Donnerstag, 25. Mai 2017

Verschollen im Hafen
















Eine Fotosafari mit dem allerbesten Fotosafariplaner überhaupt. Nicht. Zur Nachahmung daher nicht unbedingt empfohlen.

Die Hamburger Presse ist schnell dabei wenn es um irgendwelche Superlative geht, ganz besonders im Hafen. Das größte Dings und das längste Bums, diesmal eines das nicht unter die Köhlbrandbrücke passt und daher am Burchardkai festmachen muss, ein ganz großes Dingsbums. 400 Meter lang! Mehr als 20.000 Container! Die MOL TRIUMPH, eines der größten Containerschiffe der Welt! Im Hamburger Hafen! Weltsensation! Zwar ohne 20.000 Container, weil man die Elbe dafür noch ein paar Meter mehr ausbaggern müsste, aber trotzdem: Weltsensation!

Natürlich sind diese Berichte garniert mit schicken Bildern, unter anderem einer Nachtaufnahme vor der Köhlbrandbrücke, aus einer mir völlig unbekannten Perspektive. Das erweckt unglücklicherweise meine Neugier und ich beschließe, auch so ein Foto machen zu wollen. Zwei Tage habe ich Zeit bis der Pott wieder verschwindet, am ersten regnet es, am zweiten dummerweise nicht und ich mache mich auf den Weg.

Hafengebiet! Das erfordert seriöse Planung, wo ist dieser Standpunkt und wie kommt man da am besten hin? Kommt man da überhaupt irgendwie hin? Die moderne Technik bietet vielfältige Hilfsmittel, der Standpunkt ist mit der Hilfe von Google Maps relativ einfach zu ermitteln, jedenfalls wenn man weiß wo der Burchardkai ist. Laut Google Earth ist gegenüber unwirtliches Ödland mit Grünstreifen am Elbufer, aber die Aufnahmen sind von 2007, da kann inzwischen wer weiß was sein, Raffinerien, Tanklager, Containerstellplätze.

Wahrscheinlich kommt man mit dem Auto da hin. Man müsste auf die A7 und durch den Elbtunnel, was schon doof genug ist, dann Waltershof runter und darauf vertrauen, dass das Navi aktuell genug ist und man nicht irgendwann vor abgeschlossenem Firmengelände steht. Mit dem Auto im Hafen kann auch dazu führen, dass man eine halbe Stunde vor einer abgesperrten Kreuzung auf einen Schwertransporter warten muss und möglicherweise gibt es da überhaupt gar keine Parkplätze.

Beim genaueren Betrachten der Karten kommt mir die vermeintlich beste Idee überhaupt, ich fahre nach Altona, parke die Karre am Fischmarkt, setzte mit der Fähre über zum Bubendey-Ufer und geh die paar Meter einfach zu Fuß. Gedacht und ausgeführt. Dass ich erst einen Parkplatz kriege, der ungefähr mittig zwischen den Anlegern Fischmarkt und Dockland liegt, geschenkt. So kann ich mir wenigstens aussuchen wo ich ein- und aussteige, auch wenn ich dafür ein wenig laufen muss. Zurück zum Fischmarkt...


Die Fähre kostet eine Tageskarte, der anschließende Marsch eine Menge Nerven, denn die paar Meter am anderen Ufer entpuppen sich gefühlt als paar Kilometer, immer schön am Rand entlang, links die Flutschutzmauer, rechts eingezäuntes Ödland, geradeaus Weg ohne sichtbares Ende. Immerhin ein schattiger Grünstreifen unter Bäumen, was angesichts der immer noch 26 Grad ein Segen ist. Ein sehr kleiner, denn der Weg will nicht enden. Sogar Menschen kommen mir einmal entgegen, nur zwei, aber immerhin, ich bin nicht der einzige Bekloppte der hier am Arsch der Heide rumläuft.

Da ich praktisch veranlagt bin habe ich das Handy in der Firma vergessen, weiß also weder wie spät es ist, noch kann ich feststellen wo ich bin. Die Sonne steht schon ziemlich tief und bisher habe ich nur eine leise Ahnung, wo dieser Hotspot sein könnte. Die Planung erweist sich aber wenigstens in diesem Punkt als gelungen, denn der Weg führt tatsächlich direkt zum Ziel. Zuerst zu einer breiten metallenen Treppe mit einem Tor, das zur anderen Seite der Flutschutzmauer führt. Theoretisch, denn es ist mit Kette und Vorhängeschloss gesichert und klettertechnisch wahrscheinlich nicht einmal von sportlichen Mittzwanzigern zu bewältigen.

Wozu baut man so etwas, wenn man es dann nicht benutzen kann? Bleibt nur die rostige Leiter an der Mauer, eine dieser steilen Hafenleitern, die man freiwillig nur benutzen würde wenn man besoffen ins Wasser gefallen ist. Unerwartet bekomme ich dabei Hilfe von den Cops, die hier gleich mit vier Leuten zum Schiffe gucken vorgefahren sind, denn selbstverständlich gibt es hier eine Straße. Und Parkplätze ohne Ende, keine zehn Meter entfernt. Muss man wissen.

