Nach dem gestrigen Spieltag wären drei Punkte gegen die Frankfurter Eintracht natürlich ganz fantastisch, aber erwarten tu ich nix. Man lernt ja dazu - seit ich nichts mehr erwarte werde ich regelmäßig positiv überrascht. Die erste positive Überraschung des Tages gibt's schon vor dem Spiel: Die infektiösen Ablagen an der Wand im Umlauf sind gereinigt worden, außer Stickern klebt da jetzt nichts mehr. Hilft also tatsächlich, wenn man dem Herrn Brux mal eine Mail schreibt (ich war's nicht).
Die zweite Überraschung wartet am Platz: Wir machen mal wieder Choreo, also nicht wirklich wir, sondern eher die Leute, die diese große Tapete, Blockfahne oder whatever gebastelt und installiert haben. Entfaltet werden soll das allerdings erst in der Halbzeit, ich bin gespannt. Doof ist halt immer, dass man davon selber nichts sieht, aber später gibt's garantiert genug Fotos, ich ahne auch schon wo.
Überraschung drei, die Frankfurter sind gar nicht mal so gut wie befürchtet, was die an Fehlpässen spielen schaffen wir an schlechten Tagen auch. Kein Vergleich jedenfalls mit den Hoffenheimer Anfangsminuten, bei denen man Schlimmes befürchten musste. Hier haben wir das Spiel weitestgehend im Griff und sogar ungefähr eineinviertel Torchancen bei denen zweimal Aluminium rausspringt.
Ein Führungstreffer würde dem Spiel gut tun, ein etwas beherzteres Eingreifen des Schiedsrichters bei dem etwas zu körperbetonten Einsatz der Frankfurter Trikottester wäre auch nicht ganz schlecht, aber das ist halt Zwayer, mit merkwürdigen Entscheidungen muss man da leben. Mein hochgeschätzter Sitznachbar hat schon nach zwei Spielminuten die Hasskappe auf, da weiß ich noch gar nicht, dass es sich um den unglücklichen Felix handelt. Kann man das nicht irgendwie erreichen, dass man den Mann nur einmal pro Saison ertragen muss?
Torlos geht es in die Halbzeit, durch die zwei Alus liegen wir bei diesen ominösen expected Goals wahrscheinlich knapp vor den Frankfurtern und wenn wir die zweite Halbzeit in diesem Stil weiterspielen können sieht das doch gar nicht so übel aus.
Vorher entfalten die Choreo-Leute jedoch erstmal die große Tapete, auf der wahrscheinlich irgendetwas zum Internationalen Frauentag steht. Ich könnte nachfragen statt Antifa Hooligans zu singen, werd das aber früh genug erfahren ohne jemanden anschreien zu müssen, also sing ich weiter.
Als das Spiel wieder läuft ist die Sicht dadurch noch kurz eingeschränkt, was manche Menschen zum Anlass nehmen wutentbrannt am Stoff zu zerren und mich zu der Frage bringt, warum manche Menschen zum FC St.Pauli gehen. Der grandiose Fußball allein kann's eigentlich nicht sein, bleibt also nur die Haltung und die ist irgendwie...anders.
Anders ist auch die zweite Halbzeit, durch die Tapete verpassen wir die Verletzung von Manos, der von Lars ersetzt werden muss. Wir stehen viel tiefer, es gibt wenig Entlastung nach vorne, Frankfurt überlegen, aber ohne wirklich gefährlich zu werden. Trotzdem sieht es nicht so aus als könnten wir hier mehr erreichen als einen Punkt und so langsam bin ich bereit, mich damit zufrieden zu geben.
Die nächsten unfreiwilligen Wechsel gibt's in der 66. Minute, weil Ando kurz vor einem Platzverweis steht und dann noch in der 80. als sich auch James Sands verletzt. Das nimmt gerade wieder Ausmaße an, die mir so gar nicht behagen. Zwayer beschert uns noch sieben spannende Minuten Nachspielzeit, dann ist Schluss.
Hätten wir gewinnen können. Ob wir das hätten gewinnen müssen oder ob das ein entscheidender Punkt zum Klassenerhalt war wird man am Ende sehen.
Fotos dazu: Gegengerade Millerntor, FC St.Pauli - Eintracht Frankfurt, Endstand 0:0
Links dazu: Ein Punkt ist ein Punkt (Millernton) Verletzungen und wichtige Langeweile (Stefan Groenveld)
Musik dazu: 1001 Songs you must hear before you die: 490. Public Image Ltd. - Public Image, 491. Stiff Little Fingers - Public Ulster, 492. The Clash - White Man in Hammersmith Palais








