Samstag, 5. September 2020

Frankentage (3): Kirche, Knast und Leberkäse


 

 

 

 

 

 

 

 

Vier Tage am Stück Hochsommer mit bis zu 35°, das kann auf Dauer nicht gut gehen, für den heutigen Tag sind Gewitter angesagt und ordentlich Regenschauer. Besser man verlegt das fotografische Vorhaben in Innenräume und da bieten sich in Franken natürlich Kirchen an, davon gibt es ja reichlich. Interessant könnte dabei vor allem die ehemalige Zisterzienserabteikirche Ebrach sein, die mit der großen hochgotischen Rose der Fassade aus dem Jahr 1280.

Das ist ein wenig geschummelt, denn das baufällige Original befindet sich inzwischen im Bayrischen Museum München. Die Kopie ist erst 134 Jahre alt, was garantiert niemandem auffällt der nicht ein paar Münzen in den kleinen bebilderten Kunstführer investiert, in dem diese und viele andere interessante Details beschrieben werden. Keine schlechte Investition, dann weiß man hinterher wenigstens was man da eigentlich die ganze Zeit fotografiert hat.   

Der Kasten ist wirklich höchst beeindruckend, was nicht nur an dem gewaltigen Fenster und den drei Kirchenorgeln liegt, es steht und hängt unglaublich viel Gedöns an den Wänden der drei Kirchenschiffe, Stuck und Gemälde, Engel mit und ohne Trompeten, ein Ururururgroßvater von Loddar, Heilige von Nepomuk bis Nikolaus, ein ganzes Pfingstwunder sogar, direkt über der Sakristeitür, das Grabmal der Stauferkönigin Gertrud und bestimmt auch mindestens eine Jungfrau dabei irgendwo. Was ein Maßwerktympanon ist habe ich immer noch nicht nachgeschlagen, aber wer so etwas sucht sollte mal nach Ebrach kommen.

Mittelalterlich ist das alles aber nicht mehr, durch die frühklassizistische Umgestaltung von 1778 bis 1791 wurde der Raum "ästhetisch vernichtet" schrieb ein berühmter Kunsthistoriker. Der mochte wohl den Hofstuckator Materno Bossi nicht, der mittelalterliche Bauformen durch antikische ersetzte und um die Säulen verkröpftes Gesims einzog, was wirklich ein unverzeihlicher Fehler ist. Verkröpftes Gesims, also echt mal.

Andererseits gelang es Bossi dadurch, über die frühgotischen Wände einen antikisierenden Rhythmus schwingen zu lassen und das auch noch farblich passend. Weiß, Gold und Marmor, wenn das nicht ästhetisch ist weiß ich auch nicht, aber wenigstens das mit dem Rhythmus sollte man ihm zugutehalten finde ich.

Der nette Mann an der Kunstführerverkaufskasse hält dazu ungefragt noch ein paar aktuelle Informationen bereit, so ist der Klostergarten auf der anderen Straßenseite leider zur Zeit etwas ungepflegt, weil die Strafgefangenen während der Coronakrise nicht raus durften und das bitte er zu entschuldigen. Aha.

Mit dieser Information kann ich erst etwas anfangen, als ich die vergitterten Fenster und den Stacheldraht am nebenstehenden Klostergebäude bemerke, aus dem sie 50 Jahre nach dem Tode des letzten Abtes ein Gefängnis machten. Heute ist es eine Jugendstrafanstalt und das tut mir leid, weil ich die Justiz im Freistaat Bayern so einschätze, dass da bestimmt einige nur sitzen, weil sie beim letzten Starkbierfest lieber eine Tüte geraucht haben statt sich um den Verstand zu saufen.

Was ich ebenfalls entdecke ist der kleine Metzger gegenüber, der ausgezeichneten (im Sinne von: da hängt eine Auszeichnung an der Wand) warmen Leberkäse anbietet und so sicher wie ich in Dänemark wenigstens einen Hot Dog essen muss, ist es in Franken eine Leberkässemmel. Wäre das auch eine ausgezeichnete Semmel gewesen, hätte das zusammen mit dem ausgezeichneten Leberkäse eine ganz ausgezeichnete Leberkäsesemmel ergeben, aber die Semmel ist leider nur Durchschnitt und kaan Händlmaier gab's auch ned dazu. Kruzifix.

 

Fotos dazu: Abteikirche Ebrach, Nikon D7200 - Musik dazu: Javi Garcia & Cold Cold Ground - A Southern Horror

 











 

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