchi -> Käse -> Käse -> Brot. Das macht in meinen Augen keinen Sinn, weshalb ich die Reihenfolge Brot -> Senf -> Käse -> Kimchi -> Käse -> Brot bevorzugen würde, wenn ich noch Kimchi hätte, aber der ist nu alle.

Ich bin auch nicht sicher ob man den ganzen Kram in der Pfanne machen sollte wenn man einen Kontaktgrill besitzt, mit Butter beschmieren kann ich die auch so und brauch dafür keinen ganzen Esslöffel. Aber vielleicht hat Frau Lugert ja keinen Kontaktgrill und muss das deshalb in der Pfanne machen.

Heute hab ich einen Kopf Weißkohl gekauft. Nicht etwa, weil ich vorhätte Kimchi zu machen, das würde viel zu lange dauern und ich hätte Chinakohl kaufen müssen, aber Frau Lugert hat da wieder etwas in petto, was ziemlich einfach klingt und auch ein klein wenig exotisch, Krautfleckerl hatte ich jedenfalls bisher nicht auf dem Zettel. In diesem speziellen Fall werde ich mich allerdings nicht sklavisch an das Rezept halten, denn Kümmel ist so ziemlich das ekelhafteste Gewürz überhaupt. Das muss auch ohne gehen.

Sollte das dann zu einer Enttäuschung führen muss ich wohl wieder eine meiner simplen Eigenkreationen bemühen. Die Garnelen mit Schalotte und Knoblauch in Portweinsahne mit den roten Chilinudeln von Aldi waren ziemlich genial und die Zutaten sind alle vorhanden.

Foto dazu: Chicoréesalat mit Mandarinen / Samsung A33

Musik dazu: Mark Knopfler - Down The Road Wherever

Mittwoch, 14. Dezember 2022

Pictures at an Exhibition

 









Hannover ist durchaus auch jenseits von Auswärtsspielen eine Reise wert und wer jetzt darüber lacht dem sei gesagt, dass man in Hannover immerhin einen Parkplatz findet, wenn man da hin muss. An einem Samstagnachmittag. In einer Wohngegend. Zehn Minuten vom Hauptbahnhof. Versuch das mal in St.Georg.

Das erklärt natürlich nicht, warum ich mich jenseits von Auswärtsspielen in Hannover herumtreibe, aber auch da gibt es nette Menschen und Angebote, die man nicht ablehnen kann. Eine Freundin darf ihre Bilder in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade ausstellen, weil der Schuhladen noch keinen Nachmieter gefunden hat und ich darf Kunst und Künstler fotografieren. Endlich mal etwas anderes als Dorfteiche. 

Bei der Vernissage werden vernissagetypische Getränke angeboten, Sekt, Sekt mit O und Herri, wie man das Bier in Hannover nennt. Also eigentlich kein Grund sich dauerhaft an der Bar aufzuhalten, stünde da nicht die entzückendste Bardame überhaupt, von der ich mich leider irgendwann losreißen muss, weil es ja nicht mein Job ist Bardamen zu fotografieren.  

Immerhin kann ich endlich mal die Gelegenheit nutzen und Künstler zu ihrem Werk befragen, das erleichtert ungemein das Verständnis für alles, was über Bob Ross hinausgeht. Der in Künstlerkreisen übrigens durchaus wertgeschätzt wird wie ich erfahre, schon weil er viele Menschen zur Malerei gebracht hat. Angeblich sogar völlig untalentierte, ich werd's aber wohl doch lieber nicht versuchen.

Die Kunst bereitet mir ja jetzt schon leichte Kopfschmerzen, denn wie fotografiert man Kunst? Um das möglichst exakt abzubilden müsste man eigentlich in ein Studio gehen, aber solange der Name nicht Kandinsky und der Ort nicht das Guggenheim-Museum ist wird mein Einsatz noch reichen hoffe ich.

Fotos dazu: Nikon D7200

Musik dazu: Thees Uhlmann - 100.000 Songs Live in Hamburg






  



Freitag, 9. Dezember 2022

Es klappert keine Mühle am rauschenden Bach

 









Auf der Rückfahrt von Hemmoor entdecke ich ein Schild, das meine sofortige Neugier weckt. "Zur Wassermühle" geht es da, an irgend einer Kreuzung zwischen Buxtehude und Hamburg und sofort habe ich Bilder im Kopf, von klappernden Mühlen und rauschenden Bächen, wie in dem alten Kinderlied. Und von Stativen und Langzeitbelichtungen. Da ich meine Neugier aus zeitlichen Gründen heute nicht befriedigen kann werde ich im Internet nachforschen müssen, wo hier eine Wassermühle steht und sich möglicherweise sogar dreht.  

Ganz überraschend finde ich sogar drei Wassermühlen in der Gegend, davon scheint das Mühlenmuseum Moisburg am interessantesten zu sein und wird der erste Anlaufpunkt einer geplanten Mühlentour, für die ich am Ende drei Anläufe brauche, denn für keine Wassermühle der Welt stelle ich mich freiwillig in einen zehn Kilometer langen Stau auf der Autobahn und das ist mittlerweile Alltag wenn man in den Süden will. 

Das Mühlenmuseum in Moisburg ist wirklich schön erhalten, hat aber natürlich kein schickes altes Mühlrad aus Holz, sondern eines aus Metall, was sicherlich sinnvoll, aber eben nicht romantisch ist. Dafür dreht es sich sogar ab und zu, aber leider nur an Sonntagen mit Autobahnstau. Um es einigermaßen vernünftig fotografieren zu können müsste man beim Nachbarn über den Zaun steigen, wofür mir sowohl die erforderliche Fitness als auch die nötige Frechheit fehlt.

Der nächste Versuch ist ebenfalls nicht sonderlich von Erfolg gekrönt, aber an der Holmer Mühle kann man gut sehen, warum Mühlräder nicht mehr als Holz sind. Schon der hölzerne Vorbau ist dermaßen verrottet, dass vor dem Betreten gewarnt werden muss. Auch hier gibt es feste Betriebszeiten, um das Mühlrad in Aktion zu sehen müsste ich am 12.11. zwischen 10 und 13 Uhr wiederkommen. Am besten mit sehr hohen Gummistiefeln, mit denen ich mich dann in der Seeve stehend so richtig schön auf's Maul packen könnte, aber das wäre die einzige lohnenswerte Perspektive.

Eigentlich wäre es das auch gewesen, aber wenn der Rückweg direkt an der Seppenser Mühle vorbei führt nutz ich das natürlich aus. Hier klappern allerdings nicht einmal die Fenster und ein sich drehendes Mühlrad würde den Schuppen garantiert endgültig zusammenbrechen lassen, was der Denkmalschutz auch nicht verhindern könnte.

Dafür böte die Seppenser Ruine den schönsten Blick aus dem Fenster, wenn es jemand reparieren würde.


Fotos dazu: Seeve bei Holm, Mühlenmuseum Moisburg, Holmer Mühle, Seppenser Mühle

Musik dazu: Townes Van Zandt - No Deeper Blue / Blaze Foley - Cold Cold World