Mittwoch, 11. März 2015

Der Schwarm














Sonne und Hunger. Sonnenhunger. Frühling bricht aus in Hamburg, auch noch arbeitnehmerfreundlich am Wochenende, der Winter liegt scheinbar in seinen letzten Zügen. Überall sollen schon Krokanten aus dem Boden gucken, da muss man doch raus aus der Bude, Makro einpacken, Blümelein knipsen. Nur, wo zum Teufel findet man diese Frühjahrsblüher? Auf Verkehrsinseln? In Muttis Garten? Planten un Blomen! Wenn garantiert irgendwo irgendwas blüht, dann dort.

Knapp zwanzig Grad und blauer Himmel sorgen in Hamburg sofort für wuselige Aktivität, der Schwarm ist unterwegs um möglichst viel Sonnenstrahlen zu erhaschen, die Straßen sind voll, die Wege noch voller. Vollvollvoll. Nach zwei Gartenumrundungen gibt es den Chefparkplatz, zwei Minuten Fußweg vom Haupteingang, schon von weitem erkennbar durch die gewaltige Schlange vor der Eisbude. Im Park muss man sogar auf den schmalen Nebenwegen anderen Menschen ausweichen, jede im Sonnenlicht stehende Bank ist besetzt, auf den hügeligen Rasenflächen sitzen Menschen im Gras und lesen oder smartphonen, vollvollvoll. Wo gibt es hier Kroküsse? Wie sehen die Dinger überhaupt aus? 

Eine halbe Stunde finde ich nur Grünzeug, dann stolpere ich über ein von Fotografen belagertes Feld mit buntem Gedöns, sehr viel blau, dazwischen ein paar gelbe Exemplare, keine Ahnung ob das jetzt Kroketten sind, aber jede Menge Bienen dabei. Noch jemand am schwärmen heute, die wähnte ich noch im Winterschlaf, kommt aber nicht ungelegen. Blöde ist nur die Lage des Buntgemüsefeldes, das Stativ ist mehr Hindernis als Hilfsmittel, ich hätte den Bohnensack mitnehmen und mich in den Staub legen müssen. Für Bienengewusel brauche ich kurze Belichtungszeiten und eine kleine Blende, damit fallen schon mal die 70% der Blümchen weg die im Schatten liegen, den Rest krieg ich so halbwegs gebacken. Nach einer guten Stunde ist die Lust an Bienenschwärmen vergangen, denen die ganze Zeit beim Fressen zusehen macht irgendwie Hunger.

Auf zum Hafen, Fischbrötchen futtern. Das gleiche Bild wie in der City, vollvollvoll. Zwei Hafenumrandungen später immerhin Parkplatz für leitende Angestellte, fünf Minuten Fußmarsch zum Fischmarkt. Der Schwarm ist auch hier unterwegs, Menschenmassen schieben sich am Hafenrand entlang, sitzen auf Mauern, Bänken und an Hauswänden, lassen ihre Beine über die Wasserkante baumeln oder verstopfen die Hafenfähren. Sonne satt, endlich. Für Eis oder Fischbrötchen muss man auch hier längere Wartezeiten in Kauf nehmen, beste Unterhaltung dabei garantieren blubbernde Achtzylinder aus vergangenen Zeiten und moderne Zahnarztharleys, endlich mal wieder ein Wetter um gesehen zu werden. Vom Schwarm.

Fotos: Hafenfähre/Dockland - Planten und Blomen Eisbude - Krokantenbiene - Fischauktionshalle - Große Elbstr./Wasserseite - Cruise Center Altona Eisbude - Werfthafen - Hudson Hornet - Pontiac Bonneville - Letzter Imbiss vor New York - Futterneid

Musik: Auf der Maur - Auf der Maur/Out Of Our Minds










 

Kommentare:

  1. wir haben uns lieber in den garten gesetzt und gegrillt statt wie du ein teil des schwarms zu werden :p

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    1. Ich hatte keine Lust einen Grill zu fotografieren bei dem Wetter, es sei denn ihr hättet Krokesen im Garten gehabt :p

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    2. Krokanten werden überbewertet. Yepp. Vallah !
      Obschon selbige im sogenannten 'Frühjahr' auszuschwärmen pflegen.

      ;-)

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  2. Hab ich am Sonntag auch vor Augen gehabt. Eine kollektiv Frühlingsbegrüßungsmaßnahme, bei der viele Menschen demselben Ziel zustreben. Die Lieblingscaféterrasse vermeidend haben wir einen abgelegenen Zipfel der Landschaft aufgesucht. Ohne Schwarm, aber auch schön.

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    1. Mit abgelegenen Zipfeln ist das in Hamburg schwierig, weil sich gefühlt die Hälfte der Bevölkerung auf diesen Zipfeln verteilt. Da bleibt eigentlich nur der eigene Garten.

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    2. Leben in der Stadt. mein Beileid ;-). Das ist DER Heimvorteil hier, so halbwegs entvölkerte Landstriche zu haben

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    3. Geniesse auch den sog. "Heimvorteil" des entvölkerten Landstriches. Hat was.
      Wenn ich Action will, besuche ich einfach den Zaph. ;-)

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    4. Ach naja, ich würde wohl auch in der Stadt ein paar entvölkerte Ecken finden, Sonntags im Containerhafen soll es sehr ruhig sein *g*

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  3. Eine ganze Stunde lang Bienen und Blüten (das sind übrigens Krokusse auf deinem Foto) fotografiert und alles was dabei raus kommt ist EIN Foto? :p

    Gruß, N.

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    1. Nein, drei. Mehr Bienen brauche ich nicht und Krokerlen pur ohne Viehzeugs, Tautropfen o.ä. fand ich nicht so derbe interessant, da gibt es schickere Blütenstände.

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  4. Deine Fotos senden wärmende Frühfrühlingsstrahlen bis hierher. Und das Möwenfoto am Schluss ist ein Kracher.

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    1. Danke, mit den wärmenden Strahlen soll sich das hier ab morgen erledigt haben, pünktlich zum Heimspiel.
      Das Möwenfoto ist 1 von 100, bei den Scharen (und den ganzen Brotkrumenwerfern am Hafen) muss man einfach nur draufhalten und feuern, eins ist immer dabei. Wenn man den Viechern mit dem Objektiv folgen will wird man nach 2 Minuten blöde im Kopp. Schlimmer als Bienen *g*

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  5. Endlich ist auf meinem Desktop der Frühling eingekehrt, macht sich hübsch als Hintergrund dein Blümchenbild :O)

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    1. Das ist ja schön, schon die zweite Dame die hier fündig wird *g*
      aber 1600*1063 ist zu klein eigentlich, jedenfalls wenn Du nen anständigen Monitor hast.

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  6. Oh und Du hast sogar Möwen fotografiert! :D

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