Die Uniformierten erweisen sich trotz anfänglich skeptischen Blicken als wahre Freunde und Helfer, ich muss nur meinen alten Kadaver über die Mauer hieven, die Ausrüstung wird mir gereicht. Sehr nette Leute, muss ich schon sagen. Wahrscheinlich haben sie mit professionellem Blick erkannt, dass ich schon von der Latscherei ziemlich fertig war und sich erinnert, dass man älteren Menschen helfen soll, auch wenn es Zecken sind.
Im Gegenzug können sie dann auf der Wache erzählen, sie hätten einem St.Pauli Fan mit FCK NZS T-Shirt geholfen und der hätte sich sehr höflich und in angemessenen Worten für die Hilfe bedankt, das erleben die bestimmt auch nicht so oft.

Der Hotspot auf der anderen Seite der Mauer ist schnell zu erkennen, einmal durchs Gebüsch und um die nächste Ecke, wo die ganzen Freaks mit den Stativen stehen hat man den besten Blick. Es sind auch noch diverse Standorte zu vergeben, also flugs das Stativ aufgebaut und ein paar Probeaufnahmen im Abendlicht gemacht. Danach heißt es rumstehen, mit den Umstehenden ein wenig vom Fach simpeln (alle mit dem Auto da, na klar) und auf die blaue Stunde warten.

Aber kaum gehen drüben die ersten Lichter an wird die Aussicht gestört, durch weitere 366 Meter Containerschiff, die CMA CGM ALASKA, von drei Schleppern langsam in den Hafen bugsiert. Mein Nebenmann ist wenig begeistert, lag ihm doch vor zwei Tagen schon ein Feeder stundenlang vor der Nase und nun dies, doch die Aufregung ist unbegründet: Innerhalb einer knappen halben Stunde haben sie den Kahn hinter den beiden anderen Giganten eingeparkt. Muss man können.


Wenn nicht gerade ein dämlicher blauer Schaufelraddampfer im Hafenbecken herumkurvt kann man hier ganz toll Containerfrachter fotografieren, was mich eine ganze Weile beschäftigt. Dadurch bin ich jetzt im Besitz von 50 mehr oder weniger ähnlichen Fotos in diversen Phasen des Sonnenuntergangs, von denen ich ungefähr die drei machen wollte, die ich letztlich auch behalten werde.

Inzwischen ist es dunkel, daher latsche ich auf dem Rückweg lieber über die alte Pflasterstraße, um mich auf dem Grünstreifen nicht noch auf die Nase zu legen. Super Idee, abgesehen vom harten Pflaster wähle ich damit den deutlich längeren Weg, weshalb ich den Anleger nicht auf Anhieb finde. Auf dem sitze ich dann irgendwann alleine rum und hoffe, dass ich nicht die letzte Fähre verpasst habe. Mein einziger Anhaltspunkt ist das Datum der Kamera, nur leider habe ich keine Ahnung ob die auf Sommerzeit eingestellt ist.

Ich stelle mich schon seelisch darauf ein, auf dem angrenzenden Parkplatz einen LKW Fahrer aus der Koje zu holen, sonst ist hier weit und breit kein Mensch der mir ein Taxi rufen könnte, doch der Notfall tritt nicht ein, die HADAG fährt noch.

Bis Dockland diesmal nur, in der Hoffnung die Karre könnte doch etwas näher dran sein als am Fischmarkt. Aber nein, es ist wirklich ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden Anlegern. Wenn schon verkacken, dann richtig.

Beklopptes Hobby, aber wenigstens kommt man mal an die frische Luft.

Fotos dazu: MOL TRIUMPH, Burchardkai Hamburg, Nikon D90
Bier dazu: Wacken Beer Baldur, Nordic Märzen, 5.5%
Musik dazu: Hattler - Live Cuts














Kommentare:

  1. ich lach mich schlapp. so ungefähr hat mein göga euren trip nach friedrichstadt beschrieben: der rennt stundenlang rum und fotografiert und eine pause gibt es erst wenns nichts mehr zu fotografieren gibt *fg*
    aber die fotos sind schick, jedenfalls wenn man schiffe schick findet :p

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wer findet Schiffe denn nicht schick?

      Löschen
    2. containerschiffe eher nicht. schöne alte jachten aus holz, segelschiffe generell, fischkutter, krabbenkutter und sowas, ja!

      Löschen
  2. Sehr geile Fotos, Glückwunsch. Wenn du das nächste mal da hin fährst komme ich gerne mit (wenn du fährst!)

    Gruß, N.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke. War spontan direkt nach der Arbeit, sonst hätte ich Dich angerufen.

      Löschen